Zweiter Weltkrieg Polnische Regierungspolitiker fordern von Deutschland Reparationen

1953 hatte Polen auf weitere Reparationszahlungen aus Deutschland verzichtet. Politiker in Warschau wollen davon nichts mehr wissen - und Berlin zur Kasse bitten.

Antoni Macierewicz
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Antoni Macierewicz


Mehr als 72 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es in Polen wieder Forderungen nach Reparationszahlungen aus Deutschland. Der wissenschaftliche Dienst des Sejm soll entsprechende Möglichkeiten in den kommenden Tagen prüfen, sagte der Abgeordnete Arkadiusz Mularczyk von der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS).

Unter dem damaligen Warschauer Bürgermeister Lech Kaczynski, dem verstorbenen Bruder des jetzigen PiS-Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski, waren die Kriegsschäden allein für die Hauptstadt auf 45,3 Milliarden US-Dollar beziffert worden. "Es ist nicht wahr, dass Polen auf Reparationen verzichtet hat, die uns aus Deutschland zustehen", sagte Verteidigungsminister Antoni Macierewicz im Sender TVP Info.

Hitlerdeutschland hatte Polen 1939 überfallen und das Land bis wenige Monate vor Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 besetzt. Durch die Angriffe wurden polnische Städte schwer beschädigt. Außerdem verübten deutsche Kräfte spontane und geplante Massenmorde gegen die Bevölkerung und errichteten Vernichtungslager, etwa in Auschwitz.

"Beitrag zur Lösung der deutschen Frage"

Nach dem Krieg leistete die DDR zunächst Reparationszahlungen. 1953 erklärte die Sowjetunion jedoch, auf weitere Zahlungen zu verzichten - offiziell im Einverständnis mit Polen. Es gehe darum, "einen weiteren Beitrag zur Lösung der deutschen Frage im Geiste der Demokratie und des Friedens" zu leisten, hieß es damals.

Darauf verwies in Berlin nun auch die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Deutschland stehe politisch, moralisch und finanziell zu seiner historischen Verantwortung, aber die Frage der Reparationen sei rechtlich und politisch bereits abschließend geregelt.

Warschaus Verteidigungsminister Macierewicz argumentiert hingegen, dass die frühere Volksrepublik Polen vor 1989 wie die DDR ein von der Sowjetunion abhängiger Marionettenstaat gewesen sei. "Ohne jede Diskussion sind die Deutschen den Polen Kriegsreparationen schuldig", sagte der PiS-Politiker.

Die Beziehungen zwischen Berlin und Warschau gelten derzeit ohnehin als angespannt. Streitpunkte sind die Umverteilung von Flüchtlingen in Europa, die Warschau ablehnt, sowie das laufende Rechtsstaatsverfahren der EU-Kommission gegen Polen.

kev/dpa



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