Rache an IS-Terrormiliz Jordanien exekutiert zwei Dschihadisten

Auf den Schock folgt die Wut: Die jordanische Armee hat angekündigt, die grausame Ermordung des jordanischen Piloten Muaz al-Kasaesbeh zu rächen. Zwei inhaftierte Dschihadisten wurden im Morgengrauen hingerichtet.

Demonstration in Amman: Jordanier fordern Rache für den grausamen Mord
AFP

Demonstration in Amman: Jordanier fordern Rache für den grausamen Mord


Nach der grausamen Hinrichtung des jordanischen Piloten Muaz al-Kasaesbeh durch die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hat das jordanische Militär Rache geschworen. "Das Blut des Märtyrers wird nicht umsonst geflossen sein", sagte ein Armeesprecher in einer Ansprache im jordanischen Fernsehen. "Unsere Rache wird das Ausmaß des Schmerzes haben, der allen Jordaniern zugefügt wurde."

Auch die jordanische Regierung kündigte eine "fürchterliche Antwort" an - und ließ sogleich Taten folgen: Nur wenige Stunden nach Veröffentlichung des IS-Propagandavideos, das den Todeskampf des Jordaniers zeigt, wurde die inhaftierte irakische Dschihadistin Sadschida al-Rischawi zusammen mit dem al-Qaida-Terroristen Siad al-Karbuli exekutiert.

Rischawi war 2005 mit einem Selbstmordattentat gescheitert: Sie hatte es nach eigenen Aussagen nicht geschafft, den Zünder ihres Sprengstoffgürtels zu betätigen. Ihr Mann hatte sich im Radisson-Hotel in Amman mitten in einer Hochzeitfeier in die Luft gesprengt, zwei weitere Attentäter starteten Parallel-Anschläge in anderen Hotels. Sie rissen 60 Menschen in den Tod.

Die 44-Jährige, die seit neun Jahren in einer jordanischen Todeszelle saß, war für den IS eine wichtige Symbolfigur. Die Terrormiliz hatte zunächst einen Austausch Kassasbehs gegen Rischawi angeboten, allerdings war der Pilot laut dem jordanischen Staatsfernsehen zu diesem Zeitpunkt bereits tot.

Auch in Kasaesbehs Heimatstadt Karak in der Nähe des Toten Meeres forderten die Menschen Rache. "Ich will Sadschida und alle anderen Terroristen in jordanischen Gefängnissen brennen sehen. Nur dann wird mein Durst nach Rache gestillt sein", rief ein Regierungsangestellter bei einer Demonstration im Zentrum der Stadt.

Familienangehörige des Piloten versuchten, die aufgebrachten Demonstranten zu beruhigen. Es sei an der Regierung, für sie Rache zu nehmen. Die Familie gehört zu einem traditionell königstreuen jordanischen Stamm. In den vergangenen Wochen war aus diesen Reihen jedoch Kritik am König laut geworden: Die Entscheidung, Soldaten in den Kampf gegen die Terrormiliz IS zu schicken, ist im Land umstritten.

Die Armee habe alle Mühen auf sich genommen, Kasaesbeh frei zu bekommen von den "Kräften der Dunkelheit und des Bösen", sagte der Armeesprecher. Mamoun Abu Nowar, pensionierter General der jordanischen Luftwaffe, sagte, er erwarte nun weitere Luftschläge Jordaniens gegen den IS.

Jordaniens König Abdullah II. befindet sich derzeit in der US-Hauptstadt Washington. Er hat dort mit der US-Regierung um Wirtschafts- und Militärhilfen in Milliardenhöhe verhandelt. Nach der Veröffentlichung des Videos wurde er kurzfristig von US-Präsident Barack Obama empfangen. Den IS nannte Abdullah "eine feige, fehlgeleitete Verbrecherbande, die nichts mit unserer Religion zu tun hat".

Obama versprach, dass die Anti-IS-Koalition nun ihre "Wachsamkeit und Entschlossenheit verdoppeln" würde, um die Dschihadistengruppe endgültig zu besiegen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, die Tat zeige, dass die terroristische Organisation keinerlei Respekt vor dem menschlichen Leben habe. Seine Gedanken seien bei der Familie des 26-Jährigen, er stehe in Solidarität neben dem jordanischen Volk. Er forderte alle Regierungen auf, "ihre Bemühungen zu verstärken, um innerhalb der Grenzen der Menschenrechte die Geißel des Terrorismus und des Extremismus zu bekämpfen".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb in einem Kondolenztelegramm an den jordanischen König Abdullah II., es sei "unfassbar, dass Menschen zu einer solch grausamen Tat fähig sind". Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, Jordanien zahle einen hohen Preis für seinen entschlossenen Einsatz gegen den IS. Umso wichtiger sei es, dass die Weltgemeinschaft geschlossen gegen den IS und Terrorismus zusammenstehe.

vet/dpa/AFP/Reuters/AP

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