Stichwahl ums Präsidentenamt Polen bekommt einen neuen Präsidenten

Bei der Präsidentenwahl in Polen hat Herausforderer Andrzej Duda Prognosen zufolge gewonnen. Er konnte sich gegen den liberaler auftretenden Amtsinhaber Komorowski überraschend klar durchsetzen.

AP/dpa

Bei der Präsidentenwahl in Polen hat sich der konservative Kandidat Andrzej Duda laut Prognosen durchgesetzt. Er kam demnach in der Stichwahl auf 53 Prozent der Stimmen, Amtsinhaber Bronislaw Komorowski auf 47 Prozent, wie das Institut Ipsos mitteilte. Duda hatte bereits bei der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen überraschend vorn gelegen. Vor der Wahlkampfzentrale in Warschau brachen unzählige Menschen bei Bekanntgabe der Prognose in Jubelrufe aus und skandierten Dudas Namen. Der Wahlsieger dankte allen Wählern, die für ihn gestimmt hatten - und äußerte die Hoffnung, "dass es beim nächsten Mal noch mehr sind".

Komorowski räumte seine Niederlage bereits ein. "Liebe Freunde, diesmal haben wir nicht gewonnen", sagte der 62-Jährige, der der regierenden liberalen Bürgerplattform (PO) nahesteht. "Die Einwohner eines freien und demokratischen Polens haben es so entschieden. Deshalb gratuliere ich meinem Kontrahenten."

Duda ist Europaabgeordneter und trat als Kandidat der nationalkonservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) an. Unangefochtener PiS-Chef ist der frühere Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski. Der Zwillingsbruder des 2010 bei einem Flugzeugabsturz in Russland verunglückten früheren Präsidenten Lech Kaczynski könnte durch den Erfolg Dudas bei der Präsidentschaftswahl Rückenwind für die anstehende Parlamentswahl im Herbst bekommen.

Polen wird seit acht Jahren von der liberalen Bürgerplattform regiert. Komorowskis Niederlage gegen Duda dürfte einen herben Rückschlag für die Bemühungen der PO um eine Fortführung der Regierungsgeschäfte auch nach der Parlamentswahl im Herbst bedeuten.

Im Wahlkampf hatte Duda Familien und Geringverdienern Steuervorteile versprochen. Zudem kündigte er an, die umstrittene Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre rückgängig zu machen, auch wenn die Sozialpolitik gar nicht zum Kompetenzbereich des polnischen Präsidenten gehört. Unmittelbar vor der Wahl stellte sich die Gewerkschaft Solidarnosc hinter Duda. Mit scharfer Kritik an künstlicher Befruchtung und der EU-Konvention zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt sicherte sich der Jurist zudem die Unterstützung konservativer Katholiken.

Lesen Sie am Montag eine Analyse des SPIEGEL-Redakteurs Jan Puhl zu der Wahl.

loe/Reuters



insgesamt 91 Beiträge
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ka117 24.05.2015
1. Schade
Nach ein paar guten Jahren, wird es jetzt mit Polen bergab, Richtung Griechenland und Ungarn gehen. Richtig schade.
west_ost 24.05.2015
2. Gründe für Dudas Erfolg
Dudas Erfolg liegt unter anderem in der Tatsache, dass er sich klar gegen die aktuelle politische Situation, für die die Bürgerplattform veranwortet, gestellt hat. Und das ist die allgemein herrschende Korruption, tendenzielle Medien und eine sehr große Auswanderung von jungen Leuten.
dr. ch. bernhart 24.05.2015
3. den Polen geht ein Licht auf
Den Polen wird auch langsam klar, dass die EU ausser 100000 Verordnungen und einen warmen Händedruck nichts zu bieten hat
Firewing6 25.05.2015
4. Acht Jahre top regiert...
... und jetzt kommen wieder die Flop-Schreihälse an die Macht. Das gibt wieder scharfen nationalistisch-antideutschen Wind aus Warschau.
tsaag 25.05.2015
5. Marionette von Kaczynski?
Man wird sehen ob Herr Duda nur die Marionette von Herrn Kaczynski ist oder eigenständig handelt. Seine vollmundigen Versprechen lassen jedoch Zweifel an seinen eigenen Fähigkeiten aufkommen. Sind diese doch sehr einfach und plump gestrickt, zumal viele nicht in seine Kompetenz und Entscheidungsbereiche fallen.
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