Schwierige Präsidenten-Beziehung Gaucks Putin-Problem

Der Bundespräsident reist viel - nur um Moskau macht er bislang einen großen Bogen. Ex-Freiheitskämpfer Gauck schiebt einen Staatsbesuch bei Ex-KGB-Agent Putin heraus. Um die Russen nicht vollends zu verärgern, soll nun ein diplomatischer Kniff helfen.
Präsident Putin, Gastgeber Gauck (beim Antrittsbesuch in Berlin): Wenig freundliche Worte

Präsident Putin, Gastgeber Gauck (beim Antrittsbesuch in Berlin): Wenig freundliche Worte

Foto: dapd

Berlin/Moskau - Der Bürger Joachim Gauck hat kaum einen Hehl daraus gemacht, was er von Wladimir Putin hält. Bei seiner Vorstellung in der Bundestagsfraktion der Grünen - drei Wochen vor der Wahl zum Staatsoberhaupt - wurde der Kandidat Gauck von einem ehemaligen DDR-Bürgerrechtler gefragt, wie er mit einem ausländischen Repräsentanten à la Putin umgehen würde. Folgende Antwort ist überliefert: "Das ist die schlimmste Frage, die Sie mir stellen konnten."

Als Bundespräsident darf Joachim Gauck einen solchen Satz nicht mehr sagen. Aber natürlich hat er seine Überzeugungen nicht vor den Toren von Schloss Bellevue zurückgelassen. Umso schwerer fällt es dem Präsidenten deshalb, einen Umgang mit seinem russischen Amtskollegen Putin zu finden. Etliche Reisen stehen bereits in Gaucks Kalender für den Rest des Jahres, doch Planungen für einen Russland-Besuch gibt es im Bundespräsidialamt nicht.

Einmal haben sie sich bereits getroffen: Putin kam Ende Mai als Wieder-Präsident zum Antrittsbesuch nach Berlin, Gauck musste ihn aus protokollarischen Gründen in seinem Amtssitz empfangen. Dem Vernehmen nach wurden wenig Freundlichkeiten ausgetauscht zwischen dem Hausherrn, zum Ende der DDR Kämpfer für die Freiheit, und seinem Gast, in der DDR jahrelang Agent für den sowjetischen KGB: Gauck soll ziemlich unverblümt die mangelnde Rechtsstaatlichkeit in Russland angeprangert haben, Putin wenig amüsiert gewesen sein.

Seitdem sind die beiden nicht mehr zusammengekommen. Der Besuch des deutschen Präsidenten in Moskau in der zweiten Junihälfte - damals sollten Gauck und Putin in der russischen Hauptstadt gemeinsam das "Deutschlandjahr" eröffnen - kam nicht zustande. Und es sieht auch nicht danach aus, als sollte er in den kommenden Monaten nachgeholt werden.

Russland darf nicht vergrätzt werden - Putin hin oder her

Aber natürlich weiß man auch im Bundespräsidialamt, dass Russland ein Partner ist, den man nicht vergrätzen darf, er gilt als einer der wichtigsten Deutschlands. Irgendwann wird Gauck um eine Reise nach Moskau - Putin hin oder her - also nicht umhinkommen.

Zunächst hat man im Bundespräsidialamt allerdings einen anderen Weg gefunden, um ein Häkchen an das Thema Russland zu bekommen: Das deutsche Staatsoberhaupt wird am 4. Oktober in Berlin die monumentale Ausstellung "Russen und Deutsche. 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur" im Neuen Museum auf der Museumsinsel eröffnen, wie Gaucks Sprecher bestätigte. Die Schau war bis vor kurzem, als größtes und teuerstes "Deutschlandjahr"-Ereignis im ehemaligen Lenin-Museum in Moskau zu sehen.

Das ist kein Ersatz für den Antrittsbesuch in Moskau, aber ein hübscher diplomatischer Trick, um Zeit zu gewinnen - und Putin aus dem Weg zu gehen. Denn dass Russlands Präsident zu der Ausstellungseröffnung nach Berlin reist, ist schwer vorstellbar.

Nach der Dreiviertel-Moral-Stunde in Schloss Bellevue dürfte seine Lust auf weitere Zusammenkünfte mit dem deutschen Präsidenten eher gering ausfallen. Es gibt sogar eine Erklärungsvariante, die das geplatzte Moskauer Treffen im Juni dem Widerwillen Putins zuschreibt. Demnach soll der russische Präsident damals klargemacht haben, dass er der gemeinsamen Eröffnung des "Deutschlandjahrs" mit dem Freiheits-Vorkämpfer aus Berlin nichts abgewinnen könne - und ohnehin Kanzlerin Angela Merkel sein wirkliches Pendant sei.

Ganz anders klingt Variante zwei, die im Bundespräsidialamt kursiert: Demnach hatte man sich für Gaucks Besuch in Moskau zunächst auf einen Termin für die Eröffnung des "Deutschlandjahrs" geeinigt, an dem der russische Präsident außer Landes sein würde. Obgleich aus Berliner Sicht eine glückliche Fügung, habe die Gegenseite einem Gauck-Besuch ohne Putin nicht zustimmen wollen, heißt es.

Eines aber haben beide Varianten gemein: Freunde werden die beiden Präsidenten aus Berlin und Moskau in diesem Leben wohl nicht mehr.