"Unabhängigkeitsmarsch" Zehntausende folgen Aufruf polnischer Rechtsextremer

"Nimm die ganze Nation in deinen Schutz": Unter diesem Motto riefen Rechte zu einer Kundgebung am polnischen Unabhängigkeitstag auf - und Zehntausende kamen. Die Polizei verhinderte Zusammenstöße mit Gegendemonstranten.

Polnische Demonstranten auf dem rechtsextremen "Unabhängigkeitsmarsch"
Kacper Pempel/REUTERS

Polnische Demonstranten auf dem rechtsextremen "Unabhängigkeitsmarsch"


In Warschau haben sich Zehntausende am rechtsextremen "Unabhängigkeitsmarsch" beteiligt, zu dem polnische rechte Nationalisten aufgerufen hatten. Die Teilnehmer schwenkten Nationalflaggen und zündeten Rauchbomben und Feuerwerkskörper. Einige skandierten Parolen wie "Gott, Ehre und Vaterland" und "Nein zur Europäischen Union".

Mit dem Marsch wird an den 11. November 1918 erinnert, an dem Polen nach 123 Jahren der Besetzung durch Russland, Preußen und Österreich-Ungarn seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Seit zehn Jahren rufen die extrem Rechten am 11. November zu der Kundgebung auf.

Die Veranstaltung stand in Anlehnung an einen Mariengesang unter dem Motto "Nimm die ganze Nation in deinen Schutz". Die Rauchbomben hüllten den Marsch, in dem die polnische Nationalhymne zu hören war, in die polnischen Nationalfarben Rot und Weiß. Die Polizei verhinderte Zusammenstöße mit antifaschistischen Gegendemonstranten.

Auch italienische Rechtsextreme dabei

"Wir müssen zu unseren Wurzeln zurückkehren. Unsere Welt hat Gott und das Christentum verlassen", sagte Robert Bakiewicz, ein Organisator der Veranstaltung. "Wir werden sterben, wenn die Nationen Westeuropas im Sterben liegen."

Eine kleine Gruppe von italienischen Rechtsextremen nahm ebenfalls teil. Der rechtsextreme Abgeordnete Krzysztof Bosak bezeichnete den Marsch bei Twitter als "größte patriotische, globalisierungskritische und politisch unkorrekte Kundgebung Europas".

Weder die rechtsnationale Regierung noch Präsident Andrzej Duda beteiligten sich an dem Unabhängigkeitsmarsch.

hba/AFP/dpa



insgesamt 15 Beiträge
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Verbot 11.11.2019
1. Die Aktivisten sollen Ihre Meinung frei äußern dürfen...
Die Aktivisten sollen Ihre Meinung frei äußern dürfen als Teil der Demokratie und Freiheit. Bislang demonstrieren sie friedlich und gewaltfrei. Was ist denn so schlimm daran? Das es in der Zivilgesellschaft unterschiedliche Sichtweise gibt, ganz normal. Grüße aus Hong Kong!
111struppi 11.11.2019
2. Wenn
Die unbedingt raus wollen aus der EU dann gerne. So ein finsteres Mittelalter brauchen wir nicht.
freddygrant 12.11.2019
3. Diese Rechtsextremen Polens und ...
... ihre massenhafte Demos zeigen, wo der Großteil der polnischen Gesellschaft und deren Nationalisten ange- kommen sind. Sicher sind sie noch nicht Teil eines modernen und demokratischen Europa. Aufklärung ist bei diesen Polen dringlich auch von ihrem historischen und mittelalterlichen Katholizismus.
schriftsetzer 12.11.2019
4. Die Welt...
...wird durch rechtsnationale und offensichtlich faschistische Gruppen und Parteien in Brand gesteckt. Überall, auch bei uns in Deutschland. Ich habe immer gedacht, dass wir - und die Welt - aus der Zeit des deutschen Faschismus und des größten Terrors und Völkermordes, den die Erde jemals gesehen hat, von 1933 bis 1945 unsere Lehren gezogen haben. Offensichtlich nicht. Nationalismus scheint en vogue zu sein. Ich hoffe sehr, dass ich das Ende dieser dumpfen nationalistischen Bestrebungen noch erlebe und meinen Lebensabend in einem geeinten Europa verbringen kann.
emcioran 12.11.2019
5. Europa ...
... wo bist Du hingekommen? Was ist aus dir geworden? Es graust einen. Und das in Polen, das wie kein anderes osteuropäisches Land von der EU profitiert hat. Es ekelt einen. Ich verkenne aber trotzdem nicht, daß nicht alle Polen so verblended, reaktionär, antisemitisch, klerikalfaschistisch und borniert nationalistisch sind.
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