Freizügigkeit in Europa Der Porno-Wahlkampf

EVP-Fraktionschef Daul: In jungen Jahren für Pornos über die Grenze
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EVP-Fraktionschef Daul: In jungen Jahren für Pornos über die Grenze

Von , Straßburg


Wer Wahlen gewinnen will, braucht Visionen. Bei der Europawahl gar nicht so einfach. Freie Grenzen? Die meisten Schlagbäume sind längst gefallen. Studieren, wo man will? Geschenkt. Bleibt also: Porno.

So sieht das zumindest Joseph Daul, Fraktionschef der stärksten politischen Gruppierung im EU-Parlament, der Europäischen Volkspartei (EVP). Daul ist 67 Jahre alt, zur "Generation Porno" würde man ihn nicht rechnen. Doch der Franzose hat zu diesem Thema einiges zu sagen: In jungen Jahren, berichtete Daul gerade der Elsässer Zeitung "Les Dernières Nouvelles d'Alsace", habe er mit seinen Freunden über die deutsche Grenze ins benachbarte Kehl fahren müssen, um erotisch anspruchsvolle Filme zu schauen.

Die waren - kaum zu glauben - im damals anscheinend prüderen Frankreich nämlich verboten, während sie in Deutschland freizügig flimmerten. Wegen der umfangreichen Grenzkontrollen, klagte Daul, habe die Anreise jedoch bisweilen bis zu zweieinhalb Stunden in Anspruch genommen, eine sehr lange Zeit für einen freudig erregten Jüngling. Und dann waren da oft noch die Scherereien mit der fremden Währung: Bisweilen habe er seine Brieftasche mit den Markscheinen vergessen, erzählt Daul. Dann blieb die ganze Reise ohne Höhepunkt.

Ein neuer Weg also, die Vorteile der europäischen Annäherung zu erklären, noch dazu vom Vorsitzenden des konservativen Blocks. "Wenn man es den jungen Leuten auf diese Weise erklärt, verstehen sie ganz genau, was EU bedeutet", beharrt Daul.

Konservative Fraktionsabgeordnete waren von den Ausführungen ihres Chefs weniger überzeugt. Die christdemokratische Europaabgeordnete Sabine Verheyen versicherte dem christlichen Medienmagazin "Pro", Pornografie sei nicht ihr vorrangiges europapolitisches Argument. Vielmehr sei Europa ein "weltweit einmaliges Projekt der gemeinsamen Werte und des Friedens", sagte Verheyen. Klingt ja auch anständiger.

Der Spitzenkandidat der EVP für die Europawahl, Jean-Claude Juncker, konnte sich hingegen von Dauls Worten schwerlich distanzieren. Dieser empfing ihn nämlich umgehend nach Bekanntwerden der Porno-Bemerkung auf seinem heimischen Bauernhof in Pfettisheim vor den Toren Straßburgs. Dort beäugte Wahlkämpfer Juncker Kühe, er fuhr auf einem Traktor, um seine Liebe zur europäischen Landwirtschaft zu demonstrieren. Ob der Kandidat auf Dauls Hof auch mit Schweinkram in Berührung kam, ist nicht überliefert.

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14 Leserkommentare
hiramholliday 16.04.2014
cucco 16.04.2014
alfonstittler 16.04.2014
wavuu 16.04.2014
rageagainstthemachine 16.04.2014
attis 16.04.2014
joachim_m. 16.04.2014
BettyB. 17.04.2014
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Schatziputzi 17.04.2014
peter-k 17.04.2014
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thomas.mann1 17.04.2014
komipower 17.04.2014

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