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Geiselnahme in Frankreich Polizistenmörder war wegen Terrorplanung vorbestraft

Der Mann, der einen Polizisten und dessen Frau in einem Pariser Vorort tötete, war offenbar bis vor Kurzem in Haft - wegen Anschlagsplanungen. Die Behörden sprechen von einem "abstoßenden Terrorangriff".

Bei dem tödlichen Angriff auf einen Polizeikommandanten und seine Frau, die als Beamtin im Innenministerium arbeitete, handelt es sich französischen Behörden zufolge um ein Terrorattentat. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve sprach von einem "abstoßenden Terrorakt".

Ein Mann hatte den 42-jährigen Vizechef der Kriminalpolizei in Les Mureaux in der Nacht zum Dienstag vor dessen Wohnhaus mit einem Messer angegriffen und getötet. Dann drang er in die Wohnung ein und nahm den Sohn und die Frau des Mannes als Geisel.

Nach gescheiterten Verhandlungsversuchen stürmten Spezialeinheiten der französischen Polizei die Wohnung in Magnanville nordwestlich von Paris und erschossen den Geiselnehmer. Die Frau war da bereits tödlich verletzt, der dreijährige Sohn des Paares blieb äußerlich unversehrt.

Angreifer saß offenbar wegen Terrorplanung im Gefängnis

Wie aus Ermittlerkreisen verlautet, war der getötete Attentäter Polizei und Justiz bekannt: Es soll sich um den 25-jährigen Larossi Abbala gehandelt haben, der als gewaltbereiter Islamist aktenkundig und wegen Anschlagsplanungen vorbestraft war.

Abbala war 2013 wegen Zugehörigkeit zu einem Ableger einer französisch-pakistanischen Dschihad-Gruppe verurteilt worden. Er erhielt damals eine dreijährige Haftstrafe, von denen sechs Monate auf Bewährung ausgesetzt waren. Der Vorwurf lautete, er habe mit einer siebenköpfigen Gruppe "Terroranschläge vorbereiten" wollen.

Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bezeichnete nun die Geiselnahme bei Paris als Tat eines ihrer Aktivisten. Auch während der Verhandlungen soll sich der Mann auf den IS berufen haben, wie die Polizei berichtete.

Die IS-nahe Nachrichtenagentur Amaq teilte unter Verweis auf eine nicht näher spezifizierte Quelle mit, der Täter sei Kämpfer der Terrormiliz gewesen. "Kämpfer des 'Islamischen Staates' tötet Vizechef der Polizeistation von Les Mureaux und seine Frau mit Stichwaffen nahe Paris", zitiert die amerikanische Site-Gruppe aus der Agenturmitteilung. Site ist auf die Auswertung islamistischer Nachrichtenseiten im Internet spezialisiert.

Frankreich war im vergangenen Jahr mehrfach Ziel islamistischer Terroranschläge, denen insgesamt 149 Menschen zum Opfer fielen. Die schwerste Anschlagserie ereignete sich am 13. November, als IS-Terroristen mit Sturmgewehren und Sprengstoffgürteln im Pariser Musikklub "Bataclan", am Stade de France sowie in Bars und Restaurants der Hauptstadt 130 Menschen ermordeten.

cht/AFP/dpa/Reuters
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