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Russland: Festnahmen in St. Petersburg

Foto: OLGA MALTSEVA/ AFP

Diskriminierung in Russland Erste Festnahmen wegen Schwulen-Gesetz in St. Petersburg

Der russische Staat will Homosexualität aus der Öffentlichkeit verbannen. In St. Petersburg wurden jetzt erstmals zwei schwule Männer festgenommen. Sie hatten ein Plakat mit der Aufschrift "Homosexualität ist normal" hochgehalten. Doch das verstößt gegen das neue Propaganda-Gesetz.

Moskau - Die Polizei in St. Petersburg macht Ernst: Erstmals haben die Sicherheitskräfte in der Touristenmetropole zwei Menschen festgenommen, weil sie gegen das umstrittene Schwulen-Gesetz verstoßen haben sollen. Die Aktivisten hätten auf einer Hauptstraße im Stadtzentrum Plakate mit der Aufschrift "Homosexualität ist normal" hochgehalten, meldete die Agentur Interfax am Freitag unter Berufung auf Justizkreise. Den beiden jungen Männern droht nun eine Geldstrafe.

Die zweitgrößte Stadt des Landes hatte am 29. Februar ein Gesetz erlassen, das öffentliche Aufklärung über Homo-, Bi- und Transsexualität verbietet. Wer gegen die Regelung verstößt, muss nun bis zu 500.000 Rubel (rund 12.800 Euro) Strafe zahlen. Das ist mehr als ein durchschnittliches russisches Jahresgehalt. Nach dem Vorbild von St. Petersburg will die Staatsduma ein landesweites Gesetz beschließen.

Gleichgeschlechtliche Liebe ist in Russland mit starken Vorurteilen belegt und entsprechend tabuisiert. Die russisch-orthodoxe Kirche erklärte Homosexualität zur Sünde. Erst 1999 wurde Homosexualität von der Liste der Geisteskrankheiten gestrichen.

Wer in Russland homosexuell ist, lebt in ständiger Angst vor Ausgrenzung und Gewalt. Es gilt als offenes Geheimnis, dass viele Showstars und Politiker Scheinehen eingehen, um ihr Sexualleben zu verschleiern. Doch das neue "Gesetz gegen Homosexuellen-Propaganda", das auch in Rjasan und Archangelsk gilt, sehen viele als Beginn einer neuen Unterdrückung von Minderheiten.

Warnungen an Rammstein und Madonna

Als einer der Initiatoren des Gesetzes gilt der Abgeordnete Witalij Milonow von der Putin-Partei. Er wirft zum Beispiel der deutschen Band Rammstein "Schwulenpropaganda" vor und warnte schon mal vorsorglich Popstar Madonna mit Blick auf ein Konzert im Sommer davor, gegen das Gesetz zu verstoßen. Madonna kündigte jedoch an, sich dem Verbot zu widersetzen. Auch Filme, Musikvideos, Bücher und Zeitschriften mit homosexuellen Inhalten sowie die Regenbogenfahne als Symbol der Schwulenbewegung gelten als verboten.

Viele Gegner des Gesetzes stört besonders, dass Homosexuelle mit Kinderschändern auf eine Stufe gestellt und damit zu Straftätern gemacht werden. Voll des Lobes ist dagegen die russisch-orthodoxe Kirche. Sie sieht durch das Gesetz einen besseren Schutz der Gesellschaft vor "unmoralischen westlichen Einflüssen" gewährleistet. Zu einem "Vorposten der Sittlichkeit" solle St. Petersburg jetzt werden, zu einem Pilgerort für alle "guten Christen".

cte/dpa
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