Präsidentenwahl in Russland Putin schickt Gasprom-Aufsichtsratschef Medwedew ins Rennen

Wladimir Putin regelt seine Nachfolge: Vizepremier und Gasprom-Aufsichtsratschef Dmitrij Medwedew soll neuer Präsident Russlands werden. Unter dem engen Weggefährten solle der Kurs der vergangenen acht Jahre fortgesetzt werden.


Moskau - Die Ansage Putins ist klar: "Ich unterstütze seine Kandidatur voll und ganz." Gemeint ist der stellvertretende russische Ministerpräsident und Aufsichtsratschef des Energie-Giganten Gasprom Dmitrij Medwedew. Er soll Nachfolger Putins im Präsidentenamt werden - offiziell auf Vorschlag von Boris Gryslow, dem Vorsitzenden der Kreml-Partei Einiges Russland. Das Gespräch zwischen Gryslow und Putin wurde vom staatlichen Fernsehen übertragen. Putin selbst darf bei der Präsidentschaftswahl am 2. März nach zwei Amtszeiten in Folge laut Verfassung nicht mehr antreten.

Medwedew und Putin: Kurs halten
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Medwedew und Putin: Kurs halten

Einiges Russland hatte mit Spitzenkandidat Putin die Parlamentswahl am 2. Dezember haushoch gewonnen. Am 17. Dezember will die Partei Medwedew offiziell zum Spitzenkandidaten nominieren. Der 42-Jährige ist nicht Mitglied von Einiges Russland. Auch die Parteien Gerechtes Russland, Bürgerkraft und die Agrarpartei unterstützen laut Gryslow die Kandidatur Medwedews.

Allein durch die Unterstützung Putins gilt ein Sieg Medwedews bei der Präsidentschaftswahl am 2. März als gewiss. Wie Putins Rolle danach aussieht, ist weiterhin unklar. Vor der Parlamentswahl hatte der Präsident erklärt, ein hohes Wahlergebnis für Einiges Russland würde ihm das "moralische" Recht geben, weiter Macht auszuüben. Wie dies aussehen könnte, erläuterte er nicht.

Er kenne Medwedew seit mehr als 17 Jahren, sagte Putin während der Fernseh-Übertragung. In all dieser Zeit habe er eng mit ihm zusammengearbeitet. Putin und Medwedew lernten sich an der Universität in St. Petersburg kennen, nachdem Putin 1990 von seinem KGB-Agentenposten in Dresden in seine Heimatstadt zurückgekehrt war, um an der juristischen Fakultät der Universität ausländische Studenten zu überwachen.

Von 1991 bis 1996 arbeitete Medwedem als Dozent an der juristischen Fakultät der St. Petersburger Universität. Zugleich fungierte er als Berater für den außenpolitischen Ausschuss im Magistrat der Stadt. Geleitet wurde dieses Gremium damals von Putin.

Nach dem überraschenden Rücktritt von Präsident Boris Jelzin Ende 1999 leitete Medwedew bis zur Präsidentenwahl im März 2000 in Moskau Putins Wahlkampfstab.

Nach Putins Wahl zum Staatsoberhaupt wurde sein Freund Medwedew zunächst stellvertretender Stabschef im Kreml. Zugleich rückte er in den Aufsichtsrat von Gasprom auf und wurde Vorsitzender des Gremiums. 2003 stieg er zum Stabschef im Kreml auf. Zwei Jahre später ernannte ihn Putin zum Ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten.

In dieser Position war Medwedew vor allem verantwortlich für die vom Präsidenten angekündigten Sozialprogramme: Seine Aufgabe bestand darin, Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen in eine bessere medizinische Versorgung der Bevölkerung und andere Sozialprogramme zu investieren. Darüber hinaus ist der Politiker bislang kaum öffentlich in Erscheinung getreten.

Seit Monaten war darüber spekuliert worden, wen Putin als Nachfolger favorisiert. Neben Medwedew wurde in diesem Zusammenhang auch der stellvertretende Ministerpräsident und frühere Verteidigungsminister Sergej Iwanow genannt.

Medwedew hat liberaleres Image als Iwanow

Medwedew gilt im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Iwanow, der im Kreml den Ruf eines Falken hat, als Vertreter des liberalen Flügels unter Putins Vertrauten.

Putin hatte beide, Medwedew sowie Iwanow als Nachfolgekandidaten ins Gespräch gebracht. Allerdings hatte er bislang keine Empfehlung für den einen oder anderen abgegeben.

Medwedew gilt als loyaler Gefolgsmann Putins. Sollte er am 2. März zum nächsten Präsidenten gewählt werden, würde er nach Einschätzung Putins den Weg für eine Regierung ebnen, "die den Kurs fortsetzen wird, der in den vergangenen acht Jahren Ergebnisse gebracht hat".

Putin verfestigte damit den Eindruck, dass sein Nachfolger das tun wird, was er ihm aufträgt. Seine Anhänger haben Putin gebeten, "nationaler Führer" mit nicht näher definierter Autorität zu werden.

Der liberale Politiker Wladimir Ryschkow sagte im Radiosender Echo Moskau, Medwedew sei ein Kompromisskandidat, der Putin freie Hand lassen werde. "Falls Putin allmählich die Macht abgeben will, garantiert Medwedew ihm Annehmlichkeit und Sicherheit, er wird weiter auf ihn hören. Falls er in zwei, drei Jahren zurückkehren will, ist Medwedew ohne Zweifel derjenige, der ihm den Weg frei macht."

Die Moskauer Börse reagierte auf Putins Empfehlung für Medwedew mit steigenden Kursen. Bei Umfragen haben bisher über 60 Prozent der Bevölkerung angegeben, bei der Wahl am 2. März für den Kandidaten zu stimmen, den Putin unterstützt.

asc/AFP/AP/dpa



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