Powells Kritik an Europa "Vernebelter Blick"
Hamburg - Powell sagte der "Financial Times", die Europäer sollten endlich verstehen, dass der Präsident deutliche Worte finde, jedoch "mit Bestimmtheit, Weisheit und Geduld" handele. Die harsche Kritik einiger europäischer Kritiker wie Frankreichs Außenminister Hubert Védrine oder des für die Außenpolitik der EU zuständige Kommissars Chris Patten am amerikanischen Präsidenten nach dessen Rede an die Nation, in der er Iran, Irak und Nordkorea als "Achse des Bösen" bezeichnet hatte, beruhe auf einem andauerndem Missverständnis. "Unsere europäischen Freunde sollten nach einem Jahr zu schätzen gelernt haben, dass der Präsident dazu neigt, die Wahrheit zu sagen, wie er sie sieht", sagte Powell.
Neben der Kritik an den europäischen Kritikern versuchte Powell erneut zu beschwichtigen. Die USA hätten keine militärischen Pläne, um Saddam Hussein demnächst zu stürzen. Bevor Bush gegen die Bedrohung, die von den genannten drei Staaten ausgehe, vorgehe, würde er sich umfassend beraten lassen.
Besonders den französischen Außenminister Védrine griff Powell an. Dessen Blick habe sich vernebelt, als er die Politik der US-Regierung als "simplifizierend" kritisierte. Die Bemerkung Chris Pattens, die USA würde einen "absolutistischen Anspruch" erheben, wies Powell zurück. Die USA seien gegenüber europäischen Bedenken sehr empfänglich. "Chris spielte sich vergangene Woche ein bisschen auf, und ich muss ein Wörtchen mit ihm reden, wie sie in Großbritannien zu sagen pflegen. Ich habe den größten Respekt vor Chris und bewundere ihn, doch wir müssen genau anschauen, was der Präsident gesagt hat. Der Präsident hat nicht in absolutistischen, simplifizierenden Begriffen geredet. Ich glaube, er hat sehr direkt und realistisch gesprochen", sagte Powell.