Pinochet Weder "verrückt" noch "schwachsinnig"

Augusto Pinochet leidet aufgrund früherer Hirninfarkte an "leichter oder moderater Demenz". Das haben offenbar die medizinischen Tests ergeben. Fraglich bleibt, ob der Ex-Diktator Chiles deshalb prozessunfähig sei.


Augusto Pinochet: Nur "leichte oder moderate Demenz"
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Augusto Pinochet: Nur "leichte oder moderate Demenz"

Santiago de Chile - Im Gehirn des Ex-Diktators Augusto Pinochet seien durch Hirninfarkte Veränderungen festgestellt worden, die der Grund für die beginnende Demenz, die Minderung seiner geistigen Fähigkeit, sein könnten. Dies berichtete das chilenische Fernsehen unter Berufung auf die psychologischen und neurologischen Testergebnisse. Unklar ist noch, ob dieses Ergebnis den geplanten Prozess gegen Pinochet wegen Verbrechen unter der Militärdiktatur (1973-1990) verhindern wird. Verhandlungsunfähig ist nach chilenischen Gesetzen nur, wer "verrückt oder geistesschwach" ist.

Zuvor hatten andere einheimische Medien berichtet, dass der Geisteszustand des früheren Machthabers seinem Alter entspreche und absolut normal sei. Die Ärzte unterrichteten Untersuchungsrichter Juan Guzman, der Pinochet heute erstmals zu den Vorwürfen der Anstiftung und Beihilfe zu Mord und Entführung verhören wollte. Anschließend könnte er ihn unter Anklage und Hausarrest stellen.

Klägeranwälte betonten, das Ergebnis der Tests entspreche nicht ihren Erwartungen. Dennoch seien die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Verzicht auf einen Prozess nicht erfüllt.

"Pinochet erinnert sich an einige Tatsachen und hat Probleme mit der Koordination und der Wortfindung. Er verfügt noch über ein gewisses Maß an analytischen Fähigkeiten. Er weist jedoch ein Defizit bei der Aufmerksamkeit auf und erregt sich schnell", sagte der von der Klägerseite beigeordnete Neurologe Luis Fornazzari. Er hatte an den Untersuchungen teilgenommen. Der Arzt fügte hinzu, Pinochet weise bisweilen Aussetzer der logischen Fähigkeiten auf.

Die Verteidigung und die Familie Pinochets hatten betont, der General im Ruhestand sei nicht verrückt, sondern leide an zahlreichen Altersgebrechen. Deswegen dürfe er ihrer Ansicht nach nicht vor Gericht gestellt und auch nicht verhört werden.



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