Präsidentschaftswahl in Polen Rechtskonservativer Duda liegt vorn

Überraschung in Polen: Bei der Präsidentschaftswahl führt laut Prognosen der rechtskonservative Herausforderer Andrzej Duda vor Amtsinhaber Bronislaw Komorowski.
Andrzej Duda: Präsidentschaftskandidat der rechtskonservativen PiS

Andrzej Duda: Präsidentschaftskandidat der rechtskonservativen PiS

Foto: Jacek Bednarczyk/ dpa

Polnische Medien sprechen von einer Sensation: Monatelang lag Staatschef Präsident Bronislaw Komorowski in den Umfragen für die Präsidentschaftswahl vorn - mit Abstand. Jetzt liegt er laut Prognosen nur auf Platz zwei mit 32,2 Prozent der Stimmen. Vor ihm: Oppositionskandidat Andrzej Duda von der rechtskonservativen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) von Jaroslaw Kaczynski. Er kommt laut Prognosen auf 34,8 Prozent.

Komorowski, der für die seit acht Jahren regierende liberale Bürgerplattform (PO) ins Rennen ging, hatte als klarer Favorit gegolten. Im Wahlkampf hatte der 62-jährige Historiker vor allem die Ukraine-Krise und die aus Sicht vieler Polen wachsende Bedrohung durch Russland thematisiert. Zudem hatte er sich als Landesvater inszeniert und angekündigt, kinderreiche Familien mehr zu unterstützen. Noch im Februar führte der Vater von fünf Kindern in den Umfragen scheinbar uneinholbar mit bis zu 75 Prozent. Doch dann verlor der beliebte Staatschef an Boden. Zuletzt lag er noch bei 39 Prozent Zustimmung.

Der Jurist Duda arbeitete ab 2008 in der Kanzlei des damaligen Präsidenten Lech Kaczynski, der vor fünf Jahren bei der Smolensker Flugzeugkatastrophe ums Leben kam. Noch 2007 hatte Duda erfolglos versucht, sich ins Parlament wählen zu lassen. Jetzt galt er als größter Konkurrent von Komorowski. Im Wahlkampf hatte er Familien und Geringverdienern Steuervorteile versprochen.

Zudem kündigte Duda an, die umstrittene Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre rückgängig zu machen. Mit scharfer Kritik an künstlicher Befruchtung und der EU-Konvention zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt sicherte sich der 42-jährige Jurist zudem die Unterstützung konservativer Katholiken.

Komorowski sprach von einer "ernsten Warnung" an das Regierungslager. Er werde Vorschläge für die "Enttäuschten" präsentieren, die "schnellere Veränderungen erwarten, eine schnellere Modernisierung des Landes." Duda wurde von jubelnden Anhängern in seinem Wahlkampfhauptquartier empfangen. "Wir werden siegen!", rief die Menge.

Rockstar holt Platz drei

Dritter wurde den Prognosen zufolge der 51-jährige Rockstar Pawel Kukiz, für den rund 20,3 Prozent der Wähler stimmten. Er ging ohne Partei und Programm in den Wahlkampf und sprach sich dafür aus, das polnische Wahlsystem zu reformieren - er will eine Direktwahl von Kandidaten nach britischem Vorbild. Meinungsforscher waren davon ausgegangen, dass er vor allem mit den Stimmen junger und frustrierter Wähler rechnen könne.

Insgesamt bewarben sich um das höchste Staatsamt elf Kandidaten. Da keiner der Politiker laut der Prognosen mehr als 50 Prozent der Stimmen bekam, müssen Komorowski und Duda am 24. Mai in die Stichwahl.

Die Wahlbeteiligung lag in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl laut den ersten Prognosen nur bei 49,4 Prozent - der niedrigste Wert seit 1990. 2005 hatte sie bei der Präsidentschaftswahl bei 49,74 Prozent, fünf Jahre später dann bei 54,94 Prozent gelegen.

eth/heb/Reuters/AFP
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