Präsidenten-Ambitionen Bush-Berater fährt Palin in die Parade

Sie ist prominent und bei Erzkonservativen ein Star: Sarah Palin liebäugelt mit der Kandidatur für die Präsidentschaft - doch ausgerechnet Karl Rove, Strippenzieher unter George W. Bush, hat Zweifel an ihrer Eignung. Palins Freunde von der Tea-Party-Bewegung sorgen unterdessen für neue Schlagzeilen.

Palin auf Exkursion in Alaska (undatiertes Bild): "Ich bin lieber hier draußen"
AP/ Heath Family

Palin auf Exkursion in Alaska (undatiertes Bild): "Ich bin lieber hier draußen"


Hamburg - Für ihre Anhänger wäre es ein Traum - für ihre Kritiker ein Alptraum: Sarah Palin als US-Präsidentin im Weißen Haus. Die ehemalige Gouverneurin von Alaska zählt durchaus zum Kreis der Favoriten bei den Republikanern. Und das macht sogar Parteifreunden Sorge. Der wichtige Strippenzieher Karl Rove zweifelte in einem Interview ganz offen an Palins Präsidenteneignung.

Sie habe zwar bei der Präsidentschaftswahl 2008 als Vize des republikanischen Kandidaten John McCain einen hervorragenden Job gemacht, sagte Rove der britischen Zeitung "Daily Telegraph". "Aber als Kandidat für das Vize-Präsidentenamt ins Rennen zu gehen, ist etwas anderes, als das Rennen selbst anzuführen."

Und dann setzte der frühere Vizestabschef des Weißen Hauses einen Satz hinzu, der bei Palin und ihren Anhängern gar nicht gut ankommen wird: Die US-Bürger hätten hohe Ansprüche an das Präsidentenamt, sie verlangten ein bestimmtes Maß an Würde, meinte der Vertraute von Ex-Präsident George W. Bush. "Und sie wollen über den Kandidaten sagen können: 'Dieser Mensch agiert so, dass ich ihm das anspruchsvollste Amt der Welt zutraue'" .

Die meisten US-Bürger erinnern sich noch gut daran, dass Palin 2008 ihre außenpolitische Kompetenz damit begründete, sie könne von ihrem Heimatstaat Alaska aus Russland sehen. Auch ihre übertriebenen Jagd- und Angelgeschichten sorgten für Spott. Und genau mit solchen Geschichten macht Palin nun wieder Schlagzeilen. Denn in wenigen Tagen soll eine TV-Serie anlaufen, in der die 46-Jährige die Wildnis ihrer Heimat Alaska vorstellt.

Aus der Wildnis ins Oval Office?

Er sei sich nicht sicher, inwiefern eine solche Reality-Sendung in den Köpfen der Amerikaner zu der Überlegung führe "so kann ich sie mir gut im Oval Office vorstellen", meinte Rove. Denn Palin in der Wildnis könne dem Wähler auch die Botschaft vermitteln: "Ich bin lieber hier draußen als in einem muffigen Büro."

Rove scheint die erzkonservative Tea-Party-Bewegung, mit der Palin derzeit kräftig den Kongresswahlkampf aufmischt, sowieso nicht geheuer. So fuhr er auch Christine O'Donnell, die sensationell zur republikanischen Bewerberin für das Senatsamt in Delaware avancierte, in die Parade. Die Kandidatin machte mit kruden Ansichten über Masturbation Schlagzeilen.

"Es tut den Konservativen nicht gut, Kandidaten zu unterstützen, die keine Eigenschaften wie Rechtschaffenheit, Wahrhaftigkeit und Ernsthaftigkeit erkennen lassen", sagte Rove über sie.

Palin dagegen zählt zu den Verbündeten O'Donnells. Auch andere Kandidaten hat sie unter ihre Fittiche genommen. Doch viele davon sorgen vor allem für bizarre Schlagzeilen.

Palins Schützlinge patzen

So glänzte der erzkonservative Senatskandidat der Tea-Party-Bewegung in Alaska, Joe Miller, mit einem Lob auf die Grenzbefestigung der ehemaligen DDR. Er lobte die Berliner Mauer als Vorbild für die Abwehr illegaler Einwanderer in den USA. "Ostdeutschland hat es sehr sehr gut geschafft, den Strom zu reduzieren", sagte Miller über die Grenzübertritte von Flüchtlingen. "Wenn Ostdeutschland das konnte, dann können wir das auch."

Mit dieser Bemerkung allein hätte er sich wohl gar nicht so sehr geschadet. Denn er galt als sicherer Anwärter auf den Senatssitz. Doch nun macht ihm ein Skandal um die Sabotage von Computern Probleme. Miller musste auf öffentlichen Druck hin einräumen, dass er 2008 als Anwalt einer Gemeinde in Alaska die Computer von Regierungsmitarbeitern knackte und unter deren Zugang an einer politischen Online-Abstimmung teilnahm.

Als er seine Spuren verwischen wollte, löschte er die Passwörter der Mitarbeiter und andere Dokumente. Zunächst stritt er dies alles ab, doch inzwischen räumte er ein: "Ich gebe zu, dass es falsch war, in die fremden Computer einzudringen. An der Abstimmung teilzunehmen war falsch, und zu lügen war falsch. Es gibt für nichts davon eine Entschuldigung." Miller wurde vorübergehend suspendiert und bekam dann ein Disziplinarverfahren.

Das Verhältnis zwischen Miller und den Medien gilt als gespannt. Wie viele andere Kandidaten geht er aus Sorge vor Fehltritten auf Distanz. Doch nun muss er im Wahlkampfendspurt kämpfen - und hat sich Unterstützung von Palin geholt. Sie und andere Tea-Party-Anhänger haben Sorge, dass Miller mit der Computer-Affäre die Wahl vermasselt. Umso mehr will Palin jetzt für ihn in die Bresche springen und hat zusammen mit anderen konservativen Politikern eine große Kundgebung angekündigt.

mmq

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Seite 1
Forum_User, 28.10.2010
1. Ein krankes Volk, diese Amis
Zitat von sysopSie ist prominent und bei Erzkonservativen ein Star: Sarah Palin liebäugelt mit der Kandidatur für die Präsidentschaft - doch ausgerechnet Karl Rove, Strippenzieher unter George W. Bush, hat Zweifel an ihrer Eignung. Palins Freunde von der Tea-Party-Bewegung sorgen unterdessen für neue Schlagzeilen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,725830,00.html
....jedenfalls mind. 50 % davon. Wann emanzipiert Europa sich endlich von der US-Hegemonie??!
Lebesque, 28.10.2010
2. K.t
Zweifel kann man da durchaus haben. Palins intetektulle Reife einzuschätzen, würde ich mal sagen, dass die auf Sonderschulniveau ist. Aber man weiss ja nicht, was dem amerikanischen Wähler gefällt. Die haben ja auch Bush wiedergewählt, trotz (oder vielleicht wegen) zweier sinnloser Rachfeldzüge gegen Irak und Afganistan.
Indigo76 28.10.2010
3. Titelverweigerer
Zitat von sysopSie ist prominent und bei Erzkonservativen ein Star: Sarah Palin liebäugelt mit der Kandidatur für die Präsidentschaft - doch ausgerechnet Karl Rove, Strippenzieher unter George W. Bush, hat Zweifel an ihrer Eignung. Palins Freunde von der Tea-Party-Bewegung sorgen unterdessen für neue Schlagzeilen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,725830,00.html
Schade, dass Westerwelle schwul ist. Die beiden würden ein Traumpaar abgeben. Doch wenn man Dünnbrettbohrer Sarazin glaubt, kann bei der Verbindung nur Forest Gump herauskommen.
Gani, 28.10.2010
4. Vielleicht nicht mal so schlecht
So dämlich der amerikanische Wähler sich zuweilen darstellt, eine solche hohle Nuss wie Palin wird kaum ins höchste Amt gewählt. Allerdings könnte sie ja durchaus potentere, aber nicht unbeding weniger gefährliche Kandidaten aus dem rechten Lager in den Vorwahlen ausbooten. Insofern wäre es vielleicht gar nicht schlecht wenn das Dummchen als Kandidatin gestellt wird... wer immer dann auch der demokratische Gegner sein wird (wohl Obama), verlieren kann man gegen sowas eigentlich nicht. Vorrausgesetzt ich überschätze den amerikanischen Wähler nun nicht masslos.
Kosmopolit08 28.10.2010
5. Warum die Aufregung?
Was dem Ami die Palin ist dem Deutschen der Sarrazin. Ausser das Thilo seine kruden Theorien ganz selbst und ohne Ghostwriter zu Papier bringt, gibt es da nur wenig Unterschied...
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