Polonium-Affäre Niederlande lassen London-Touristen untersuchen

Die niederländischen Gesundheitsbehörden lassen im Zusammenhang mit dem Fall Litwinenko rund 20 Personen auf Spuren der Substanz Polonium 210 testen. Sie hatten sich in einem Hotel mit dem russischen Ex-Spion aufgehalten. In Frankreich hat ein anderer Ex-Spion um Polizeischutz gebeten.


Amsterdam/Paris/München - Die Betroffenen seien Niederländer, die sich zwischen dem 31. Oktober und dem 1. Dezember im Londoner Millenium Hotel aufgehalten hatten, bestätigte eine Sprecherin des Nationalen Instituts für Gesundheit und Umwelt. Die Ergebnisse der Tests würden innerhalb der kommenden drei Wochen erwartet. Namen von Betroffenen nannte sie nicht. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, sie wisse nichts von Ermittlungen gegen einen oder mehrere der Hotelbesucher.

Der ehemalige russische Agent Litwinenko starb am 23. November in einer Londoner Klinik an den Folgen einer Vergiftung mit Polonium 210. Bei den Ermittlungen stießen die Ermittler auf Polonium-Spuren an mehreren Aufenthaltsorten Litwinenkos, darunter das Millennium Hotel in London. Litwinenko hatte sich in dem Hotel am 1. November mit den zwei früheren KGB-Mitarbeitern Andrej Lugowoi und Dmitrij Kowtun getroffen und war kurz darauf erkrankt. Auch in Hamburg hatten Ermittler Polonium-Spuren gefunden, die höchstwahrscheinlich Kowtun dort hinterlassen hat.

In Frankreich hat ein früherer russischer Geheimdienstagent wegen der Affäre die Behörden um Polizeischutz gebeten. Der Regierungskritiker Jewgeni Limarjow fürchtet nach eigenen Angaben um sein Leben, weil er in Verbindung zu Litwinenko gestanden habe. Der 41-jährige sagte der Zeitung "Le Parisien", er habe sich in seinem Haus in Cluses verbarrikadiert. Man habe versucht, bei ihm einzubrechen, er habe mysteriöse Morddrohungen erhalten.

Limarjow verwies auf eine mysteriöse Todesliste, auf der sein Name als Nummer drei hinter Litwinenko und dem italienischen Geheimdienstexperten Mario Scaramella stehe. Limarjow sagte, er habe Scaramella über angebliche Machenschaften russischer Geheimdienst-Veteranen informiert. Es sei um "Verschwörungen der Veteranen-Organisation "Würde und Ehre"" gegen Scaramella und den italienischen Senator Paolo Guzzanti gegangen. Zur Ermordung Litwinenkos sagte Limarjow, das sei "zu 99 Prozent von Russland" ausgegangen. "

Der russische Geschäftsmann Andrej Lugowoi, eine der Schlüsselfiguren im Fall Litwinenko, hat in einem Telefonat mit der "Süddeutschen Zeitung" seine Unschuld beteuert. "Ich versuche, den britischen Ermittlern so gut es geht zu helfen", sagte er. Lugowoj und Kowtun sind mit Polonium 210 kontaminiert und werden in einem Krankenhaus in Moskau behandelt.

jaf/rtr/dpa/AFP



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