Pinochet Mit dem Enkel im Spielzeugladen

Chiles Ex-Diktator Augusto Pinochet versucht offenbar, sich von seiner besten Seite zu zeigen, um einer Verurteilung zu entgehen. Mit seinem Enkel besuchte er einen Spielzeugladen.


Augusto Pinochet
AFP

Augusto Pinochet

Santiago de Chile - Pinochet trat damit erstmals seit der Aufhebung seiner Immunität vor zwei Wochen wieder in der Öffentlichkeit auf. Der 84-Jährige kaufte einem seiner Enkel ein elektronisches Spielzeug und eine Mutantenfigur "ex- Men". Der frühere Gewaltherrscher sei von fünf Leibwächtern begleitet worden.

Der Einkaufsbummel als gutmütiger Großvater mit Enkel wurde als Teil einer angekündigten Offensive gewertet, mit der sich Pinochet gegen die Vorwürfe wegen der Verbrechen unter der Militärdiktatur (1973 - 1990) zur Wehr setzen will. Vor einigen Tagen war berichtet worden, der General im Ruhestand bereite auch einen Brief an die Chilenen vor, in dem er seine Diktatur rechtfertigen wolle. Etwa 3200 Menschen waren unter Pinochets Kommando getötet worden.

Der Untersuchungsrichter Juan Guzman, auf dessen Antrag hin die Immunität vom Obersten Gericht aufgehoben wurde, bereitet zurzeit eine Anklage gegen Pinochet wegen Entführung von 19 Regimegegnern vor. Sie sind die einzigen Opfer der so genannten "Karawane des Todes", die unmittelbar nach dem Putsch vor 27 Jahren insgesamt 72 Häftlinge erschoss, deren Leichen bis heute verschwunden sind. Da eine Mordanklage wegen der Selbstamnestie der Militärs nicht möglich ist, geht Guzman von einer immer noch andauernden Entführung aus.



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