Präsident Salih unter Druck Panzer fahren in Jemens Hauptstadt auf

Der Machtkampf im Jemen eskaliert. In der Hauptstadt Sanaa sind Panzer aufgefahren. Zuvor waren hochrangige Militärs auf die Seite der Regierungsgegner gewechselt. Präsident Ali Abdullah Salih muss um sein Amt fürchten.

REUTERS

Sanaa - Einheiten einer Panzerdivision haben am Montagvormittag auf einem zentralen Platz in Jemens Hauptstadt Sanaa Stellung bezogen. Dort haben sich Demonstranten versammelt, die den Rücktritt des von den USA unterstützten Präsidenten Ali Abdullah Salih fordern. Weitere Panzer fuhren vor dem Verteidigungsministerium und der Zentralbank vor. Unklar war zunächst, ob sie einem Befehl der loyalen Kommandeure oder der abtrünnig gewordenen Offiziere folgten. Panzer der Republikanischen Garden, einer Eliteeinheit, die von Salihs Sohn Ahmed kommandiert wird, sind außerhalb des Präsidentenpalasts in einem südlichen Vorort von Sanaa aufgefahren.

Damit hat sich der Machtkampf in dem arabischen Land noch einmal zugespitzt. Zuvor hatte mit Ali Muhsin al-Ahmar, ein ranghoher Offizier und enger Berater von Salih, per Videoansprache seinen Wechsel zur Opposition bekanntgegeben. Muhsin al-Ahmar ist Kommandeur der Ersten Panzerdivision des Heeres. "Wir erklären unsere friedliche Unterstützung für die friedliche Revolution der Jugend und ihrer Forderungen, und wir erfüllen unsere Pflicht, Sicherheit und Stabilität in der Hauptstadt zu gewährleisten", erklärte Muhsin al-Ahmar im TV-Sender al-Dschasira. Muhsin al-Ahmar forderte jedoch nicht den sofortigen Rücktritt von Präsident Salih, der seit 32 Jahren an der Macht ist. Seit zwei Jahren berichten Insider über eine Rivalität zwischen Muhsin al-Ahmar und Ahmed Salih.

Laut Informationen aus dem Verteidigungsministerium schloss sich auch Mohammed Ali Muhsin, der Kommandeur der westlichen Region, den Demonstranten an. Auch Mohammed Ali Muhsin ist wie Mushin al-Ahmar mit Präsident Salih verwandt. Ein dritter hochrangiger Abtrünniger ist Hamid al-Qusaibi. Dutzende weitere Offiziere der Armee und des Innenministeriums haben nach diesen Informationen den Dienst quittiert. Zudem traten mehrere Botschafter, der Chef der staatlichen Nachrichtenagentur und der Gouverneur der Hafenstadt Aden zurück. Im Norden des Landes haben schiitische Rebellen die Kontrolle über eine Militäreinrichtung übernommen, wie aus Militär- und Stammesquellen verlautete.

Der einflussreichste jemenitische Stammesfürst Scheich Abdullah al-Ahmar sagte auf al-Dschasira, er erkläre "im Namen aller Mitglieder seines Stammes", sich der Revolution anzuschließen. Der Chef des mächtigen Haschid-Bundes, dem auch der Präsident selbst angehört, forderte zudem Salih auf, Blutvergießen zu vermeiden und sich für einen ehrenvollen Rücktritt vom Amt zu entscheiden.

Salih hatte inmitten der immer massiver werdenden Rücktrittsforderungen gegen ihn am Sonntag sein gesamtes Kabinett entlassen. Offenbar wollte der Präsident damit einem geplanten Massenrücktritt von Kabinettsmitgliedern zuvorkommen, die gegen sein blutiges Vorgehen gegen regierungskritische Demonstranten protestieren wollten. Scharfschützen hatten am Freitag das Feuer auf Tausende Demonstranten eröffnet und mehr als 40 von ihnen getötet.

Vor der Bekanntgabe der Kabinettsentlassung am Sonntag hatten die Ministerin für Menschenrechte und auch der Uno-Botschafter des Jemens ihren Rücktritt erklärt. Auch schlossen sich Mitglieder von Salihs eigenem Stamm und mehrere religiöse Führer den Forderungen nach seinem Rücktritt an, wodurch der Präsident entscheidend an Rückhalt verlor.

Angespornt durch die Revolutionen in Tunesien und Ägypten protestieren verschiedene Gruppen von Regimegegnern im Jemen seit Monaten beharrlich gegen Salihs jahrzehntelange Quasi-Diktatur. Salih ist ein Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terrorismus. Das bitterarme Land im Süden der Arabischen Halbinsel gilt seit Jahren als "failing state", der vom Zerfall bedroht ist. Im Süden des Landes begehren Separatisten gegen die Zentralregierung auf, im Norden herrscht ein faktischer Bürgerkrieg des Regimes gegen schiitische Stämme, im ganzen Land operiert zudem das Terrornetzwerk al-Qaida.

als/AP/Reuters/dpa/AFP



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TekDa74 21.03.2011
1. Der nächste
Zitat von sysopDer Machtkampf im Jemen eskaliert. In der Hauptstadt Sanaa sind Panzer aufgefahren. Zuvor waren hochrangige Militärs auf die Seite der Regierungsgegner gewechselt. Präsident Ali Abdullah Salih ist zunehmend isoliert und muss um sein Amt fürchten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752245,00.html
Jemen wird der nächste Kriegschauplatz.Das war doch alles vorher zu sehen.Nur der Jemen hat nichts was für die Weltwirtschft von bedeutendem Interesse ist.
Safiye 21.03.2011
2. Hier wird der Unterschied ...
... zu Libyen mehr als deutlich. Das Militär, Diplomaten und Governeure distanzieren sich von Präsident Saleh. Damit verliert er seine Machtbasis. Die libyschen Generäle hielten überwiegend zu Ghaddafi, obwohl er sogar Nicht-Libyer auf Menschen schießen ließ. Ghaddafi konnte sich in großem Umfang Söldner leisten, die bereit waren und sind, auf Leute, die sie nicht kennen und zu denen sie keine Beziehung haben, zu schießen. Diese libyschen Generäle haben sich selbst schuldig gemacht, zumal Ghaddafi sie wahrscheinlich mit Drohungen gegen ihre Familien und Clans in Schach hält. Saleh hat diese Möglichkeit nicht ... Hier können die Militärs frei entscheiden und sie entscheiden sich seit heute gegen ihn. Gut so, denn wer Heckenschützen einsetzt, hat seine Legitimität zur Regieren verloren.
elbröwer 21.03.2011
3. Spekulation und Wunschdenken
Bitte aber nicht gleich wieder von heroischen Freiheitshelden reden. Es ist das Militär. Man nennt das Militärputsch und so sehr werden die sich nicht von ihrem Machthaber unterscheiden dem sie Jahrzehnte lang die Füße geküßt haben. Wie in Ägypten oder Tunesien. Glaubt wirklich jemand an eine Demokratie und Transparenz bei denen? Haben wir in der BRD doch auch nicht wie die Atomverlängerung und die anschließende Aussetzung demonstrieren. Kennt jemand den wirklichen Deal?
jörg pk 21.03.2011
4. Kann Ihnen nur zustimmen...
Zitat von Safiye... zu Libyen mehr als deutlich. Das Militär, Diplomaten und Governeure distanzieren sich von Präsident Saleh. Damit verliert er seine Machtbasis. Die libyschen Generäle hielten überwiegend zu Ghaddafi, obwohl er sogar Nicht-Libyer auf Menschen schießen ließ. Ghaddafi konnte sich in großem Umfang Söldner leisten, die bereit waren und sind, auf Leute, die sie nicht kennen und zu denen sie keine Beziehung haben, zu schießen. Diese libyschen Generäle haben sich selbst schuldig gemacht, zumal Ghaddafi sie wahrscheinlich mit Drohungen gegen ihre Familien und Clans in Schach hält. Saleh hat diese Möglichkeit nicht ... Hier können die Militärs frei entscheiden und sie entscheiden sich seit heute gegen ihn. Gut so, denn wer Heckenschützen einsetzt, hat seine Legitimität zur Regieren verloren.
...Oberst Gaddafi hat solche Erhebungen allerdings immer schon gefürchtet und schon viele Attentate und Putschversuche überlebt. So hat er niemals seiner Armee getraut und sie ganz bewusst schwach gehalten. In Ägypten, und nun offenbar auch in Jemen, zeigt sich wofür eine Armee im besten Falle fähig ist. In beiden Ländern haben die Generäle nach einigem Zögern sich daran erinnert, dass sie ihrem Volk und nicht ihrem Despoten wahre Treue schulden. Ist zu hoffen, dass dies auch in anderen Ländern Schule macht.
taiga, 21.03.2011
5. Ach, der Jemen
Zitat von TekDa74Jemen wird der nächste Kriegschauplatz.Das war doch alles vorher zu sehen.Nur der Jemen hat nichts was für die Weltwirtschft von bedeutendem Interesse ist.
Was am Jemen besser werden soll, ist mir ein Rätsel. Ab jeden Mittag könnte man alles zumachen, da zieht sich die männliche Hälfte, also die, die sich in der Öffentlichkeit bewegen dürfen, zum Kat kauen in den Schatten zurück. Die Frauen verbringen ohnehin hinter Mauern ihr Leben und müssen sich am Abend mit den zugekifften (zugekatten) Männern rumplagen. Allerdings gibt es im Südjemen ein paar Ölquellen und – Weihrauchharz. Da der Jemen gegenüber von Somalia liegt, könnte ihm eine gewisse geostrategische Wichtigkeit zukommen – falls man Somalia als Terror- und Piratennest künftig wirklich mal angehen will.
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