Warschau Massendemo gegen Verschärfung von Abtreibungsgesetz

Polen hat bereits ein sehr restriktives Abtreibungsgesetz. Doch die rechtskonservative Regierung will es nochmals verschärfen. Tausende haben jetzt in Warschau dagegen Stellung bezogen.
Demonstranten in Warschau

Demonstranten in Warschau

Foto: Pawel Supernak/ dpa

"Ich existiere, ich denke, ich entscheide": Das haben Tausende Menschen am Samstag in Warschau skandiert. Sie demonstrierten in der polnischen Hauptstadt gegen eine geplante Verschärfung des Abtreibungsgesetzes. Die meisten Teilnehmer waren Frauen, doch auch viele Männer hatten sich dem Protestzug angeschlossen.

Das polnische Parlament diskutiert demnächst über einen neuen Gesetzentwurf. Regierungschefin Beata Szydlo sagte bereits, sie persönlich unterstütze ein totales Abtreibungsverbot. Auch die katholische Kirche in Polen unterstützt den Entwurf mehrerer abtreibungsfeindlicher Organisationen für eine Verschärfung des Abtreibungsrechts.

Demnach soll nur noch die Lebensgefahr für die Schwangere als Abtreibungsgrund gelten. Statt mit bisher zwei Jahren soll illegale Abtreibung mit fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

Dabei ist das in Polen geltende Abtreibungsrecht schon sehr restriktiv. Es erlaubt Schwangerschaftsabbrüche nur in drei Fällen: Bei einer Bedrohung für Leib und Leben der Mutter, einer festgestellten irreversiblen schweren Schädigung des Embryos sowie bei einer durch Vergewaltigung oder Inzest herbeigeführten Schwangerschaft.

"Wir wollen Respekt"

Die Bürgerinitiative, die ein ein totales Abtreibungsverbot fordert, hat innerhalb von drei Monaten mehr als 100.000 Unterschriften gesammelt. Damit kann sie das Bürgerbegehren ins Parlament einbringen.

Ihre Gegner wollen mit einer eigenen Petition ebenfalls 100.000 Unterschriften für eine Liberalisierung der Abtreibungsregelungen erreichen. Zuletzt hatten sie prominente Unterstützung bekommen: Die ehemaligen polnischen First Ladies Danuta Walesa, Jolanta Kwasniewska und Anna Komorowska warnten in einem gemeinsamen offenen Brief vor einer Verschärfung der Abtreibungsregeln.

Der "Marsch der Würde" am Samstag wurde von der Gruppe Dziewuchy Dziewuchom (Frauen für Frauen) organisiert, die sich auf Facebook formiert hat und inzwischen mehr als 100.000 Mitglieder zählt. "Frauen stellen die Hälfte dieses Landes. Wir wollen Respekt, wir wollen, dass unsere Rechte respektiert werden", sagte Bozena Przyluska, eine der Organisatorinnen der Demonstration.

In Polen gibt es derzeit offiziell bis zu 1800 Abtreibungen pro Jahr. Zu illegalen Abtreibungen oder Fällen, in denen Polinnen für den Eingriff nach Deutschland, Österreich oder in die Slowakei reisen, gibt es keine offiziellen Statistiken. Frauenrechtsorganisationen schätzen, dass es jährlich 100.000 bis 150.000 solcher Fälle gibt.

vks/AFP
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.