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Piraten in Somalia: "Es gibt nichts zu tun!"

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Erfolg für "Atalanta"-Mission Somalias Piraten sitzen auf dem Trockenen

Der Kampf gegen die Seeräuberei am Horn von Afrika zeigt Wirkung: Die Zahl der Angriffe geht drastisch zurück. Viele Piraten, die noch vor einem Jahr in Saus und Braus lebten, plagen jetzt Geldsorgen.

Mogadischu - Seit Jahren halten somalische Piraten Reedereien in aller Welt in Atem. Hunderte Millionen Dollar Lösegeld flossen in die Taschen der Seeräuber am Horn von Afrika. Doch seit einigen Monaten versiegt diese Einnahmequelle.

Wurden im Rekordjahr 2010 noch 47 Schiffe von Piraten vor der Küste Somalias geentert, waren es 2011 nur noch 25. Seit Beginn dieses Jahres haben die Freibeuter erst fünf Schiffe in ihre Gewalt gebracht. Insgesamt haben die Piraten noch sieben Schiffe mit 177 Mann Besatzung in ihrer Gewalt. Doch seit Seeräuber am 10. Mai die "Smyrni" enterten, herrscht - abgesehen von mehreren erfolglosen Angriffsversuchen - Ruhe im Golf von Aden.

In Hobyo, einem kleinen Küstenstädtchen am Indischen Ozean, sind die Folgen dieser Entwicklung deutlich zu sehen. Die Zeiten, in denen die Anführer der Piraten in Villen lebten und Luxuskarossen über die staubigen Straßen rumpelten, sind vorerst vorbei. "Es gibt nichts zu tun", sagt Hassan Abdi, der seit 2009 einer Piratenbande angehörte, Journalisten der Nachrichtenagentur AP, die Hobyo kürzlich besuchten. "Wir haben keine große Hoffnung, dass sich die Lage für uns verbessert."

Damit versiegt eine wichtige Geldquelle in der von Armut geprägten Region. Noch im vergangenen Jahr kassierten Seeräuber für den griechischen Tanker "Irene SL" umgerechnet 8,5 Millionen Euro Lösegeld. Im Durchschnitt sollen die Freibeuter für ein großes Schiff etwa vier Millionen Euro als Gegenleistung erhalten haben.

Viele Piraten haben Schulden angehäuft, weil sie in der Hoffnung auf schnelle und leichte Beute Angriffsboote und Benzin auf Pump gekauft hatten. Sie leben nun in ärmlichen Hütten und verstecken sich vor ihren Gläubigern. Einer von ihnen ist Abdurasik Saleh, der früher Bodyguards und Haushälterinnen beschäftigte und nach erfolgreichen Beutezügen Partys mit Whisky, Musik und Prostituierten schmiss. Doch die fetten Jahre sind für Saleh und seine Kameraden vorbei: "Die Schiffe werden länger festgehalten, die Lösegelder werden kleiner und der Erfolg von Angriffen immer unwahrscheinlicher." Einige Seeräuber von einst sollen deshalb wieder dazu übergegangen sein, Menschen an Land zu kidnappen.

Umschwung an der Küste von Somalia

Der Niedergang der Piraterie hat mehrere Ursachen:

  • Besserer Schutz für Handelsschiffe: Zum Einen haben die internationalen Reedereien ihre Kommunikation mit der "Atalanta"-Mission verbessert. Dadurch können Kapitäne schneller und effektiver vor Piratenbooten gewarnt werden. Zum anderen haben die Eigner ihre Schiffe immer besser ausgerüstet: mit bewaffneten Sicherheitsmännern, Stacheldraht an der Reling, Wasserkanonen und Schutzräumen, in denen die Besatzung im Notfall Zuflucht finden kann.

  • Wetter: In den vergangenen Monaten machten der Monsun und ungünstige Wetterlagen erfolgreiche Beutezüge fast unmöglich.

Doch mit einem Wetterumschwung, der für Anfang Oktober erwartet wird, könnte sich auch die Situation für Kapitäne vor der somalischen Küste rasch ändern. Das International Maritime Bureau (IMB) warnt deshalb vor verfrühter Euphorie: "Der Erlös für die somalischen Piraten durch eine erfolgreiche Schiffsentführung ist einfach zu groß. Damit aufzuhören, ist wahrscheinlich nicht so einfach."

syd/AP