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Libyen: Raubzug durch Gaddafis Luxusvillen

Foto: Sergey Ponomarev/ AP

Plünderungen in Tripolis Raubzug durch Gaddafis Luxusvillen

Der gefürchtete Despot ist verjagt - nun bricht die in vielen Jahren aufgestaute Wut aus den Menschen in Tripolis heraus: Die Luxusanwesen der Familie Gaddafi werden hemmungslos geplündert. Fotos aus den Villen geben einen Einblick in das Leben einer Diktatoren-Sippe, der es an nichts mangelte.

Tripolis - Eine Badelandschaft mit Schlauchboot, Golfwagen im Keller, goldene Sofas und Fotos aus unbeschwerten Zeiten einer Despoten-Sippe: Die Luxusvillen der Familie Gaddafi stehen nun beinahe jedem offen. Mit dem Sturm auf die Hauptstadt Tripolis haben die Rebellen auch die Anwesen der Angehörigen des Despoten ins Visier genommen. Als die Wachen überwunden waren, wurde geplündert und verwüstet.

Doch der seltene Blick in die Privatgemächer der Herrscherfamilie zeigt auch, in welchem Luxus die Gaddafis lebten. Einer der Söhne, Saadi al-Gaddafi, mochte zum Beispiel schnelle Wagen, Yachten und Fußball. Sein Anwesen am Strand zeugte von seinen teuren Hobbys. Seine Schwester Aischa lebte in einer zweistöckigen Villa mit Schwimmbad und Sauna.

Während der 42 Jahre, die Gaddafi an der Macht war, wurde das Regieren zur Familiensache. Schlüsselpositionen vergab er an seine sechs Söhne, darunter die Verantwortung für Öl und Sicherheit.

Der 23-jährige Rebell Seifallah Gneidi war beim Sturm auf Saadis Villa dabei. Er habe sich eine Flasche Gin, eine Zahnbürste mit einem vergoldeten Griff und eine Marken-Jeans genommen, sagte Gneidi, mit einer Kalaschnikow über seiner Schulter. Die Rebellen befürworteten keine Plünderungen, nur Symbole des Gaddafi-Regimes und dessen Machtmissbrauchs seien zur Verwüstung freigegeben worden.

Gneidi sagte, Saadi habe vier Autos besessen. Einen BMW, einen Audi, einen weißen Lamborghini und einen Toyota. Alle Wagen seien während der Plünderung davongefahren worden, sagte er. Alles, was blieb, war ein großes Gemälde eines Lamborghini auf der Rückwand seines überdachten Parkplatzes.

Im Bürobereich der Villa lagen nach Angaben von Reportern Auto- und Yachtkataloge. Auf einem Katalog der Firma Bugatti klebte demnach eine handschriftliche Notiz, dass eine 30-Meter-Yacht sieben Millionen Euro koste. Visitenkarten wiesen Saadi als Teilhaber und ausführenden Produzenten einer Firma namens Natural Selection mit Sitz auf dem Sunset Boulevard in Los Angeles aus. Auf einem Stück Stoff, das zu einem Regisseursstuhl gehörte, stand "Executive Producer Al Saadi Gaddafi" geschrieben.

Kristallgläser und Designer-Lederjacke für Kinder

Saadis Anwesen verfügte den Angaben zufolge auch über einen Fußballplatz. Er selbst soll ein schlechter Spieler sein, war jedoch dem Team al-Ahli verbunden und Vorsitzender des libyschen Fußballverbandes. Neben dem Feld befand sich eine Grillstelle mit zwei Zelten. In einem müssen Wachen untergebracht gewesen sein. Munition lagerte darin, sagte Gneidi.

Seine 35-jährige Schwester Aischa stand bisher im Ruf, sich um die Belange einfacher Libyer zu kümmern. Ihre Nachbarn gaben jedoch an, dass eine kleine Klinik dem Bau ihrer Villa weichen musste.

"Ich glaube nicht, was ich hier sehe", sagte Muftah Schubri, ein Anwohner des Stadtteils Nofleen im Westen der Hauptstadt, während er über den Rasen der Villa der Gaddafi-Tochter spazierte. Im überdachten Pool schwammen ein Ball und ein Spielzeugboot.

In dem Haus lag in einem großen Zimmer Spielzeug auf dem Boden. Papphüte und Luftschlangen stapelten sich in einem Haufen im Eingangsbereich. In Aischas Bibliothek fanden sich Kinderbücher und DVDs mit Spielfilmen.

Wie auch andere Mitglieder der Gaddafi-Familie hatte sie einen teuren Geschmack. Bohemia-Kristallgläser und eine braune Lederjacke von Dolce & Gabbana für Kinder waren von den Plünderern zurückgelassen worden.

Karin Laub, dapd
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