Reparationsforderung Polnische Bischöfe bangen um gutes Verhältnis zu Deutschland

Es geht um bis zu 840 Milliarden Euro: Die Regierung in Warschau erhebt Reparationsforderungen an Deutschland - 72 Jahre nach Kriegsende. Keine gute Idee, findet die polnische Bischofskonferenz.

Polnische Bischöfe
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In der Debatte um mögliche Reparationsforderungen der polnischen Regierung an Deutschland hat die polnische Bischofskonferenz vor einer "Zerstörung" des historisch gewachsenen Vertrauens gewarnt. Die Fragen müssten durch eine "vernünftige Diplomatie" gelöst werden. Das "schwierig erlangte Vertrauen" solle nicht durch das "Wecken negativer sozialer Emotionen" belastet werden, mahnten die Bischöfe in einer Erklärung.

Der Vorsitzende der rechtsnationalen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski, hatte die neue Debatte über polnische Reparationsforderungen wegen Weltkriegsverbrechen Ende Juli erneut angestoßen. Regierungschefin Beata Szydlo sagte, ihr Land habe "das Recht auf Reparationen". Außenminister Witold Waszczykowski bezifferte die Forderungen auf etwa 840 Milliarden Euro.

Die deutsch-polnischen Beziehungen seien seit mehr als 25 Jahren durch Aussöhnung geprägt, heißt es in der Erklärung der Bischofskonferenz. Auf der Grundlage der erzielten Versöhnung fordern sie, die "politisch Verantwortlichen" in Polen sollten in den internationalen Beziehungen "auf diesem Kapital aufbauen", "unüberlegte Entscheidungen und selbst hastig ausgesprochene Worte" könnten das Erreichte gefährden.

Bundesregierung lehnt Zahlungen ab

Die Bundesregierung lehnt Reparationszahlungen ab: Der Berliner Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Polen habe 1953 "verbindlich und mit Wirkung für ganz Deutschland" auf weitere Reparationszahlungen verzichtet und dies in späteren Jahren mehrfach bestätigt. "Es gibt für die Bundesregierung gar keinen Anlass, an der völkerrechtlichen Wirksamkeit des Reparationsverzichts von 1953 zu zweifeln."

Die Reparationsdebatte erfolgt vor dem Hintergrund von Spannungen im Zusammenhang mit einer Justizreform der polnischen Regierung, die von der Europäischen Union abgelehnt wird. Die EU-Kommission drohte der rechtsnationalen Regierung in Warschau wegen ihrer umstrittenen Justizreformen mit der Einleitung eines Verfahrens zum Stimmrechtsentzug auf europäischer Ebene.

mho/dpa/AFP



insgesamt 144 Beiträge
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samcastro 08.09.2017
1. Fast
eine Billion fordern sie. Das wird niemals passieren! Laecherlich diese polnische Forderung. Polen sollte mit den rebillierenden Visegrad Staaten aus der EU austreten und ihr eigenes kleines Reich gruenden. Ich sehe mittlerweile nichts was die Visegrad Staaten an den gemeinsamen EU Tisch bribgen ausser Geldforderungen jegler Art.
acitapple 08.09.2017
2.
Polen möchte 840Mrd., Griechenland begnügt sich mit 280Mrd., wer möchte noch ? Bin gespannt wann Frankreich oder England mal nachrechnen. Die EZB sitzt ja zum Glück in Frankfurt. Soll Draghi mal die Inflation auf 80% hochschrauben, dann können sie in wenigen Jahren ihre Zahlungen haben. Was soll dieses Geschacher ? Man sollte die EU gründlich überdenken.
Alexander Del Large 08.09.2017
3. Sowjetische Besetzung Ostpolens
Werden von den Russen auch Reparationsforderungen verlangt oder geht das auch mal wieder am Thema vorbei?
micromiller 08.09.2017
4. Der Kampf unserer Medien gegen
die Polnische Regierung und Frau Merkels Politik .. Flüchtlinge für Europa..sind mitverantwortlich für das sich verschlechternde Lage. Dumpfes draufklopfen bringt dumpfes Erwidern. Die Bischhöfe werden aus Rom gesteuert und sollten sich um das Wohl der Menschen kümmern, die Jungens haben keine politische Legitimation.
ambulans 08.09.2017
5. wenn
ich von diesem vorsitzenden seiner "eigenen" PiS(ich hab mich nicht vertippt!)-partei so höre, denke ich immer wieder mal an diesen - ich glaube, mathematik-dozenten da in den USA - mit einem ziemlich ähnlichen nachnamen. ted hieß er, mit vornamen, und einige nannten ihn auch den "una"-bomber ...
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