Polizeigewahrsam in London USA freuen sich über Assanges Festnahme

"Eine gute Nachricht": US-Verteidigungsminister Gates reagiert erfreut auf die Festnahme von Julian Assange wegen der Vergewaltigungsvorwürfe in Schweden. WikiLeaks kündigt an, auch ohne den Gründer weiterzumachen - auf Twitter bekommt er sogar von Kritikern aus dem eigenen Lager Unterstützung.
WikiLeaks-Gründer Assange: "Er hat unsere volle Unterstützung"

WikiLeaks-Gründer Assange: "Er hat unsere volle Unterstützung"

Foto: ANDREW WINNING/ REUTERS

Stockholm/Washington - Für die USA ist Julian Assange ein gefährlicher Mann - entsprechend zufrieden hat die Regierung in Washington jetzt auf die Festnahme des WikiLeaks-Gründers in London reagiert.

US-Verteidigungsminister Robert Gates kommentierte die Angelegenheit bei einem Besuch in Afghanistan kurz und kühl. Das klinge nach einer "guten Nachricht", sagte er auf eine Frage von Journalisten. Wegen der Veröffentlichung zahlreicher US-Geheimdokumente durch WikiLeaks streben die USA eine Auslieferung Assanges an.

Assange wurde wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden international gesucht. Außerdem werden ihm dort Nötigung und sexuelle Belästigung vorgeworfen. Er bestreitet alles und spricht von einem politisch motivierten Rachefeldzug. Scotland Yard hatte am Dienstag die Festnahme des 39-jährigen Australiers bekanntgegeben. Er hatte sich gestellt und muss nun im Laufe des Tages vor Gericht erscheinen. Assanges Anwälte hatten nach eigenen Angaben den Termin bei der Polizei vorbereitet.

WikiLeaks will auch ohne Assange weitermachen: "Die heutigen Aktionen gegen unseren Chefredakteur Julian Assange werden unseren Betrieb nicht beeinflussen", twitterten Vertreter der Enthüllungsplattform gegen 13 Uhr. "Wir werden heute Nacht mehr Botschaftsdepeschen veröffentlichen, wie üblich."

"Wir werden so weiterarbeiten wie bisher"

Schon kurz nachdem sich Assange der Londoner Polizei gestellt hatte, hatte sich gegen Mittag Kristinn Hrafnsson geäußert, der Sprecher der Enthüllungsplattform. Dass Assange festgesetzt worden sei, sei ein Angriff auf die Pressefreiheit. Die Aktion werde die Organisation nicht davon abhalten, weitere geheime Dokumente zu veröffentlichen.

"WikiLeaks ist in Betrieb. Wir werden so weiterarbeiten wie bisher", sagte Hrafnsson. "Jegliche Entwicklungen, die mit Julian Assange zusammenhängen, werden unsere Pläne nicht verändern - weder die Veröffentlichungen heute noch der kommenden Tage." Die Gruppe wolle die Web-Seite von London und anderen Orten aus betreiben.

Per Twitter kommt viel Unterstützung für Assange. Selbst ehemalige WikiLeaks-Aktivisten wie der isländische Student Herbert Snorrason solidarisieren sich offenbar mit dem Australier: "Zum Thema Assange: Wagt nicht, ihn an die USA auszuliefern", twittert Snorrason. Auch die isländische Parlamentarierin Brigitta Jonsdottir, die zeitweise dem Projekt eng verbunden war, Assange aber später öffentlich für seinen Umgang mit den Vorwürfen aus Schweden kritisierte, twittert: "Es liegt an uns sicherzustellen, dass er nicht in die USA überstellt wird."

Zu Assanges Verteidigung wurde offenbar schon Geld gesammelt. Der Schweizer Finanzdienstleister PostFinance hatte am Montag die Schließung von Assanges Konto bekanntgegeben - Begründung: falsche Adressangaben. WikiLeaks erklärte daraufhin, es handele sich um ein Konto von Assange mit einem Guthaben in Höhe von 31.000 Euro, darunter auch private Mittel. Das Geld sei für die Verteidigung des WikiLeaks-Gründers und seiner Mitarbeiter bestimmt.

WikiLeaks-Mitarbeiter wittern Kampagne

Veröffentlichung von 250.000 US-Botschaftsdepeschen im Internet

Schon als die Anschuldigungen gegen Assange im August bekannt wurden, stellten sich im WikiLeaks-Blog seine Mitarbeiter hinter ihn: "Wir sind zutiefst beunruhigt über die Schwere der Vorwürfe. Wir, die Leute hinter WikiLeaks, empfinden großen Respekt für Julian. Er hat unsere volle Unterstützung." Auf Twitter ließ WikiLeaks wissen: "Wir sind vor schmutzigen Tricks gewarnt worden. Jetzt erleben wir den ersten." Ähnlich äußerte sich Hrafnsson am Freitag: Der Agentur AP sagte er, WikiLeaks habe mit der die US-Regierung erzürnt. Nun gebe es eine Kampagne gegen WikiLeaks.

WikiLeaks gerät inzwischen auch finanziell unter Druck. Die Website CNET berichtete am Montag, Zahlungen an WikiLeaks über Mastercard seien nicht mehr möglich. Grund sei die Regel, wonach Kunden gesperrt würden, die "illegale Handlungen direkt oder indirekt unterstützen oder erleichtern", sagte ein Sprecher der Kreditkartenfirma demnach.

Zuvor hatte schon das Internet-Bezahlsystem Paypal Zahlungen an WikiLeaks gesperrt. Die Enthüllungsplattform, die ihre Sympathisanten in den vergangenen Tagen um Spenden gebeten hat, kann nun noch über Visa, Banküberweisungen oder auf dem Postweg Geld erhalten. WikiLeaks setzte auch am Dienstag die Veröffentlichung von US-Depeschen fort.

kgp/anr/Reuters/AP/AFP
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