Politromanze in Mexiko Der Präsident und seine Sprecherin

Und das im katholischen Mexiko: Präsident Vicente Fox ist nicht nur geschieden, nein, er hat auch noch ein Verhältnis mit seiner Pressechefin. Jetzt fragen sich die Mexikaner, wann aus der "First Spokeswoman" eine "First Lady" wird.


Vicente Fox und seine "Regierungssprecherin" Martha Sahagun
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Vicente Fox und seine "Regierungssprecherin" Martha Sahagun

Mexiko-Stadt - Man sagt, dass Mexikos Regierungssprecherin Martha Sahagun, 48, nicht nur die erste Frau auf diesem Posten sei, sondern auch die erste Person, die Tag und Nacht das Ohr des Präsidenten habe. Während des Wahlkampfes im ersten Halbjahr 2000 wurde die frühere Englischlehrerin als Pressechefin des Oppositionskandidaten Vicente Fox, 58, erstmals über die engen Grenzen ihrer Heimatprovinz hinaus bekannt. In dem Maße, wie Sahagun nach Fox' triumphalen Wahlsieg vom 2. Juli zur Person des öffentlichen Lebens aufstieg, wurde auch immer deutlicher, dass die Beziehung zwischen beiden nicht rein professioneller Natur ist.

Die Mexikaner fragen sich jetzt, ob demnächst in Los Pinos, dem Präsidentenpalast von Mexiko-Stadt, in dem Sahagun und Fox wohnen, die Hochzeitsglocken läuten werden. Denn Fox ist nicht nur der erste Oppositionspolitiker, der je eine Präsidentenwahl in Mexiko gewann, sondern als geschiedener Vater von vier Adoptivkindern auch der erste nicht verheiratete Staatschef. Politische Kommentatoren hingegen raunen, dass bei der Berufung Sahaguns die persönliche Nähe zu Fox eine größere Rolle spielte als die berufliche Kompetenz.

Politische Erfahrung hatte Sahagun nur in Fox' Heimatprovinz Guanajuato (rund 400 Kilometer nordwestlich von Mexiko-Stadt) gesammelt, wo sie schon zu dessen Zeiten als Gouverneur die Öffentlichkeitsarbeit leitete. In der Presse werden inzwischen die Fehltritte aufgezählt, die der First Lady in spe seit Fox' Amtsantritt unterlaufen sind. So kanzelte sie einmal Außenminister Jorge Castaneda für eine Äußerung ab, die kurz darauf von Fox selber als treffend bezeichnet wurde. Ein andermal verkündete sie, die Regierung werde keine Truppen mehr aus der Unruheprovinz Chiapas abziehen - einen Tag bevor Fox eine weitere Armeebasis räumen ließ.

Sahagun, die ebenfalls geschieden ist und drei Kinder hat, hat sich inzwischen in Interviews in der Regenbogenpresse offen zu ihrer amourösen Beziehung bekannt. Fox selber äußerte sich lediglich einmal allgemein und sagte, dass er die Familie hochschätze und durchaus noch einmal heiraten könne. Die Frage ist, wie die katholische Kirche auf die Heirat zwischen zwei Geschiedenen reagieren würde. Immerhin sind Fox und Sahagun, Mitglieder der konservativen Partei der Nationalen Aktion (PAN), gläubige Katholiken.

Dass die Mexikaner sich um Fox' Scheidung wenig scherten und ihn im vorigen Jahr zu ihrem Präsidenten wählten, zeigt allerdings, dass die päpstliche Ehe-Doktrin in dem katholisch geprägten Land trotz aller Volksfrömmigkeit keinen Widerhall findet. Verbündete könnten die Bischöfe aber zumindest in Fox eigener Familie finden: Seine Töchter Ana Cristina und Paulina haben aus ihrer Abneigung gegen Martha Sahagun nie ein Hehl gemacht.

Klaus Blume, dpa



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