Politiker Schwarzenegger Die Phrasendreschmaschine

Kalifornien geht es schlecht. Der Sonnenstaat ist pleite, Gouverneur Gray Davis soll wegen der Krise vorzeitig abgelöst werden. Für die Rolle des politischen Hoffnungsträgers gibt es jetzt einen zupackenden Kandidaten: Muskelprotz Arnold Schwarzenegger.



Berlin - Er kam, um seinen neuesten Film zu promoten, doch für die Journalisten in Berlin war "Terminator 3 - Rebellion der Maschinen" nebensächlich. Bei der Pressekonferenz zum Europastart des Actionstreifens wollten sie von Hauptdarsteller Arnold Schwarzenegger vor allem eins wissen: Wird Conan, der Barbar, demnächst die Heimat Hollywoods regieren?

Dot-Com-Absturz, Energie-Krise, Wassermangel. Dem kalifornischen Haushalt fehlen 38 Milliarden Dollar. Die amerikanische Westküste braucht einen Mann fürs Grobe, um aus seiner Misere herauszukommen. Mit Arnie wäre die Rolle ideal besetzt. Nicht umsonst ist "No Problemo" sein berühmtester Filmsatz, sein Spruch "I'll be back" im Falle einer anstehenden Wiederwahl mehr als politiktauglich.

Doch noch ist es nicht so weit: Zwar sind die politischen Ambitionen des Republikaners Arnold seit Jahren ein offenes Geheimnis. Ob er sich seiner Partei als Kandidat zur Verfügung stellen will, ließ der gebürtige Österreicher, der 1983 amerikanischer Staatsbürger wurde, bislang im Dunkeln. "Wenn der Staat mich braucht und es keinen Besseren gibt, werde ich vielleicht kandidieren", sagte der 55-Jährige und stellte unter Beweis, dass er das Abgeben von Worthülsen, Grundvoraussetzung erfolgreicher Politik, bereits beherrscht wie ein Profi.

Bei einem US-Truppenbesuch jüngst im Irak bewies der ehemalige Mister Universum auch politischen Verstand, als er die Zustände vor Ort messerscharf analysierte. "Hier sieht man Armut, es mangelt an Geld und an einer starken Führung - Zustände wie in Kalifornien." Just wegen dieser Zustände soll demnächst entschieden werden, ob Gouverneur Gray Davis, für die Demokraten bis 2006 gewählt, sein Amt vorzeitig zur Verfügung stellt und Neuwahlen angesetzt werden. Also doch Arnie als Gouvernator? Wollen die Kalifornien einen Landeschef, dessen nackte Hinterbacken Millionen von Kinogängern bewundern durften? Die Spötter, und davon gibt es viele, sollten Arnold Schwarzenegger nicht unterschätzen. Auch in Kalifornien müssen Politiker mehr tun, als nur die Massen unterhalten, wollen sie oberster Chef des 35-Millionen-Einwohner Staates werden. Immerhin gälte Kalifornien, wäre es ein unabhängiges Land, vor Frankreich als fünftgrößte Volkswirtschaft der Erde.

Ronald Reagan ist - entgegen der Legende - 1966 nicht als abgehalfterter Western-Held zum Gouverneur Kaliforniens gewählt worden. Auf seine politische Karriere hatte er sich jahrelang als Präsident der mächtigen Schauspielergewerkschaft vorbereitet. Und auch Schwarzeneggers politischen Ambitionen sind nicht die Schnapsidee eines hirnlosen Muskelprotzes, sondern die logische Konsequenz langjähriger ehrenamtlicher Arbeit. Seit Jahren engagiert sich der Schauspieler für die Jugend in den heruntergekommenen Innenstädten Amerikas und zahlt aus eigener Tasche Millionen für seine Stiftung "Inner-City Games".

Im vergangenen Jahr hat Arnold das Volksbegehren "Proposition 49" angeschoben und finanziert. Nachdem die Kalifornier bei der Wahl für das Programm gestimmt haben, muss der Staat nun 400 Millionen Dollar in Projekte stecken, mit denen Kinder und Jugendliche nach Schulschluss und in den Ferien beschäftigt und so von Drogen fern gehalten werden sollen.

Sollte Arnold von seiner Partei als Kandidat nominiert werden, wird er es nicht leicht haben in Kalifornien. Analysten glauben, dass vor allem die weißen Vorstädte in den vergangenen Jahren politisch nach links gerückt sind und eher die Demokraten wählen. Und auch die Latinos, die inzwischen ein Drittel der kalifornischen Bevölkerung ausmachen, sind traditionell anti-republikanisch eingestellt. Andererseits würden viele Hispanos gern einen Immigranten an der Spitze des Staates sehen - auch wenn Schwarzenegger nicht aus Mexiko, sondern der Steiermark eingewandert ist.

Schwarzenegger ist in der republikanischen Partei fest verankert. Für Bush Senior war er von 1990 bis 1993 Vorsitzender einer Nationalen Kommision für Volksgesundheit, Sohn George W. Bush unterstützte er im Wahlkampf.

Von den Republikanern wollen erstaunlich viele die Personalprobleme ihrer Partei mit einem Kandidaten Arnold behoben sehen: Sie trauen Schwarzenegger, der das Recht von Frauen auf Abtreibung unterstützt und sich für strengere Waffengesetze einsetzt, zu, den Demokraten wertvolle Stimmen abzujagen. Nicht zuletzt, weil er mit einer eingefleischten Demokratin, der Radiojournalistin und John F. Kennedy-Nichte Maria Shriver verheiratet ist. Sollte Arnie antreten, könnte es im Herbst zu einem echten Hollywood-Showdown kommen: Als Kandidat der Demokraten wird Harry & Sally-Regisseur Rob Reiner gehandelt.

Auch wenn noch nichts entschieden ist: Die Polit-Maschinerie in Sachen Schwarzenegger ist bereits angelaufen. Folgerichtig meldeten sich in den vergangenen Monaten gleich mehrere Damen bei amerikanischen Gazetten, die Schwarzenegger sexuelle Belästigung unterstellten und kräftiges Schmerzensgeld wollten. Die Klagen wurden abgeschmettert, Arnie musste nicht zahlen - obwohl er wahrlich könnte: 30 Millionen Dollar Gage hat Arnold Schwarzenegger für Terminator 3 erhalten. Zumindest finanziell wird er es sich leisten können, den Gouverneurs-Job in der Landeshauptstadt Sacramento zu übernehmen. Auch, wenn der nur mickrige 200 000 Dollar im Jahr bringt.

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