Politische Jahresvorschau Das wird 2018 die Welt bewegen

Was macht Trump? Ist die Terrormiliz IS besiegt? Wie geht es im Nordkoreakonflikt weiter, und welche Herausforderungen warten auf die EU-Länder? Lesen Sie hier das Wichtigste zu den politischen Ereignissen 2018.
Foto: AFP; DPA; imago; REUTERS; AP; EPA

Deutschland - Eine Regierung! Vielleicht

Ab Januar wird wieder sondiert. Und anschließend womöglich verhandelt. Und dann darüber abgestimmt. Und am Ende, die einen sagen Ostern, die anderen Pfingsten, hat Deutschland 2018 vielleicht wieder eine Regierung, die sich nicht nur geschäftsführend nennt, mit Angela Merkel als Kanzlerin einer neuerlichen Großen Koalition mit der SPD. Vielleicht gibt es aber auch Neuwahlen. Ganz regulär gewählt werden im Herbst zwei Landtage: In Hessen will Volker Bouffier es noch einmal wissen. Etabliert er endgültig Schwarz-Grün auf der politischen Landkarte? In Bayern wird Markus Söder wohl im Frühjahr das Zepter von Horst Seehofer übernehmen - und muss die CSU wieder zur absoluten Mehrheit führen.

Großbritannien - Mays Gegner liegen auf der Lauer

Für Theresa May wird es ein entscheidendes Jahr: Ihre politische Zukunft ist unmittelbar mit den Brexit-Verhandlungen verknüpft. Bis Oktober, so will es Brüssel, soll die Ausstiegsvereinbarung stehen - um bis zum offiziellen Termin im März 2019 genügend Zeit für die Ratifizierung der Verträge zu haben. Da bleibt nicht viel Raum, um etwa über ein für London so wichtiges Handelsabkommen zu sprechen. Und Mays Gegner warten nur darauf, die angeschlagene Premierministerin aus dem Amt zu jagen. Ein wichtiger Stimmungstest dürften die Kommunalwahlen am 3. Mai sein. Legt Labour weiter zu, steigt auch der Druck auf die Tory-Chefin. Auf ein anderes Ereignis dürften sich dagegen die meisten Briten freuen: Im Mai wollen Prinz Harry und Meghan Markle heiraten.

Schweden - Wer will mir den Rechten reden?

Die Schweden wählen am 9. September ein neues Parlament. Aktuell zeichnet sich ein enges Rennen zwischen dem linken und dem bürgerlichen Lager ab. Der sozialdemokratische Premier Stefan Löfven hofft, seine Minderheitsregierung mit der Umweltpartei fortsetzen zu können. Aber zuletzt hatten die bürgerlichen Konservativen in Umfragen wieder zugelegt. Seit Oktober haben sie einen neuen Parteichef: Ulf Kristersson hatte die Führung der Moderaten übernommen, nachdem seine Vorgängerin Anna Batra zurücktrat. Sie hatte eine Zusammenarbeit mit den rechtspopulistischen Schwedendemokraten nicht mehr ausgeschlossen. Kristersson hingegen will ohne die Rechtspopulisten auskommen. Das bedeutet, dass es - egal welches Lager gewinnt - in Schweden wahrscheinlich erneut eine Minderheitsregierung geben wird.

Frankreich - Nur mal eben die EU reformieren

Emmanuel Macron hat 2018 gleich zwei Großprojekte vor: Er will Frankreich und die EU reformieren. Zumindest für das zweite Vorhaben braucht er die Deutschen als Partner an seiner Seite, ist also auf die Regierungsbildung in Berlin angewiesen. Innenpolitisch muss Macron gleich an zwei Fronten aufmerksam sein. Seine Beliebtheitswerte sind nach dem glamourösen Amtsantritt nur noch mäßig. Und auch in der eigenen Partei ist der Präsident nicht mehr unumstritten, es soll Unmut über den autoritären Führungsstil geben.

Spanien - Und immer wieder Katalonien

Seit der Streit um das Unabhängigkeitsreferendum Kataloniens im Oktober 2017 eskaliert ist, ist die Region im Norden Spaniens weltberühmt. Mariano Rajoys Plan, die Separatisten durch Neuwahlen des Regionalparlaments zu schwächen, ist nicht aufgegangen. Im Gegenteil: Die Unabhängigkeitsbefürworter bleiben wohl an der Macht, ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. Rajoy muss 2018 auf Kommunikation statt Konfrontation setzen und die Regionen und Menschen wieder einen, sonst sind auch vorgezogene Wahlen 2018 möglich.

Italien - Die Rechten wollen absahnen

Voraussichtlich im März wählen die Italiener ein neues Parlament - zu den Gewinnern könnten vor allem rechte und rechtspopulistische Parteien gehören. Sie profitieren von der immer größer werdenden migrantenfeindlichen Stimmung im Land. Obwohl weniger Menschen über Italien nach Europa flüchten, dürfte Migration das Thema des Wahlkampfes sein. Und dann ist da ja immer noch der kleine, alte, berüchtigte Mann der italienischen Politik: Auf die Rolle von Silvio Berlusconi darf man auch 2018 sehr gespannt sein.

Griechenland - Endlich raus aus dem Armenhaus

Im kommenden Jahr könnten die Griechen endlich die "Ära Rettungsschirm" hinter sich lassen. Das dritte EU-Hilfspaket läuft im August aus, Nummer vier wollen Athen und Gläubiger unbedingt verhindern. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Griechenland erwartet ein Jahr mit solidem wirtschaftlichem Wachstum, vor allem durch den boomenden Tourismussektor. Analysten erwarten, dass vor allem Premier Alexis Tsipras profitieren wird, möglicherweise bei vorzeitigen Neuwahlen. Beim Flüchtlingsproblem ist eine Entspannung nicht in Sicht, noch immer sitzen Zehntausende im Land und auf den Inseln fest.

Redaktion: Britta Kollenbroich, Johannes Korge

Autoren: Giorgos Christides, Kevin Hagen, Christina Hebel, Britta Kollenbroich, Johannes Korge, Roland Nelles, Dominik Peters, Maximilian Popp, Jan Puhl, Anna Reimann, Vanessa Steinmetz, Christoph Sydow, Christoph Titz, Philipp Wittrock

Schlussredaktion: Sebastian Hofer

Produktion: Guido Grigat

Mehr lesen über