Präsidentenwahl in Frankreich Sarkozy und Royal ziehen ins Duell

Nicolas Sarkozy hat die erste Runde der französischen Präsidentenwahl gewonnen. Ségolène Royal landete hinter ihm - in zwei Wochen kommt es nun zur Stichwahl zwischen rechts und links.

Paris - Nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen kommt Sarkozy von der konservativen UMP auf rund 31 Prozent, die Sozialistin Royal auf 25 bis 26 Prozent. Diese Zahlen gab das Innenministerium in der Nacht bekannt. Der Zentrumspolitiker François Bayrou belegte mit 18 bis 19 Prozent Rang drei. Der Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen, der es 2002 sensationell in die Stichwahl geschafft hatte, landete mit klaren Stimmenverlusten auf Platz vier. Er wird bei 10 bis 11 Prozent der Stimmen gesehen - 2002 hatte er noch 16,9 Prozent der Stimmen bekommen.

Dem bisherigen Ergebnis zufolge haben sich Sarkozy und Royal für die Stichwahl am 6. Mai qualifiziert. Demoskopen haben für den Fall einer Stichwahl zwischen diesen beiden Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgesagt. Am späten Abend veröffentlichte das Meinungforschungsinstitut Ipsos eine Umfrage, wonach Sarkozy aktuell bei einer Stichwahl auf 52 Prozent käme, Royal auf 48. Damit zeichnet sich ein klarer Links-rechts-Wahlkampf ab. Sarkozy und Royal werden versuchen, die Anhänger des Liberalen Bayrou und des rechtsextremen Le Pen für sich zu gewinnen.

Weder Bayrou noch Le Pen gaben bisher eine Wahlempfehlung ab. Tochter Marine Le Pen sagte, die Front-National-Wähler würden sich nicht verkaufen - Bayrou sich dagegen "in einigen Tagen an den Meistbietenden". Jean-Marie Le Pen kündigte eine Wahlempfehlung für 1. Mai an. Grüne, Kommunisten und Trotzkisten riefen schon heute zur Wahl Royals auf.

Kurz nach 20 Uhr hielt Sarkozy eine Ansprache vor jubelnden Anhängern in Paris. Nach seinem Sieg in der ersten Wahlrunde versprach er eine "würdevolle Debatte" mit seiner sozialistischen Konkurrentin Royal. Die Franzosen wollten eine echte Debatte zwischen "zwei Gesellschaftssystemen". Sarkozy sagte, er wolle "Frankreich hinter einem neuen französischen Traum vereinen, in dem niemand allein gelassen wird". Royal wandte sich erst eineinhalb Stunden nach der Schließung der Wahllokale im westfranzösischen Melle an die Öffentlichkeit. So lange hatte sie mit ihren Beratern an der Ansprache gefeilt. Sie appellierte an die Franzosen, für "eine Republik des Respekts" zu stimmen und ein "neues Frankreich zu erfinden".

Royals zweiter Platz war für die Linke wichtig: 2002 hatte Le Pen entgegen aller Vorhersagen den linken Kandidaten Lionel Jospin aus dem Rennen geworfen. Auf der Wahlparty der Sozialisten in Paris schwenkten die Anhänger Royals erleichtert rote Rosen, als die ersten Hochrechnungen über die Bildschirme liefen. Parteichef Francois Hollande würdigte das Abschneiden seiner Lebenspartnerin Royal als großen Erfolg, der selbst das Ergebnis von Parteiübervater Francois Mitterrand von 1981 in den Schatten stelle.

SPD-Chef Kurt Beck äußerte sich am Abend zufrieden über das Abschneiden Royals und gratulierte ihr zum Einzug in die zweite Runde der Präsidentewahl. Die "Schwesterpartei" PS und Royal hätten in den zurückliegenden Monaten hervorragende Arbeit geleistet, sagte Beck in einer Erklärung, die in Berlin veröffentlicht wurde.

Rekordwahlbeteiligung bei sonnigem Wetter

Ungewöhnlich viele Franzosen waren nach einem hoch emotionalen Wahlkampf bei sonnig-warmem Frühlingswetter zur Urne gegangen. Die Wahlbeteiligung soll bei 85 bis 87 Prozent gelegen haben. Bereits bis 17 Uhr hatten sich nach Angaben des Innenministeriums in Paris schon 73 Prozent der rund 44,5 Millionen Wahlberechtigten beteiligt - so viele wie es vor fünf Jahren insgesamt waren.

Vielerorts hatten sich lange Warteschlangen vor den Wahlbüros gebildet. Die Entscheidung über die Nachfolge von Jacques Chirac, der nach zwölf Jahren Amtszeit nicht wieder antrat, erschien vielen wie eine Schicksalswahl über die Zukunft ihres Landes. Alle zwölf Kandidaten hatten einen Bruch mit der bisherigen Regierungspolitik angekündigt.

Abgesehen von nächtlichen Bombenanschlägen korsischer Nationalisten auf Staatsgebäude auf Korsika gab es keine größeren Zwischenfälle. Erheblichen Ärger bereitete allerdings der erste großflächige Einsatz elektronischer Wahlmaschinen für eineinhalb Millionen Wähler in 82 Gemeinden. Wegen der komplizierten Bedienung gab es vor den Geräten teilweise Wartezeiten von mehr als einer Stunde.

Forscher erklärten die Wahlmaschinen zur "Quelle der Diskriminierung", weil viele Ältere und Sehbehinderte mit ihnen nicht zurechtkämen.

"Wir schätzen, dass mit diesen Maschinen 25 Prozent der Wähler Gefahr laufen, sich beim Kandidaten zu täuschen, ihre Stimme nicht abgeben zu können oder aufgeben zu müssen", erklärten die Forscher.

asc/AFP/Reuters/dpa/AP