Palin-Double beim Parteitag Strippen gegen Romney

In wenigen Tagen soll Mitt Romney zum Präsidentschaftskandidaten gekrönt werden, doch im Vorfeld sorgt Porno-Star Lisa Ann in Tampa für Wirbel: Sie strippt als Sarah-Palin-Double - und rechnet mit den Republikanern ab.

Sandra Sperber

Aus Tampa berichten , Martin Heller und (Video)


Soll ja durchaus vorkommen, dass ein Mensch im Windschatten des anderen Karriere macht. Das ist gar nicht mal so selten. Vor allem nicht in der Politik. Aber von der Politik wollen wir heute ausnahmsweise erst ein paar Absätze weiter unten berichten.

Also, der Windschatten. Ringo Starr war der Schlagzeuger der Beatles. Und mal ehrlich, ein Star ist er doch nur geworden, weil er eben bei den Beatles mittun durfte. Oder Hansi Flick. Der war in Salzburg der Assistent vom Assistenztrainer Lothar Matthäus. Quasi der Schatten vom Schatten. Dann hat ihn Jogi Löw geholt und jetzt sitzt der Hansi Flick immer mit auf der Trainerbank, wenn EM oder WM läuft.

Kult in Amerika

Auch Lisa Anne Corpora hat so eine Windschatten-Geschichte. Jahrelang lief ihr Geschäft ordentlich, aber doch unauffällig. Frau Corpora ist in der Erwachsenen-Unterhaltung tätig, firmiert dort unter dem Namen Lisa Ann und hat jüngst schon ihren 40. Geburtstag gefeiert. Entsprechend beglückte sie vornehmlich jene, die gerne zugucken, wenn Frauen Sex haben, die im Branchensprech "MILFs" genannt werden.

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US-Republikaner: Porno-Star strippt gegen Romney
Dann aber betrat Sarah Palin die Bühne Amerikas - und trat in das Leben von Frau Corpora, der Porno-Darstellerin.

Als die republikanische Partei Palin vor vier Jahren zur Kandidatin für die Vizepräsidentschaft machte und sie sich selbst kurz darauf zum Gespött des Landes, da sagten Freunde von Lisa Ann: "Die sieht ja aus wie du, sogar die Brille!" Ein paar Tage später rief ein Porno-Produzent an und noch mal ein paar Tage später schon spielte Lisa Ann die "Serra Paylin" in dem Streifen "Who's Nailin' Paylin?". Das wiederholte sie dann noch ein paar Mal und heute, vier Jahre später, ist Lisa Ann gewissermaßen Kult in Amerika.

"Bevor ich Palin war, haben sich die Leute nicht getraut, mich auf meine Filme anzusprechen - jetzt passiert mir das dauernd", sagt Lisa Ann. Die Palin-Rolle habe ihrer Karriere einen "Schub" gegeben. Sie sei sogar bis nach Finnland gekommen.

Feine Sache. An diesem Wochenende hat sie den Weg nach Tampa gemacht, an Floridas Golf-Küste. Die Republikaner wollen dort in den nächsten Tagen ihren Parteikonvent abhalten, die Krönungsmesse für Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. Palin selbst kommt nicht, aber Lisa Ann, ihr Schatten, ist schon da. So sprechen sie an diesem Wochenende weniger von Mitt Romney und mehr vom nahenden Sturm "Isaac" und der Porno-Aktrice.

An zwei Abenden tritt Lisa Ann im Nachtclub Thee DollHouse als Palin-Double auf und strippt jeweils kurz vor Mitternacht. Im Vorfeld berichten die nationalen Fernsehsender, die Lokalpresse bittet zum Interview, und sie selbst lädt die internationalen Medien zum Gespräch in den Club. Lisa Ann trägt ein knapp geschnittenes graues Kostüm, die Palin-Brille, zeigt ihre großen Brüste und sagt, man könne ihr jetzt ein paar Fragen stellen.

Und dann reden wir über Politik. Ehrlich.

Frau Corpora erweist sich als engagierte Bürgerin, fällt nur leider rasch aus ihrer Rolle: "Ich bin Demokratin", sagt das Double der Republikanerin Palin. Die wichtigsten Polit-Themen? Homo-Ehe, Obamas Gesundheitsreform, Recht der Frau auf Verhütung. Was ist mit der Wirtschaftskrise? "Ich arbeite in einem Geschäft, das jeder Rezession trotzt." Romney? "Meine Steuerquote ist höher als seine."

Palins Outfit "etwas schrill"

Dann, klar, die Frage, ob sie nicht vielleicht irgendwann in die Politik wechseln wolle? "Schließe ich nicht aus", sagt Lisa Ann und nimmt einen Schluck von ihrem Energiegetränk. "Müsste ich aber meine Brüste verkleinern." Durch sexy Aussehen leide die Glaubwürdigkeit. Ja, so sei das auch bei Sarah Palin: "Es lenkt von ihrem Anliegen ab, man hätte sie vielleicht ernster genommen, wenn sie nicht diese verrückten Kostüme tragen würde, das ist etwas schrill." Es folgt ein Lob auf Hillary Clinton.

Während Lisa Ann redet, wieselt der Nachtclubbesitzer Warren Colazzo neben der Bühne auf und ab. Wow, sagt er, wie toll die Lisa das hier mache, und wow, wie toll die aussehe, oder? Wahnsinn, die Lisa, schon 40 Jahre und so toll. Colazzo selbst hat gerade seinen 58. Geburtstag gefeiert und sieht aus wie die US-Version von Horst Schlämmer.

Vor vier Monaten hatte er die Palin-Idee, er hat T-Shirts gedruckt, auf denen steht der Name seines Clubs und "Republikaner-Hauptquartier". In den letzten Tagen habe er Shirts im Wert von 5000 Dollar verkauft, sagt er. Colazzo hofft kommende Woche auf das ganz große Geschäft, immerhin bringt der Parteitag gut und gerne 50.000 Leute in die Stadt. Und gut, dass es Konservative sind: "Republikaner geben mehr aus in Nachtclubs", sagt Colazzo. Warum eigentlich? Was ist denn mit den viel beschworenen Werten? Colazzo zuckt die Schultern. Ist ihm egal. Er sei seit 30 Jahren im Geschäft, man könne ihm das schon glauben. So sei das eben mit den Republikanern.

Und so setzt Warren Colazzo jetzt auf den Windschatten von Lisa Ann, Sarah Palin - und den der Konservativen sowieso.

insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
praedictio 26.08.2012
1. Vielleicht
Zitat von sysopAFPIn wenigen Tagen soll Mitt Romney zum Präsidentschaftskandidaten gekrönt werden, doch im Vorfeld sorgt Porno-Star Lisa Ann in Tampa für Wirbel: Sie strippt als Sarah-Palin-Double - und rechnet mit den Republikanern ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852124,00.html
sollte man das auf Deutschland übertragen, bei der nächsten Bundestagswahl. Natürlich mit einem "vorzeigbarem" männlichem.. Interpreten!
Hupert 26.08.2012
2. So witzig...
Zitat von praedictiosollte man das auf Deutschland übertragen, bei der nächsten Bundestagswahl. Natürlich mit einem "vorzeigbarem" männlichem.. Interpreten!
...wie sich die ganze Geschichte auch liest halte ich trotzdem nichts davon die europäische Politik und insbesondere die in Deutschland noch lächerlicher zu machen, wenn dann auch freiwillig, als sie ohnehin schon ist.
Treeman 26.08.2012
3.
Besonders schön fand ich folgenden Absatz: "Vor vier Monaten hatte er die Palin-Idee, er hat T-Shirts gedruckt, auf denen steht der Name seines Clubs und "Republikaner-Hauptquartier". In den letzten Tagen habe er Shirts im Wert von 5000 Dollar verkauft, sagt er. Colazzo hofft kommende Woche auf das ganz große Geschäft, immerhin bringt der Parteitag gut und gerne 50.000 Leute in die Stadt. *Und gut, dass es Konservative sind: "Republikaner geben mehr aus in Nachtclubs",* sagt Colazzo. Warum eigentlich? Was ist denn mit den viel beschworenen Werten? Colazzo zuckt die Schultern. Ist ihm egal. Er sei seit 30 Jahren im Geschäft, man könne ihm das schon glauben. So sei das eben mit den Republikanern." Groß von Ehe, Treue, Familie und traditionellen Werten schwafeln und dann in der Strip-Bar die Sau rauslassen. Passt perfekt zu den Vorurteilen, die man als links-liberaler Europäer von einem amerikanischen Republikaner hat. P.S. Ich habe nichts gegen Strip-Bars, sondern lediglich etwas gegen Heuchelei.
gercon 26.08.2012
4. optional
Lisa Ann klaut Romney in Tamapa die Show? Was für ein Blödsinn. Lisa Ann kennen dort nur Porno Fans, der Großteil kann mit Frau Ann gar nichts anfangen und bekommen davon überhaupt nichts mit.
plietsch 26.08.2012
5.
Daß Republikaner spendierfreundlicher sind, verwundert ja nicht, wenn man sich allgemein anschaut, wie die Spenden verteilt sind (z.B. für Kirchen, für Angestellte, für Vereine, Schulen, ...), während man im Hause der Democrats wohl eher erwartet, daß die Wertschätzung von Arbeit einzig und allein beim Staat zu liegen hat, während man lieber selbst jeden Dollar für sich behält. Übrigens ein ziemlich dröger, fast schon kläglicher Versuch der üblichen Journaille. Der Spiegel hat in den letzten vier Jahren beim Thema USA ziemlich stark abgebaut, wenn man sich von Pitzke und Fischer so die Artikel durchliest. Kann mich jedenfalls nicht erinnern, daß die Millionen Kerrys eine Rolle spielten oder die Warnungen von Republikanern über "extreme Forderungen", die hier plötzlich zum "Extremismus" werden. Die Skandale der Regierung Obama, wie der kürzliche Fall Fast&Furious, interessieren wohl auch weniger. Naja, es kann nur besser werden.
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