Piraten "Ein Fall für das KSK"

Wer ist für deutsche Geiseln im Ausland zuständig: KSK oder GSG 9? Nach der gescheiterten Befreiung der "Hansa Stavanger"-Mannschaft vor der somalischen Küste streiten Experten über Zuständigkeiten. Helmut Willmann, Ex-Heeresinspekteur und militärischer Gründer des KSK, hat eine klare Antwort.


SPIEGEL: Der Einsatz der Polizeitruppe GSG 9 vor Somalia ging schief. Wäre die Operation mit der Bundeswehr-Einheit KSK erfolgreich verlaufen?

Willmann: Ich kenne nicht die speziellen Einsatzbedingungen in diesem Fall, aber klar ist: Geiselbefreiungen im Ausland gehören zu den Kernaufgaben des KSK von Anfang an. Das KSK ist dafür geschaffen worden nach den Erfahrungen von Ruanda, als belgische Elitesoldaten deutsche Staatsbürger evakuieren mussten. Als das KSK 1996 gegründet wurde, habe ich sofort einen Zug für Geiselbefreiung ausbilden lassen, mit Hilfe der britischen SAS, einer international hochangesehenen Spezialtruppe.

SPIEGEL: Aber hat die GSG 9 nicht mehr Erfahrung auf dem Gebiet?

Willmann: Das KSK verfügt über Erfahrung. Es ist seit mehr als zehn Jahren geübt darin, im militärischen Verbund zu operieren und in einem komplexen Umfeld Geiseln zu befreien. Schon 1998 hat das KSK Zugriffsoperationen auf dem Balkan erfolgreich ausgeführt. Es existieren klare und eingespielte Kommandostrukturen und Befehlsketten, was für den Erfolg einer solchen Operation eminent wichtig ist. Dieser Einsatz wäre ein Fall für das KSK gewesen, er war wie zugeschnitten auf dessen Profil.

SPIEGEL: Warum ist dann die GSG 9 eingesetzt worden?

Willmann: Das frage ich mich auch. Natürlich kenne ich nicht die Entscheidungsabläufe in den Ministerien in diesem Fall. Ich habe hohen Respekt vor der GSG 9. Aber es macht wenig Sinn, eine Polizeitruppe in eine komplexe militärische Operation einzubauen. Das kann nur schwer funktionieren.

SPIEGEL: Muss das Grundgesetz für einen KSK-Einsatz geändert werden?

Willmann: Ich bin kein Verfassungsrechtler. Es übersteigt aber meine Phantasie, dass eine Geiselbefreiung im Rahmen einer militärischen Operation der EU am Horn von Afrika eine polizeiliche Aufgabe sein soll. Mir ist jedenfalls kein Land bekannt, dass im Rahmen dieser EU-Operation Polizisten einsetzt.

SPIEGEL: Wieso muss sich Deutschland Flugzeuge leihen, wenn es solche Einsätze fährt?

Willmann: Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass die Europäische Union zwar eine moralische und ökonomische Macht ist, aber keine militärische. Für die weltweiten Einsätze braucht man strategische Instrumente in der Aufklärung, der elektronischen Kampfführung sowie Luft- und Seetransport-Kapazitäten. Und genau die haben wir nicht.

Das Interview führte Christoph Schwennicke



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