Präsidentenwahl in der Ukraine Comeback des Wahlfälschers

Die "Orange Revolution" wurde vor fünf Jahren bejubelt. Doch inzwischen haben die Ukrainer gelernt, wie chaotisch Demokratie sein kann, wie mühsam und schmutzig. Ende der Woche stellt sich Staatschef Juschtschenko zur Wiederwahl - doch ausgerechnet sein Rivale Janukowitsch ist Top-Favorit.

Wiktor Juschtschenko (l.), Wiktor Janukowitsch (r.): Die beiden alten Widersacher kämpfen wieder um die Macht in der Ukraine
DPA

Wiktor Juschtschenko (l.), Wiktor Janukowitsch (r.): Die beiden alten Widersacher kämpfen wieder um die Macht in der Ukraine

Aus Kiew berichtet


Neujahr bedeutet immer auch einen Aufbruch, einen neuen Anfang. Aber für Wiktor Juschtschenko ist es das Ende. Mutlos zeigt sich der Präsident der Ukraine Millionen seiner Bürger, stiert in die Kamera. Offiziell soll es die Ansprache des Staatschefs zum Beginn eines neuen Jahres sein. Tatsächlich ist es die triste Abschiedsrede eines Gescheiterten. "Ich bin stolz", beteuert der Präsident - und zuckt doch ratlos mit den Schultern.

Millionen Menschen haben Juschtschenko im Dezember 2004 auf dem Platz der Unabhängigkeit in Kiew zugejubelt und ihm den Weg ins Amt geebnet. Die "Orange Revolution" verhieß Freiheit, Aufschwung und Aufbruch gen Westen.

Heute kämpft die Ukraine mit der tiefsten Krise seit ihrer Unabhängigkeit. Die Wirtschaft ist 2009 um 15 Prozent geschrumpft. Ein politischer Dauerzwist paralysiert das Land, und Europa bleibt fern. Für Reisen in die EU müssen Ukrainer noch immer in langen Schlangen vor den Botschaften der Mitgliedsstaaten in Kiew anstehen, um ein Visum zu bekommen.

Wenn sie am 17. Januar einen neuen Präsidenten wählen, dann wollen nur noch fünf Prozent der wahlberechtigten Ukrainer dem Amtsinhaber ihre Stimme geben. Juschtschenko ahnt die Niederlage. "Es endet eine ganze Epoche unseres Lebens", sagt der Präsident.

Die Lehre von der chaotischen Demokratie

Ein halbes Jahrzehnt nach dem Umbruch in der Ukraine ist der Zauber des neuen Anfangs verflogen. Fünf Jahre lang haben sich die Rivalen Juschtschenko, Julia Timoschenko und Wiktor Janukowitsch bekriegt und in wechselnden Bündnissen um die Macht gerungen, gezankt und dringend nötige Reformen auf die lange Bank geschoben.

Jetzt steht Janukowitsch, der Wahlfälscher von 2004, vor einem bemerkenswerten Comeback. Er führt mit großem Abstand in allen Umfragen.

Zwar hat die "Orange Revolution" das halbautoritäre Kutschma-Regime beseitigt, es gibt freie Wahlen, streitlustige Medien und eine starke Opposition. Doch die Amtszeit Juschtschenkos hat die Ukrainer vor allem gelehrt, wie chaotisch Demokratie sein kann, wie mühsam - und auch wie schmutzig. Aus Janukowitschs Partei der Regionen wurden im Wahlkampf Anschuldigungen laut, ein Abgeordneter aus dem Timoschenko-Lager sei in einen Fall von Kindesmissbrauch verwickelt. Die Antwort folgte prompt: Janukowitschs Gegner streuten, dieser habe als junger Mann eine Frau vergewaltigt. Und gänzlich unpräsidial beschimpfte Präsident Juschtschenko seine einstige Kampfgefährtin Timoschenko als "Pennerin".

Das Wahlkampfgetöse übertönt dabei jene Stimmen, die eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Problemen der Ukraine fordern: Der Krise, der Korruption, der Schwäche des Staates.

Kaum jemand vermag die desaströse Lage der Nation so schonungslos zu benennen wie Igor Burakowskij, Direktor des Kiewer "Instituts für ökonomische Forschung und Politikberatung". Burakowskij, schwere Brille, dunkler Schnauzer, sitzt in seinem Büro an der Kiewer Reiterstraße. Die Weltwirtschaftskrise hat die Ukraine so schwer getroffen wie kein anderes Land in Europa, nur ein 16-Milliarden-Dollar-Kredit des Internationalen Währungsfonds rettete den zweitgrößten Flächenstaat des Kontinents vor dem Bankrott. Die Ratingagentur Standard & Poor's bewertet die Bonität von Kiew noch schlechter als die des von Bombenterror zerrütteten Pakistan.



insgesamt 12 Beiträge
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blackrideriii 11.01.2010
1. Bankrott
Ein Bankrott hätte eine Zinsknechtschaft der Ukraine verhindert. Nun ist sie gefangen, den vermeintlichen Helfern aus dem Westen ausgeliefert. Mit dem Millardenkredit wrude in bekannter Manier nur das Großkapital schadlos gehalten
lemming51 11.01.2010
2. !!
Nach fast 90 Jahren "Sowjetparadies" mit all den Mängeln und Hinterlassenschaften sollte der derzeitige Zustand der Ukraine nicht verwundern. Ebenso wird dieses Land, innerlich kaum gefestigt, nur schlecht mit den postsowjetischen Problemen fertig,....wenn überhaupt. Demokratie und eine demokratische Grundstruktur ist ein Lernprozess und den kriegt man nicht in 20 Jahren "hingeschustert". Traurig, aber leider wahr.
ds77 11.01.2010
3. Jushenko Wahlfälscher und Verbrecher
Zitat von sysopDie "Orangene Revolution wurde vor fünf Jahren bejubelt. Doch inzwischen haben die Ukrainer gelernt, wie chaotisch Demokratie sein kann, wie mühsam und schmutzig. Ende der Woche stellt sich Staatschef Juschtschenko zur Wiederwahl - doch ausgerechnet sein Rivale Janukowitsch ist Top-Favorit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,670703,00.html
Artikel eines unwissenden. Der einzige Lügner, Wahlfälscher und Verbrecher von 2004 heisst Juschenko. Und er hat 2% Zustimmung und nicht 5%. Freue mich schon auf seinen Prozess nach der Wahl. Dieser Verbrecher gehört ins Gefängnis.
viceman 11.01.2010
4. es gibt so viele "wahlfälscher" + "wahlbetrüger"
Zitat von sysopDie "Orangene Revolution wurde vor fünf Jahren bejubelt. Doch inzwischen haben die Ukrainer gelernt, wie chaotisch Demokratie sein kann, wie mühsam und schmutzig. Ende der Woche stellt sich Staatschef Juschtschenko zur Wiederwahl - doch ausgerechnet sein Rivale Janukowitsch ist Top-Favorit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,670703,00.html
in ganz europa, da kommts auf den eine sowieso nicht mehr drauf an. nach vielen jahren juschtschenke-clan kommt evtl. janukowitsch mit seinen leuten an den futtertrog. aber die demokratische lichtgestalt juschtschenke hat schon fleißig den "trag geleert" und die seinen großzügig versorgt. deshalb will den typen ( abgesehen vom westen ) keiner mehr - war genau solch ein korrupter clan, wie milo in serbien oder, oder, oder ....
idealist100 11.01.2010
5. Der Westen wird
Zitat von sysopDie "Orangene Revolution wurde vor fünf Jahren bejubelt. Doch inzwischen haben die Ukrainer gelernt, wie chaotisch Demokratie sein kann, wie mühsam und schmutzig. Ende der Woche stellt sich Staatschef Juschtschenko zur Wiederwahl - doch ausgerechnet sein Rivale Janukowitsch ist Top-Favorit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,670703,00.html
Der Westen wird doch wohl die Wahl zu seinen Gunsten beeinflussen oder? Die Polen hoffen darauf und der Ami erst recht. Also hinfahren wie in Afghanistan. Dort hat doch auch die demokratische Wahl funktioniert.
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