Pinochet Exdiktator nicht zu Untersuchung erschienen

Der frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet hat eine richterliche Anordnung zu einer Gesundheitsuntersuchung missachtet, die seine Verhandlungsfähigkeit feststellen sollte.


Santiago - Pinochet kam nicht wie angeordnet am Sonntag ins Militärkrankenhaus von Santiago, sondern blieb auf seinem schwer bewachten Landsitz rund 130 Kilometer südwestlich der Hauptstadt.

Exdiktator Pinochet blieb auf seinem schwer bewachten Landsitz
REUTERS

Exdiktator Pinochet blieb auf seinem schwer bewachten Landsitz

Pinochets Anwalt hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, Pinochet werde sich Richter Juan Guzman widersetzen und sich nicht den dreitägigen Tests und Befragungen unterziehen. Seine Anwälte machen geltend, dass Pinochet aus Gesundheitsgründen nicht verhandlungsfähig sei.

Guzman will den Exdiktator wegen der so genannten Karawane des Todes vor Gericht bringen. Im September 1973, unmittelbar nach Pinochets Militärputsch gegen die Regierung des demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende, entführte oder ermordete dieses Militärkommando in mehreren Städten 73 politische Gefangene. Von 55 Opfern wurden inzwischen die Leichen gefunden. In diesen Fällen wurde Pinochet wegen Anstiftung und Beihilfe zum Mord angeklagt. Wegen weiterer 18 Opfer, die bis heute verschwunden sind, erhob Guzman Anklage wegen Entführung.

Das Oberste Gericht wies jedoch die Anklage am 20. Dezember wegen Verfahrensmängeln zurück und hob auch den gegen Pinochet verhängten Hausarrest auf. Das höchste Gericht bemängelte, dass Pinochet vor der Anklageerhebung nicht vernommen worden sei. Außerdem müsse der General im Ruhestand vor einer Vernehmung medizinisch untersucht werden. Die Richter gaben Guzman 20 Tage Zeit, das Versäumte nachzuholen, bevor er erneut Anklage erhebt.



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