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21. März 2011, 14:59 Uhr

Präsident Salih unter Druck

Panzer fahren in Jemens Hauptstadt auf

Der Machtkampf im Jemen eskaliert. In der Hauptstadt Sanaa sind Panzer aufgefahren. Zuvor waren hochrangige Militärs auf die Seite der Regierungsgegner gewechselt. Präsident Ali Abdullah Salih muss um sein Amt fürchten.

Sanaa - Einheiten einer Panzerdivision haben am Montagvormittag auf einem zentralen Platz in Jemens Hauptstadt Sanaa Stellung bezogen. Dort haben sich Demonstranten versammelt, die den Rücktritt des von den USA unterstützten Präsidenten Ali Abdullah Salih fordern. Weitere Panzer fuhren vor dem Verteidigungsministerium und der Zentralbank vor. Unklar war zunächst, ob sie einem Befehl der loyalen Kommandeure oder der abtrünnig gewordenen Offiziere folgten. Panzer der Republikanischen Garden, einer Eliteeinheit, die von Salihs Sohn Ahmed kommandiert wird, sind außerhalb des Präsidentenpalasts in einem südlichen Vorort von Sanaa aufgefahren.

Damit hat sich der Machtkampf in dem arabischen Land noch einmal zugespitzt. Zuvor hatte mit Ali Muhsin al-Ahmar, ein ranghoher Offizier und enger Berater von Salih, per Videoansprache seinen Wechsel zur Opposition bekanntgegeben. Muhsin al-Ahmar ist Kommandeur der Ersten Panzerdivision des Heeres. "Wir erklären unsere friedliche Unterstützung für die friedliche Revolution der Jugend und ihrer Forderungen, und wir erfüllen unsere Pflicht, Sicherheit und Stabilität in der Hauptstadt zu gewährleisten", erklärte Muhsin al-Ahmar im TV-Sender al-Dschasira. Muhsin al-Ahmar forderte jedoch nicht den sofortigen Rücktritt von Präsident Salih, der seit 32 Jahren an der Macht ist. Seit zwei Jahren berichten Insider über eine Rivalität zwischen Muhsin al-Ahmar und Ahmed Salih.

Laut Informationen aus dem Verteidigungsministerium schloss sich auch Mohammed Ali Muhsin, der Kommandeur der westlichen Region, den Demonstranten an. Auch Mohammed Ali Muhsin ist wie Mushin al-Ahmar mit Präsident Salih verwandt. Ein dritter hochrangiger Abtrünniger ist Hamid al-Qusaibi. Dutzende weitere Offiziere der Armee und des Innenministeriums haben nach diesen Informationen den Dienst quittiert. Zudem traten mehrere Botschafter, der Chef der staatlichen Nachrichtenagentur und der Gouverneur der Hafenstadt Aden zurück. Im Norden des Landes haben schiitische Rebellen die Kontrolle über eine Militäreinrichtung übernommen, wie aus Militär- und Stammesquellen verlautete.

Der einflussreichste jemenitische Stammesfürst Scheich Abdullah al-Ahmar sagte auf al-Dschasira, er erkläre "im Namen aller Mitglieder seines Stammes", sich der Revolution anzuschließen. Der Chef des mächtigen Haschid-Bundes, dem auch der Präsident selbst angehört, forderte zudem Salih auf, Blutvergießen zu vermeiden und sich für einen ehrenvollen Rücktritt vom Amt zu entscheiden.

Salih hatte inmitten der immer massiver werdenden Rücktrittsforderungen gegen ihn am Sonntag sein gesamtes Kabinett entlassen. Offenbar wollte der Präsident damit einem geplanten Massenrücktritt von Kabinettsmitgliedern zuvorkommen, die gegen sein blutiges Vorgehen gegen regierungskritische Demonstranten protestieren wollten. Scharfschützen hatten am Freitag das Feuer auf Tausende Demonstranten eröffnet und mehr als 40 von ihnen getötet.

Vor der Bekanntgabe der Kabinettsentlassung am Sonntag hatten die Ministerin für Menschenrechte und auch der Uno-Botschafter des Jemens ihren Rücktritt erklärt. Auch schlossen sich Mitglieder von Salihs eigenem Stamm und mehrere religiöse Führer den Forderungen nach seinem Rücktritt an, wodurch der Präsident entscheidend an Rückhalt verlor.

Angespornt durch die Revolutionen in Tunesien und Ägypten protestieren verschiedene Gruppen von Regimegegnern im Jemen seit Monaten beharrlich gegen Salihs jahrzehntelange Quasi-Diktatur. Salih ist ein Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terrorismus. Das bitterarme Land im Süden der Arabischen Halbinsel gilt seit Jahren als "failing state", der vom Zerfall bedroht ist. Im Süden des Landes begehren Separatisten gegen die Zentralregierung auf, im Norden herrscht ein faktischer Bürgerkrieg des Regimes gegen schiitische Stämme, im ganzen Land operiert zudem das Terrornetzwerk al-Qaida.

als/AP/Reuters/dpa/AFP

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