Plünderungen Schwere Schäden in Bagdads Nationalmuseum

Plünderer haben Teile des Irakischen Nationalmuseums in Bagdad verwüstet und womöglich unzählige Ausstellungsstücke von unschätzbarem Wert gestohlen.

Bagdad - Die Säle des Museums boten am Samstag ein Bild der Verwüstung: Auf den Böden lägen umgestürzte Statuen und zerschlagene Krüge. In vielen Räumen seien Vitrinen eingeschlagen und ausgeräumt worden, berichtete ein dpa- Korrespondent. Museumsmitarbeiter äußerten die Befürchtung, weitere Plünderer könnten die noch erhaltenen Kunstgegenstände zerstören.

Unbeschädigt seien allerdings noch die Wandreliefs aus der assyrischen Zeit. Leere, aber unbeschädigte Schaukästen deuteten zudem auch darauf hin, dass besonders wertvolle Gegenstände womöglich schon vor dem Krieg in Sicherheit gebracht worden waren. Unklar ist, welche Schäden genau durch die Raubzüge und den Vandalismus angerichtet worden sind.

Die stellvertretende Museumsdirektorin Midal Amin machte die US- Besatzungstruppen für die Plünderungen mitverantwortlich. "Sie wissen, dass das ein Museum ist. Sie schützen das Erdölministerium, aber das kulturelle Erbe nicht."

Das Museum beherbergt Funde der wichtigsten Ausgrabungsstätten Mesopotamiens, das als Wiege der Menschheit gilt. Zu der Sammlung mesopotamischer Altertümer zählen der 3500 Jahre alte geflügelte assyrische Bulle sowie Statuen, Grabbeigaben, Keilschrifttafeln und Steintiere. Ferner gehören Bronzetiere, Ketten, Ringe und Schmuck aus 15 Jahrhunderten zum Museumsbestand.

Auch das Museum von Mosul im Nordirak wurde geplündert. Der arabische Fernsehsender El Dschasira berichtete, Diebe hätten auch dort Türen eingetreten und Ausstellungsstücke gestohlen.

UNESCO mahnt Schutz an

Die UNESCO mahnte den Schutz der irakischen Kulturgüter an. Die britischen und amerikanischen Behörden sollten Sofortmaßnahmen zum Schutz der Kulturgüter ergreifen, sagte der Generaldirektor der UN- Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, Koichi Matsuura, am Samstag in Paris.

Der Leiter des archäologischen Museums von Lyon, Jacques Lasfargues, äußerte sich besorgt über die Plünderungen. Er habe dort bei seinem Besuch im Jahr 2002 "kaum bekannte Elfenbein-Skulpturen, prachtvolle Beigaben von Königsgräbern der sumerischen Stadt Ur und unschätzbare Gesetzestafeln aus Mesopotamien" gesehen, sagte er am Samstag.

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