Piusbrüder-Streit Papst-Bruder greift Merkel an

Harsche Worte vom Bruder des Papstes: Georg Ratzinger attackiert Kanzlerin Angela Merkel, weil sie die Rolle von Benedikt XVI. in der Holocaust-Debatte gerügt hat. Auch die CSU kritisiert das Eingreifen der Regierungschefin - Rückendeckung bekommt sie von SPD-Chef Müntefering.
Benedikt XVI., Bruder Georg (im Januar): "Schwerer, historischer Fehler"

Benedikt XVI., Bruder Georg (im Januar): "Schwerer, historischer Fehler"

Foto: REUTERS

Berlin/Regensburg - Die deutsche Regierungschefin hat seinen Bruder getadelt, jetzt attackiert Georg Ratzinger Kanzlerin Angela Merkel. "Ich habe sie immer als vernünftige Frau gesehen", sagte Ratzinger der "Leipziger Volkszeitung". "Aber vielleicht steht sie momentan auch unter Druck, dass sie sich so äußert, wie sie es vernünftigerweise nicht machen würde." Die Kritiker seines Bruders - mit bürgerlichem Namen Joseph Ratzinger - seien unvernünftig und schlecht informiert.

Auch aus den Reihen der Union wird Merkel scharf attackiert: Der CSU-Politiker Bernd Posselt warnte sie davor, sich als "Lehrmeisterin des Papstes zu gerieren". Posselt ist Mitglied des Europäischen Parlaments.

Unterstützung bekommt die Kanzlerin derweil von Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU): "Ich bin der Überzeugung, dass es richtig war und richtig ist." Auch die Kirchenbeauftragte der Unionsfraktion, Ingrid Fischbach (CDU), stellte sich im Deutschlandfunk hinter Merkel: "Hier geht es um das Ansehen unseres Landes, und da war es wichtig, dass die Kanzlerin sich geäußert hat."

Müntefering: Historischer Fehler des Papstes

Rückendeckung gibt es ebenfalls vom Koalitionspartner. "Ich halte die Rehabilitierung eines Bischofs, der den Holocaust leugnet, für inakzeptabel", sagte Franz Müntefering der "Berliner Zeitung". In seiner Kritik am Pontifex ging der SPD-Chef dabei noch über Merkels Formulierung hinaus. Müntefering betonte, das Vorgehen des Vatikans sei ein "schwerer, historischer Fehler, den die Kirche so schnell wie möglich korrigieren muss". Dies zeige, dass der Papst nicht unfehlbar sei.

beb/ddp/AP/dpa
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