Präsident in der Krise Sarkozy gibt Fehler zu - und der Weltwirtschaft die Schuld

Oui, je regrette: Frankreichs Präsident Sarkozy zieht nach einem Jahr im Amt Bilanz - und zeigt sich reumütig wie nie. Er habe "Fehler" gemacht, sagte Sarkozy angesichts miserabler Umfragewerte. Zugleich machte er die kriselnde Weltwirtschaft für seine Startschwierigkeiten verantwortlich.


Paris - Er ist nicht gerade in bester Verfassung. Frankreichs Präsident regiert seit knapp einem Jahr im Elysée-Palast, seit einigen Monaten sogar mit einer neuen, liebreizenden Gattin - doch dennoch sinkt Nicolas Sarkozys Popularität, schwindet sein Rückhalt bei den Wählern.

Präsident Sarkozy: Hofft er auf göttlichen Beistand?
AFP

Präsident Sarkozy: Hofft er auf göttlichen Beistand?

In einem landesweit ausgestrahlten Fernsehinterview zeigte sich Sarkozy jetzt ungewohnt reuig: Der Präsident gab zu, dass in seiner bisherigen Amtseit nicht alles glatt lief: "Bestimmt habe ich nicht genug erklärt, bestimmt habe ich selber Fehler gemacht", sagte Sarkozy am Donnerstagabend in dem neunzigminütigen Gespräch, das fünf Journalisten im Elysée-Palast mit ihm führten.

Frankreich brauche Reformen, und von ihm als Präsident werde erwartet, dass er einen Wandel herbeiführe. Die Welt habe sich verändert, und Frankreich habe sich "nicht im gleichen Rhythmus angepasst" wie andere, sagte Sarkozy.

Der Präsident sagte weiter, er verstehe, dass einige von seinen Amtsqualitäten enttäuscht seien. Er habe es etwa versäumt, seinen Wählern die jüngsten Reformen ausreichend verständlich zu machen. Er sei durchaus vorbereitet gewesen auf "Enttäuschung, Probleme und Schwierigkeiten".

Allerdings betonte Sarkozy, er sei nicht allein für. Auch die "Umstände" hätten seine Amtszeit nicht gerade vereinfacht. "Seit ich gewählt worden bin, hat sich der Ölpreis verdoppelt, ist die Börsenkrise ausgebrochen, hat der Euro den höchsten Stand erreicht", sagte Sarkozy. All das habe der französischen Wirtschaft geschadet. Wenn man Wachstum, Kaufkraft und Entwicklung wolle, müsse man "auf seine eigene Kraft vertrauen", sagte Sarkozy.

Sarkozy steht in Umfragen nach einem Jahr im Amt so schlecht da wie in den vergangenen Jahrzehnten noch kein französischer Präsident. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des französischen Meinungsforschungsinstitutes CSA war gerade noch einer von vier Befragten der Ansicht, dass Sarkozys Handeln "eher in die richtige Richtung" gehe - rund zwei von drei Franzosen waren demnach der Ansicht, dass er sich "eher in die falsche Richtung" bewege. Etwa genauso viele gaben an, dass der Präsident seine Wahlkampfversprechen nicht einhalte.

amz/AFP/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.