Polizeiübergriffe bei G-20-Gipfel Gewaltvideos entlarven Scotland Yard

2. Teil: Londons Polizei: Weniger martialisch ausgerüstet als andere Kollegen


Interessenvertreter der Polizei warnen vor einer "Hexenjagd" und fürchten, dass die Truppe demoralisiert werden könne. "Diese Angriffe auf die Polizei müssen ein Ende haben", forderte Paul McKeever, Chef des Polizeibundes. "Wir dürfen nicht die Masse für Probleme der wenigen verurteilen", sagte Sir Ken Jones, Präsident der Vereinigung der Polizeibeamten (Acpo), dem BBC-Radio. Die Methoden der englischen Polizei seien angemessen, betonte Jones. "Ich kenne kein anderes Land, das auf Wasserwerfer, CS-Gas und Gummigeschosse verzichtet".

Tatsächlich wirken die Londoner Polizisten im Vergleich zu behelmten Berliner Kampfeinheiten, wie sie etwa an jedem 1. Mai aufmarschieren, deutlich weniger martialisch. Selbst die Aktivisten des Climate Camp räumen in ihrer Abschlusskritik des G-20-Polizeieinsatzes ein, dass die Polizei sich nicht anders verhalten habe als bei anderen Protesten auch.

Aber, und das macht den entscheidenden Unterschied: Es gab diesmal einen Toten: Ian Tomlinson. Und es gab jemanden, der den Übergriff des Polizisten gefilmt hat: Ein New Yorker Fondsmanager, der sich entschieden hat, das Video an die Medien zu geben, als er sah, dass Tomlinsons Familie von der Polizei keine Antworten bekam.

Scotland-Yard-Chef Stephenson dürfte daher in diesen Tagen ein Gefühl von Déjà vu haben. Unter seinem Vorgänger Ian Blair hatten Polizisten im Juli 2005 den Brasilianer Jean Charles de Menezes irrtümlich in der U-Bahn erschossen. Sie hatten ihn für einen Selbstmordattentäter gehalten. Auch damals hatte Scotland Yard nicht gleich den Fehler eingestanden, sondern sich zunächst verteidigt. Von dem Debakel hat sich Blair nie erholt.



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