Pleite für Schwarzenegger Kaliforniens Wähler demütigen den Gouvernator

Kaliforniens Finanzen sind desolat, doch die Wähler verweigern Gouverneur Arnold Schwarzenegger die Zustimmung zu wichtigen Notgesetzen. Der ehemalige Star der Republikaner steht vor den Trümmern seiner politischen Karriere - und erwägt nun ein Comeback in Hollywood.

Von , New York


Am wichtigsten Tag seiner Karriere war Arnold Schwarzenegger nicht in Sacramento, an seinem Amtssitz, oder anderswo in seinem Heimatstaat. Sondern in Washington: Da saß Kaliforniens Gouverneur neben einer Reihe Kollegen steif lächelnd im Publikum, als US-Präsident Barack Obama im Rosengarten des Weißen Hauses seine neuen Benzinverbrauch-Standards präsentierte. Darauf angesprochen, dass daheim seine politische Zukunft auf der Kippe stehe, zuckte Schwarzenegger nur müde mit den Schultern. "Ich habe per Briefwahl abgestimmt", sagte er über die sechs Volksentscheide, die am Dienstag zeitgleich in Kalifornien stattfanden.

Gouverneur Schwarzenegger: "Show, Make-up und gestellte Fotos"
DPA

Gouverneur Schwarzenegger: "Show, Make-up und gestellte Fotos"

Dabei waren das seine letzten Versuche, den menschenreichsten US-Bundesstaat aus seinem 15-Milliarden-Dollar-Haushaltsloch zu hieven - und damit auch seine eigene politische Haut zu retten. "Mit den Resultaten", wies er entsprechende Fragen im Weißen Haus lakonisch ab, als ahne er es voraus, "befassen wir uns morgen."

Schon die Wortwahl war bezeichnend: "I did vote absentee", sagte Schwarzenegger - "ich habe in Abwesenheit gewählt". Und so sehen die Kalifornier ihren Landeschef auch längst, jenen gealterten Action-Helden und Hollywood-Superstar, den sie vor sechs Jahren noch so vergöttert haben: abwesend, desinteressiert - ein Politiker wie alle anderen. Seine Popularitätswerte dümpeln heute um die 33 Prozent. So unbeliebt war ein kalifornischer Gouverneur seit Jahrzehnten nicht mehr.

Das drückte sich dann auch erwartungsgemäß in den Resultaten der Volksentscheide vom Dienstag aus. Fünf der sechs Notmaßnahmen, die Schwarzenegger zur Rettung des desolaten Landeshaushalts vorgeschlagen hatte, fielen bei den Wählern mit Pauken und Trompeten durch. Die "Nein"-Stimmen liegen laut "Los Angeles Times" bei deutlich mehr als 50 Prozent. Steuererhöhungen und Millionenanleihen, die dem Staat sechs Milliarden Dollar in die Kasse spülen sollten - abgeschmettert. Einzig eine Initiative schaffte es: Darin geht es um den Vorschlag, die Gehälter von hochrangigen Staatsbediensteten und des Gouverneurs in Krisenzeiten einzufrieren.

Ein Fremder in der eigenen Partei

Es ist ein schwerer Schlag für Schwarzenegger. Wochenlang war er durch Kalifornien getingelt, von Haus zu Haus, von Tür zu Tür, um für die "ballot initiatives" zu werben. Er hatte seinen Ruf an deren Erfolg geknüpft, und die Wähler haben ihm eine glasklare Antwort gegeben.

Für den 61-jährigen Ex-Österreicher ist es nur die jüngste in einer Reihe von Niederlagen, die seine einst so steile politische Karriere nun ihrem enttäuschenden Finale zuführen. Im nächsten Jahr wählt Kalifornien einen neuen Gouverneur, doch Schwarzenegger darf nach dann acht Jahren im Amt nicht mehr antreten - und würde es wohl auch nicht gar mehr wollen.

Seine Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Obama haben sich zerschlagen. Seiner Partei ist er entfremdet: Die US-Republikaner rücken in ihrer Sinnkrise immer weiter nach rechts - während Schwarzenegger früher schon den Demokraten näher stand und nun vollends außen vor ist. Sein Interesse an einem Sitz im US-Senat hat er inzwischen auch aufgegeben. Er würde unter diesen Bedingungen sowieso nicht mal die parteiinterne Vorwahl überleben.

Dauerbräune, Lackhaar, flotte Sprüche

Stattdessen erwägt er die Abkehr von der Politik - und eine Rückkehr nach Hollywood. Seine Pläne für die Zukunft seien Umweltprojekte, Wahlreform, Bodybuilding und - "so das richtige Drehbuch kommt" - schauspielern, sagte Schwarzenegger der "New York Times". "Ich lese Bodybuilding-Magazine, ich lese Film-Magazine, und ich lese politische Magazine, ich halte mir also alles offen."

Ein ausgebremster Höhenflug: Keiner spricht mehr von all den Petitionen, ihm zuliebe das US-Präsidentenamt auch Immigranten zu öffnen. Wieder bestätigt sich hier, warum Kalifornien als unregierbar gilt. "Die meisten Gouverneure scheiden mit lädiertem Ansehen aus dem Amt", weiß Landesjustizminister Jerry Brown, der dieses vermeintliche Vergnügen selbst schon mal hatte (1975 bis 1983) und es angeblich auch im nächsten Jahr trotzdem erneut versuchen will.

Dabei hatte Schwarzenegger so vielversprechend begonnen. Als Outsider und Underdog, Schlichter und Reformer. Vor allem aber als "Gouvernator", der diesen wilden Staat zwischen Pazifik und Sierra Nevada schon bezwingen würde, mit Dauerbräune, kastanienfarbenem Lackhaar und flotten Filmsprüchen. Seine Kandidatur verkündete er beim TV-Talker Jay Leno, die populistische Revolution trug ihn ins Amt, und in der Wahlnacht schwor er, als "Volksgouverneur" das "Vertrauen in die Regierung wiederherzustellen". Dann lud er die verfeindeten Politiker beider Seiten zum Zigarren-Schnack in ein neues Zelt im Hof vor dem Kapitolsgebäude von Sacramento.

insgesamt 24 Beiträge
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Hubert Rudnick, 20.05.2009
1. Schauspieler, oder nur Mann mit vielen Muckis.
Zitat von sysopKaliforniens Finanzen sind desolat, doch die Wähler verweigern Gouverneur Arnold Schwarzenegger die Zustimmung zu wichtigen Notgesetzen. Der ehemalige Star der Republikaner steht vor den Trümmern seiner politischen Karriere - und erwägt nun ein Comeback in Hollywood. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,625923,00.html
So einfach ist es wohl doch nicht ein Bundesland zu führen, man konnte sehr schnell auf den Vorgänger schimpfen und ihm in den Boden stampfen, aber selbst mit den Finanzen zurechtkommen, dass ist wohl dem Terminator auch nicht möglich.
rkinfo 20.05.2009
2. Horror für die Kalifornier beginnt dann erst
Schwarzenegger hat angesichts der Probeme von Kalifornien optimal gearbeitet. Er übernahm ein Land in problematischer Lage und wird nun durch Weltfinanzkrise an den Problemlösungen gehindert. Auch ein neuer Gouverneur kann angsichts der Faktenlage nichts besser machen oder die Probleme lösen. Vielleicht tritt er demnächst vom Amt zurück um nicht noch mehr an Ansehen zu verlieren. Es ist eher einer Niederlage für die Bürger als für ihn. Wenn die Bürger weder Realpolitik noch Visionen wollen dann gehts eben abwärts mit den Staaten. Schwarzenegger konnte also nicht dauerhaft die kalifonische Krankheit heilen. Daran wird sich somit auch in den nächsten Jahren nichts mehr ändern. Die Nachfolger können nur als Show-Gouverneure mit begrenzter Wirkungszeit weiter werkeln. Arnie wird gehen und der Horror für die Kalifornier beginnt dann erst.
Everybodys darling 20.05.2009
3. Ach ja
Das Volk will keine Sparmaßnahmen oder Steuererhöhungen und das bei einer so schwierigen Haushaltslage. Sogar die Politiker kürzen ihre Gehälter. Wenn der Bundesstaat pleite ist dann werden die Bürger sehen was sie angerichtet haben.
M. Michaelis 20.05.2009
4. Blick in die Zukunft...
Zitat von sysopKaliforniens Finanzen sind desolat, doch die Wähler verweigern Gouverneur Arnold Schwarzenegger die Zustimmung zu wichtigen Notgesetzen. Der ehemalige Star der Republikaner steht vor den Trümmern seiner politischen Karriere - und erwägt nun ein Comeback in Hollywood. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,625923,00.html
Ähnlich wird es auch Obama in ein paar Jahren ergehen.
Ernst August 20.05.2009
5. Auftrag erledigt - Kalifornien terminiert!
Zitat von sysopKaliforniens Finanzen sind desolat, doch die Wähler verweigern Gouverneur Arnold Schwarzenegger die Zustimmung zu wichtigen Notgesetzen. Der ehemalige Star der Republikaner steht vor den Trümmern seiner politischen Karriere - und erwägt nun ein Comeback in Hollywood. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,625923,00.html
Ich habe die Tage mehrfach gelesen das dem US-Bundesstaat Kalifornien im Juli das Geld ausgehen wird und er dann Zahlungsunfähig ist. Auftrag erledigt - Kalifornien terminiert!
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