Powell-Rede Geheime Abhörprotokolle sollen Irak-Lügen belegen

Am kommenden Mittwoch will US-Außenminister Powell die lange versprochenen Beweise gegen den Irak vorlegen. Das wichtigste Belegmaterial soll aus den geheimsten Archiven der US-Lauschbehörde NSA stammen: Tapes, die zeigen, wie der Irak die Inspektoren in die Irre führte.


Will überzeugende Beweise vorlegen: US-Außenminister Powell
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Will überzeugende Beweise vorlegen: US-Außenminister Powell

Washington - Mit einem höchst ungewöhnlichen Schritt will die amerikanische Regierung der Welt beweisen, dass der Irak die Waffeninspektoren systematisch in die Irre führt. Nach Angaben des US-Magazins "Newsweek" will US-Außenminister Colin Powell der Uno am kommenden Mittwoch Abhörbänder vorlegen. Die Tapes entstammen den geheimsten Abteilungen der US-Regierung: Den Lauschkammern der NSA.

Wie das Blatt am Freitag unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise berichtete, belauschen die Spezialisten der NSA seit Monaten die Gespräche der irakischen Administration. Die Unterhaltungen sollen belegen, dass die Iraker ständig damit beschäftigt waren, Dinge vor den Inspektoren zu verstecken: "Macht Euch auf etwas gefasst. Wir haben es (einen Beweis)", zitierte das Magazin ein Geheimdienst-Mitarbeiter. Ein anderer schränkte dagegen ein, dass nicht klar sei, ob es tatsächlich Waffen seien, die versteckt wurden. Es könnte sich auch um Akten oder Computer handeln.

Normalerweise bleiben sämtliche Aktionen der NSA höchst geheim. Die Verantwortlichen für die Behörde verschweigen in der Regel, dass Regierungsmitarbeiter eines fremden Landes überhaupt abgehört würden. Zuletzt hatte US-Präsident Ronald Reagan Tapes der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Sie sollten belegen, dass der libysche Diktator Gaddafi hinter dem 1986 ausgeführten Anschlag auf die Berliner Diskothek "La Belle“ steckte. Im Fall der Irak-Tapes ist der Inhalt offenbar von solcher Bedeutung, dass die US-Regierung ihre Grundsätze erneut bricht.

Wie "Newsweek“-Reporter Michael Isikoff schreibt, sichteten Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA, des Außenministeriums, des Nationalen Sicherheitsrates und von Vize-Präsident Dick Cheney derzeit das Material. US-Regierungskreise hätten noch nicht entschieden, welche Ausschnitte genau der UN vorgelegt werden sollten.

Immerhin gaben die Geheimdienstler schon einige Details über den Inhalt der Bänder preis: "Sie sagen Dinge wie "Verlegt das", "Berichtet nicht darüber" und "Ha! Könnt ihr glauben, dass sie das nicht gefunden haben?"", zitiert "Newsweek". Ein anderes Mitglied des Geheimdienstes habe dagegen eingeschränkt, es werde zwar deutlich, dass es systematische Täuschungen gegeben habe. "Aber folgt daraus zwingend, das man in den Krieg ziehen muss?" Möglicherweise werde nicht über die Waffen selbst gesprochen.

Die USA und Großbritannien werfen Irak vor, Massenvernichtungswaffen zu besitzen und haben angedroht, das Land notfalls mit Gewalt zu entwaffnen. Irak weist die Vorwürfe zurück. Die UN-Inspekteure hatten dem Sicherheitsrat am Montag erklärt, es lägen bislang keine Beweise für verbotene irakische Rüstungsprogramme vor. Jedoch kooperiere Irak nicht aktiv mit den Inspektoren.

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