80. Jahrestag des deutschen Überfalls Polens Präsident will "Rechnung" für Reparationen vorlegen

Kurz vor dem Gedenken zum 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs erneuert die polnische Regierung ihre Forderung nach Entschädigung. Das Parlament werde dafür "eine Rechnung vorlegen", sagte Präsident Duda.

Polens Präsident Andrzej Duda: "'Unsere Städte in Trümmern, unsere Hauptstadt komplett zerstört"
CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Polens Präsident Andrzej Duda: "'Unsere Städte in Trümmern, unsere Hauptstadt komplett zerstört"


In den frühen Morgenstunden des 1. September 1939 wurde die polnische Kleinstadt Wielun von der deutschen Luftwaffe zerbombt. Am Sonntag werden dort Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein polnischer Kollege Andrzej Duda der Opfer des deutschen Angriffs gedenken. Das Treffen wird von einer anhaltenden Diskussion überschattet: In einem Interview mit der "Bild" hat Duda die Forderungen seines Landes nach deutschen Reparationszahlungen nochmal bekräftigt.

Eine solche Entschädigung sei "eine Frage von Verantwortung und Moral", sagte Duda. "Der Krieg, über den wir heute sprechen, hat in Polen gewaltige Schäden verursacht." Das polnische Parlament werde dafür "eine Rechnung vorlegen". 2017 war in Polen eine Parlamentskommission zu dem Thema eingesetzt worden, die in Kürze ihren Abschlussbericht vorlegen will.

Vergangene Woche hatte sich Premierminister Mateusz Morawiecki (PiS) bereits ähnlich geäußert. Deutschland habe immerhin 1000 polnische Dörfer komplett vernichtet, sagte er der Funke-Mediengruppe. Der polnische Außenminister Jacek Czaputowicz beklagte vor wenigen Wochen, bei der Entschädigung der von Deutschland angegriffenen Länder habe es "einen Mangel an grundsätzlicher Fairness" gegeben. "Polen wurde in diesem Prozess diskriminiert", sagte er.

"Brutal ausgelöscht durch Hitlers Rassenwahn!"

Duda erinnerte im "Bild"-Interview an die verheerenden Kriegsfolgen für Polen. "Fast sechs Millionen polnischer Bürger wurden ermordet, unsere Städte in Trümmern, unsere Hauptstadt komplett zerstört", sagte der Präsident. "Der Großteil waren unschuldige Zivilisten, ermordet bei Razzien, Mordaktionen, in Ghettos und Konzentrationslagern. Wir vergessen das nicht: Rund die Hälfte der polnischen Opfer, drei Millionen, waren Juden, brutal ausgelöscht durch Hitlers Rassenwahn!"

Duda betonte dennoch das gute Verhältnis zwischen Polen und Deutschland, das heute "ein Vorbild für die Völker dieser Welt" sei. "Wir haben die Geschichte niemals vergessen. Aber Deutschland und Polen haben sich ausgesöhnt, ganz und gar."

Am Donnerstag hatte auch der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis von Deutschland Gespräche über Reparationen gefordert.

vks/Reuters



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