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Präsidentschaftswahl: Russland demonstriert gegen Putin

Foto: Sergei Ilnitsky/ dpa

Präsidentenwahl in Russland Zehntausende protestieren gegen Putin

Wladimir Putins Gegner formieren sich. Kurz vor der Präsidentenwahl in Russland haben Zehntausende Oppositionelle bei Kälte und Schnee gegen den Kreml-Kandidaten protestiert. Mit etwa 35.000 Menschen war die Kundgebung in Moskau die größte des Landes.

Moskau - Mit einer kilometerlangen Menschenkette haben Regierungsgegner in Moskau vor der Präsidentenwahl am 4. März gegen Kremlkandidat Wladimir Putin protestiert. "Russland ohne Putin!", skandierten die Demonstranten am Sonntag bei Schnee auf dem 15,6 Kilometer langen Gartenring im Zentrum der Hauptstadt. Ziel der friedlichen Aktion war es, dass sich etwa 35.000 Menschen mit weißen Bändchen am Revers entlang des Rings als Zeichen ihrer geschlossenen Opposition an den Händen hielten. Es war die größte von mehreren landesweiten Protestaktionen "Für ehrliche Wahlen" am Wochenende.

Die Polizei sprach von mehr als 11.000 Teilnehmern, die Organisatoren hingegen von über 30.000 Demonstranten. Einige Dutzend Anhänger Putins wirkten etwas verloren. Sie stellten sich der Kette am Park Kultury gegenüber und trugen Herzen mit der Aufschrift: "Putin liebt alle." Der Regierungschef ist seit mehr als zwölf Jahren in verschiedenen Ämtern an der Macht und war bereits von 2000 bis 2008 Präsident des Landes.

Für Aufsehen sorgte auch ein Anti-Putin-Protest der vermummten Frauen-Punkband Pussy Riots, die vor einigen Tagen in die Moskauer Erlöser-Kathedrale eindrang. Das Mutterhaus der russisch-orthodoxen Kirche gilt als nationales Heiligtum. Die Band führte ein Punk-Gebet auf mit dem Wunsch, dass Putins Herrschaft enden möge, wie ein im Internet verbreitetes Video zeigt. Die Polizei leitete ein Verfahren wegen Rowdytums gegen die geflüchteten Frauen ein.

Prominente Unterstützer

Auch in vielen anderen Städten Russlands, darunter bei einer großen Aktion in St. Petersburg, protestierten Menschen gegen die umstrittene Rückkehr des früheren Geheimdienstchefs in den Kreml. Dort traten am Sonntag Politiker der linkskonservativen Partei "Gerechtes Russland" und der zur Wahl nicht zugelassenen Oppositionspartei Jabloko auf.

Gegen mögliche Fälschungen bei der Präsidentenwahl hatten bereits am Samstag in St. Petersburg auch Kremlgegner und Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow sowie der prominente Anwalt und Blogger Alexej Nawalny protestiert. Die "Revolution", die Russland brauche, müsse ohne Gewalt vonstattengehen, sagte Nawalny. Das Internetportal kasparov.ru  gab die Zahl der Demonstranten mit 15.000 an, die Polizei dagegen sprach von nur von 2500 Menschen.

Aufruf der Opposition

Die Opposition hat für den Fall von Putins Sieg in der ersten Wahlrunde am nächsten Sonntag zu landesweiten Massenprotesten aufgerufen. Die Regierungsgegner bezweifeln angesichts der Proteststimmung im Land, dass Putin mehr Stimmen bekommen kann als alle anderen Mitbewerber zusammen. Sie hoffen daher auf eine Stichwahl.

Die Partei des von der Wahl ausgeschlossenen Oppositionspolitikers Grigorij Jawlinski empfahl den Wählern, aus Protest gegen politische Willkür alle Kandidaten auf den Stimmzetteln durchzustreichen. Damit würden die Wahlzettel ungültig und könnten nicht für Fälschungen missbraucht werden, sagte der Chef der Jabloko-Partei, Sergej Mitrochin. Die Wahlberechtigten sollten außerdem Jawlinskis Namen unter den anderen Bewerbern notieren.

rom/dpa