Powell in Bagdad Demonstrationen gegen die USA

Eklat bei der Pressekonferenz von US-Außenminister Colin Powell in Bagdad. Arabische Journalisten verließen aus Protest den Raum. Während Powell das "Engagement der USA" pries, kam es in Bagdad zu antiamerikanischen Demonstrationen.


Bagdad: Proteste gegen die US-Besatzer
REUTERS

Bagdad: Proteste gegen die US-Besatzer

Bagdad - Zum Jahrestag des Kriegsbeginns zog Powell auf der Pressekonferenz eine positive Bilanz der US-Intervention. Der Krieg habe dem Land nach Jahrzehnten der "schrecklichen Diktatur" eine Zukunft eröffnet, in der die Menschenrechte und die Freiheit der Bürger gewahrt würden, sagte Powell. "Ich bin auch hier in Bagdad, um das ungebrochene Engagement der USA im Irak zu demonstrieren", fügte er hinzu.

Powells Pressekonferenz hatte mit einem Eklat begonnen. Rund zwei Dutzend arabische Journalisten verließen aus Protest gegen den Tod zweier irakischer Journalisten den Saal. Sie werfen der US-Armee vor, für den Tod der beiden verantwortlich zu sein. Nach Angaben von Augenzeugen war ein Team des arabischen Nachrichtensenders al-Arabija in der Nacht zuvor an einer Straßensperre des US-Militärs gestoppt worden. Versehentlich sei ein Mann mit seinem Auto gegen das gepanzerte Fahrzeug der Soldaten gefahren. Diese hätten daraufhin das Feuer eröffnet und den Kameramann Ali Abdelasis und den Reporter Ali al-Chatib in ihrem Auto getroffen.

Powell sagte, er bedauere den Tod der Journalisten, kenne aber die näheren Umstände nicht. Ein weiterer Iraker wurde am Freitag laut Augenzeugen in Bagdad von US-Soldaten in seinem Wagen erschossen, nachdem er an einer Straßensperre nicht angehalten hatte.

Während der Pressekonferenz protestierten in der irakischen Hauptstadt Tausende Menschen gegen die Besatzung. Rund 5000 Iraker versammelten sich nach dem Freitagsgebet zu einer Protestkundgebung zum ersten Jahrestag des Kriegsbeginns (20. März) im Stadtteil Adhamija, in dem vorwiegend sunnitische Muslime leben.

Eine Gruppe von Schiiten aus dem benachbarten Stadtteil Kadhimija schloss sich dem Protestzug an. In Sprechchören riefen sie: "Mit unserem Leben und unserem Blut opfern wir uns für dich, oh Irak." "Nein zur Spaltung durch die Amerikaner", hieß es auf Spruchbändern. Einige Teilnehmer riefen Slogans gegen die neue Übergangsverfassung.

Auch das Begräbnis der zwei al-Arabija-Journalisten am Freitag wurde zur Protestaktion gegen die US-Besatzung. "Die Situation im Irak wird von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde düsterer", sagte der Geistliche beim Totengebet vor dem Bagdader Büro des Senders.

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