Plädoyer der Staatsanwaltschaft Chodorkowski soll bis 2017 im Gefängnis bleiben

Überraschende Forderung der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Michail Chodorkowski: Die Anklage will die bisherige Haftstrafe anrechnen und fordert sechs weitere Jahre. Damit soll der frühere Ölunternehmer bis 2017 im Gefängnis bleiben.

Angeklagte Lebedew und Chodorkowski: Umstrittener Prozess
AP

Angeklagte Lebedew und Chodorkowski: Umstrittener Prozess


Moskau - Der Prozess gegen Michail Chodorkowski neigt sich dem Ende zu. Die Staatsanwaltschaft hat eine hohe Haftstrafe gefordert - will aber auch die zurückliegende Haftzeit anrechnen. Er fordere für Chodorkowski und seinen früheren Geschäftspartner Platon Lebedew eine Gesamtstrafe von 14 Jahren Haft unter Berücksichtigung der bereits im Gefängnis verbrachten Zeit, sagte Staatsanwalt Waleri Lachtin am Freitag in Moskau. Damit müssten der frühere Chef des Ölkonzerns Yukos und sein Mitarbeiter bis 2017 im Gefängnis bleiben.

Die Anklagebehörde wirft dem ehemaligen Chef des Ölkonzerns Yukos und Lebedew vor, zwischen 1998 und 2003 350 Millionen Tonnen Rohöl für umgerechnet etwa 20 Milliarden Euro illegal weiterverkauft zu haben. Es ist der zweite Strafprozess gegen Chodorkowski.

Die Angeklagten hätten durch ihre Verbrechen die russische Geschäftswelt international in Verruf gebracht und die "Grundfesten der Wirtschaft und nationalen Sicherheit erschüttert", sagte Staatsanwalt Lachtin. Er machte mildernde Umstände geltend für Chodorkowski, der minderjährige Kinder habe, und für Lebedew, weil er erkrankt sei.

Der Kreml-Kritiker Chodorkowski war 2003 festgenommen und im Mai 2005 in einem ersten Verfahren wegen Finanzbetrugs und Steuerhinterziehung zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe läuft 2011 ab. Die Regierung zerschlug nach der Verurteilung den Yukos-Konzern. Der ehemalige Manager beteuert wie im ersten Verfahren seine Unschuld. Das Plädoyer der Verteidigung wird für kommende Woche erwartet, ein Urteil im Dezember.

Der Ausgang des Prozesses gegen Chodorkowski wird international mit Spannung erwartet, denn das Verfahren gilt als Gradmesser für die immer wieder von Kremlchef Dmitrij Medwedew angemahnte Rechtsstaatlichkeit in Russland. Sogar führende russische Funktionäre hatten vor Gericht ausgesagt, dass ihres Wissens die neue Anklage ungerechtfertigt oder gar erfunden sei.

Juristen, Menschenrechtler und Politiker in vielen Ländern, darunter Deutschland und die USA, hatten die Anschuldigungen immer wieder als "absurd" bezeichnet. Kritiker sehen in dem derzeitigen zweiten Prozess einen Versuch, Chodorkowskis Freilassung in absehbarer Zeit zu verhindern.

mmq/dpa/AFP/dapd



insgesamt 5 Beiträge
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dasky 22.10.2010
1. Lupenrein
Zitat von sysopÜberraschende Forderung der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Michail Chodorkowski: Die Anklage will*die bisherige Haftstrafe anrechnen und fordert sechs weitere Jahre. Damit*soll der*frühere Ölunternehmer bis 2017 im Gefängnis bleiben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,724842,00.html
Das hat alles damit zu tun, dass Russland eine lupenreine und mustergültige Demokratie und ein ebensolcher Rechtsstaat ist. "Der Westen kann von Osteuropa lernen." (http://www.vaticanhistory.de/wordpress/?p=1688)
Steff-for 22.10.2010
2. Peinlich für solch eine stolze Nation!!!
Russland, möchte man meinen, ist ein großes, mächtiges und stolzes Land. Wie viel Angst muss wohl der Kreml vor diesem Mann haben, daß er sich auf solch offensichtliche juristische Verdrehungen einläßt, um diesen Mann vor der Öffentlichkeit wegzusperren? Dieser Fall ist eine nicht zu übertreffende Peinlichkeit für solch eine Nation! Der Kreml sollte sich schämen, oder SOFORT diese Sache ins Reine bringen! (Hat Angie sich nicht bereits der Sache angenommen??? Sie hat doch auch die deutschen Menschenrechte in China eingeführt, oder nicht?) Grüsse Steff
Demokrator2007 23.10.2010
3. Den lassen die nicht raus und wenn doch...
Zitat von sysopÜberraschende Forderung der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Michail Chodorkowski: Die Anklage will*die bisherige Haftstrafe anrechnen und fordert sechs weitere Jahre. Damit*soll der*frühere Ölunternehmer bis 2017 im Gefängnis bleiben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,724842,00.html
Solange Zar Putin an der Macht ist, bleibt Chodorkowski in Haft. Er kann froh sein, daß er überhaupt noch lebt, anderen erging es da schlechter. Aber solange seine Gegner an der Macht sind sollte er sich keine Hoffnung darauf machen eines Tages an Altersschwäche in einem normalen Bett zu sterben. Ciao DerDemokrator
LaRussophobe 23.10.2010
4. so gehört es sich
Zitat von sysopÜberraschende Forderung der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Michail Chodorkowski: Die Anklage will*die bisherige Haftstrafe anrechnen und fordert sechs weitere Jahre. Damit*soll der*frühere Ölunternehmer bis 2017 im Gefängnis bleiben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,724842,00.html
Ein Plädoyer wie es sich für eine ordentliche Diktatur gehört. Putins Polizeistaat-Staatsanwaltschaft macht ihren Job. Das ist alles. Wenigstens quatscht Schrödi nich' mehr von lupenreinen Demokraten im Hinblick auf die Neostalinisten-Putinisten.
kleinMischa 23.10.2010
5. oje
manchen leuten hier ist echt nicht mehr zu helfen. Die Anklage fordert übrigens 14 jahre haft. Was daraus wird, hat das gericht zu entscheiden und nicht putin oder stalin oder merkel oder der deutsche michel.
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