Polonium-Affäre Litwinenko in London beerdigt

Der vergiftete Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko hat in London seine letzte Ruhestätte gefunden. Er wurde am Nachmittag in einem strahlensicheren Sarg beerdigt. Inzwischen ermitteln in dem Fall auch die russischen Behörden wegen Mordes.

London - Der ehemalige russische Geheimagent wurde heute Nachmittag auf dem Friedhof Highgate im Norden der britischen Hauptstadt beerdigt. Dort liegen auch die sterblichen Überreste von Karl Marx. An der Beerdigung nahmen neben der Familie auch zahlreiche andere Exil-Russen teil, darunter der Milliardär Boris Beresowski.

Vor der Beerdigung hatten Freunde heute in einer Londoner Moschee eine Gedenkfeier für Litwinenko abgehalten. Unter den zehn Teilnehmern in der Regent's-Park-Moschee im Zentrum der britischen Hauptstadt war Beobachtern zufolge auch der tschetschenische Rebellenführer Achmed Sakajew, der in Großbritannien lebt. Litwinenkos Vater hatte in Interviews berichtet, sein Sohn sei kurz vor seinem Tod zum islamischen Glauben übertreten.

Der britischen Gesundheitsbehörde zufolge wurde Litwinenko in einem strahlensicheren Sarg beigesetzt. Dies stelle keine Gesundheitsgefahr dar. Jedoch sei der Familie erklärt worden, dass sie bei der Entscheidung für eine Einäscherung erst 22 Jahre hätte warten müssen, bis die Strahlung abgeklungen sei, sagte ein Freund des Verstorbenen, Alexander Goldfarb.

In dem Fall haben nun auch die russischen Strafverfolgungsbehörden offiziell eine Untersuchung wegen Mordes eingeleitet. Die Moskauer Generalstaatsanwaltschaft geht außerdem davon aus, dass auch Litwinenkos Kontaktmann Dmitrit Kowtun vergiftet werden sollte. Daher ermittelten die Behörden nicht nur wegen Mordes im Fall Litwinenko, sondern auch wegen versuchten Mordes an Kowtun, meldete die Nachrichtenagentur Interfax heute. Kowtun ist nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft ebenfalls verstrahlt. Der ehemalige KGB-Leibwächter war am Tag der Vergiftung Litwinenkos mit dem Ex-Spion in einem Hotel in London zusammengetroffen. Mit ihm kamen der ehemalige Agent Andrej Lugowoi und der Geschäftsmann Wjatscheslaw Sokolenko zu dem Treffen.

Mit den Ermittlungsverfahren wird eine Strafverfolgung in Russland möglich. Die russischen Behörden hatten zuvor erklärt, dass eine Auslieferung von Verdächtigen nicht infrage komme. Ihnen werde in Russland der Prozess gemacht. Russische Ermittler hatten Kowtun gestern verhört, britische Beamte waren anwesend, durften jedoch keine eigenen Fragen stellen. Auch Sokolenko und Lugowoi sollten noch befragt werden.

Die britische Polizei hatte gestern Abend angekündigt, den mysteriösen Tod des russischen Kreml-Kritikers Litwinenko nun offiziell als Mord zu untersuchen. Litwinenko starb am 23. November an einer tödlichen Dosis radioaktiven Poloniums. Auf seinem Sterbebett in einem Londoner Krankenhaus hatte er zuvor den russischen Präsidenten Wladimir Putin beschuldigt, seine Ermordung in Auftrag gegeben zu haben. Der Kreml wies dies strikt zurück.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte heute aus der Sicht des Kremls bedeute der Fall keine Beeinträchtigung der bilateralen Beziehungen zu Großbritannien. "Die Ermittlungen Scotland Yards haben keine Auswirkungen auf die Qualität der politischen Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien", sagte Lawrow einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Noch am Montag hatte sich der Minister besorgt darüber gezeigt, dass der Fall negative Auswirkungen auf das Verhältnis beider Staaten haben könnte.

phw/ler/AFP/AP/reuters/dpa

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