Pleite bei Kommunalwahlen Italiener strafen Berlusconi ab

Silvio Berlusconi kassiert offenbar die Quittung für seine privaten Eskapaden. Bei den Kommunalwahlen in Italien erlitt seine Partei herbe Verluste. In Neapel verliert die Rechte das Bürgermeisteramt - eine Niederlage setzte es auch in Berlusconis Heimatstadt Mailand.
Ministerpräsident Berlusconi: Schlappe bei den Wahlen in Italien?

Ministerpräsident Berlusconi: Schlappe bei den Wahlen in Italien?

Foto: STEPHANE MAHE/ REUTERS

Rom - Seit Monaten beherrscht er mit negativen Schlagzeilen die Gazetten, nun kommen Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine privaten Eskapaden auch politisch teuer zu stehen: Bei den Kommunalwahlen in Italien hat seine regierende Rechte laut Hochrechnungen in Mailand und Neapel herbe Niederlagen erlitten.

Bei der Bürgermeisterwahl in Berlusconis Heimatstadt Mailand holte der Kandidat der Linken, Giuliano Pisapia, nach der Auszählung der meisten Stimmen 55,2 Prozent - und ist damit nicht mehr einzuholen. Auf Amtsinhaberin Letizia Moratti von Berlusconis Partei Volk der Freiheit (PdL) entfielen demnach 44,8 Prozent der Stimmen.

In Neapel lag Berlusconis Kandidat Gianni Lettieri fast 30 Prozentpunkte hinter seinem Herausforderer Luigi de Magistris, einem früheren Richter. Dieser kam auf rund 65 Prozent. Die Stadt plagt seit Monaten eine schwere Müllkrise.

Die Kommunalwahl galt als wichtiger Stimmungstest für Berlusconi. Am Sonntag und am Montag war in 88 Städten und Gemeinden die zweite Runde der Abstimmung abgehalten worden.

Berlusconi hatte zwar noch am Sonntag versichert, dass das Ergebnis der Kommunalwahl keinen Einfluss auf seine Regierung haben werde. Aber vor allem die Niederlage in seiner Heimatstadt Mailand dürfte schwer wiegen. "Die ganze Welt weiß, dass Mailand die politischen Gleichgewichte im Land verändern kann", schrieb die Zeitung "La Stampa". Berlusconi könnte demnach der Rückhalt seines Koalitionspartners, der Liga Nord, verloren gehen.

Der Regierungschef muss sich derzeit gleich in mehreren Verfahren vor Gericht verantworten. Berlusconi wird vorgeworfen, mit seinem Medienimperium Mediaset Ausstrahlungsrechte für US-Filme über zwei Offshore-Firmen gekauft und die Kosten dafür falsch angegeben zu haben, um Steuern zu sparen. So soll er 470 Millionen Euro schwarz in Übersee verdient haben. Neben Berlusconi sind auch zehn weitere Personen angeklagt.

Für noch mehr Schlagzeilen sorgt jedoch der Sexprozess im Fall Ruby. In diesem Verfahren wird Berlusconi Amtsmissbrauch und Sex mit der damals minderjährigen, marokkanischen Prostituierten Ruby Rubacuori alias Karima el-Marough vorgeworfen. Der Politiker bestreitet die Vorwürfe.

Zuletzt war über einen möglichen nahenden Rückzug des 74-Jährigen aus der Politik spekuliert worden.

jok/dpa/AFP
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