Pim Fortuyn Ein eleganter Hecht im Karpfenteich


Den Haag - Pim Fortuyn hat sich in den letzten Monaten als "Hecht im Karpfenteich" der niederländischen Politik einen Namen gemacht. Mit Kritik an der traditionellen Politik des Establishments in Den Haag wusste er zunehmende Wählermengen anzuziehen. Alle Umfragen der letzten Zeit deuteten darauf hin, dass er nach den Parlamentswahlen vom 15. Mai eine bedeutende Rolle bei der Regierungspolitik hätte spielen können.

Der ehemalige Soziologieprofessor Fortuyn, 54, hatte jahrelang als Journalist eher rechte Positionen vertreten und daneben reiche Niederländer beraten. Er rühmte sich, über ausreichend Geld zu verfügen. Aber der Daimler-Fahrer mit eigenem Chauffeur trat erst im letzten Jahr aktiv in der Politik des Landes in Erscheinung. Dabei fand er bei der neu entstandenen Bewegung "Leefbaar Nederland" ("Lebenswerte Niederlande") eine Heimat. Er wurde deren Spitzenkandidat.

Die bis dahin in den Niederlanden einzigartige Organisation kritisierte die regierenden Parteien in Den Haag. Sie warf dem politischen Establishment vor allem vor, sich zu wenig an den Wünschen der Bürger zu orientieren.

Als Fortuyn aber den Islam heftig attackierte und ohne Rücksprache mit der Parteiführung allzu extreme Positionen vertrat, trennte sich die Bewegung von ihrem Spitzenkandidaten. "Wir werden den Vertrag von Schengen aufkündigen und den Flüchtlingsvertrag", hatte Fortuyn öffentlich angekündigt. Immer öfter erklärte er, dass er der künftige Regierungschef der Niederlande sein werde. Dann werde er die Dinge neu ordnen. Dazu gehörten vor allem das Gesundheitssystem, das Schulwesen und die Vorkehrungen zur besseren Sicherheit der Bürger.

Als der glatzköpfige Politiker eine eigene Liste Pim Fortuyn (LPF) schuf, hatte er auf Anhieb großen Erfolg. Bei den Kommunalwahlen im März verblüfften Erfolge seiner Liste in einigen Städten. Allein in der früheren sozialdemokratischen Hochburg Rotterdam eroberte sie mehr als 34 Prozent der Stimmen und wurde stärkste Partei. Sein Bekenntnis zur Homosexualität schadete ihm dabei kaum. Auch das auffällige Auftreten des elegant gekleideten Politikers mit den griffigen Slogans machte ihn populär.

Insbesondere seine häufig vorgetragene Erklärung "Ich sage, was ich meine, und ich tue, was ich sage", brachte ihm viel Sympathie ein. Damit stand er in deutlichem Gegensatz zu der vorsichtigen, auf Konsens gegründeten vorherrschenden Politik in Den Haag. Diese Praxis der dominierenden Parteien machte nach Fortuyns Ansicht das "politische Geschäft" immer weniger durchschaubar.

Fortuyn hat stets Vergleiche mit anderen Rechtspopulisten wie Jean-Marie Le Pen in Frankreich oder Jörg Haider in Österreich zurückgewiesen. Er stehe allenfalls CSU-Chef Edmund Stoiber nahe. Er teile dessen Auffassungen über die Bedeutung gesellschaftlicher Normen und Werte, sagte Fortuyn bei einem der seltener gewordenen Treffen mit Journalisten noch Anfang April.



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