Erfolg für Tomislav Nikolic Nationalist gewinnt Präsidentschaftswahl in Serbien

Es ist ein überraschendes Ergebnis in Belgrad: Oppositionsführer Tomislav Nikolic gewinnt die Stichwahl um die serbische Präsidentschaft - Umfragen hatten eigentlich dem EU-Sympathisanten und Amtsinhaber Boris Tadic einen haushohen Sieg vorausgesagt.
Konservativer Tomislav Nikolic: Der ewige Verlierer gewinnt

Konservativer Tomislav Nikolic: Der ewige Verlierer gewinnt

Foto: Andrej Cukic/ dpa

Belgrad - Paukenschlag in Serbien: Entgegen allen Umfragen, Prognosen und westlicher Unterstützung für seinen Konkurrenten hat Serbiens Oppositionsführer Tomislav Nikolic am Sonntag die Stichwahl um die Präsidentschaft gewonnen. Er liege klar zwei Prozent vor dem langjährigen Amtsinhaber Boris Tadic, teilte die Wahlforschungsgruppe CeSID nach Hochrechnung von 70 Prozent der abgegebenen Stimmen mit.

Nikolic beansprucht den Sieg für sich und auch Anhänger seiner Fortschrittspartei (SNS) teilten mit: "Serbien hat heute Abend einen neuen Präsidenten bekommen." Tadic räumte während einer Pressekonferenz seine Niederlage ein: Er beglückwünsche seinen Herausforderer Nikolic zu dessen "verdientem Sieg" bei der Stichwahl, sagte Tadic am Sonntagabend. Er wünsche dem 60-Jährigen "Erfolg".

Nikolic ist seit 2004 der beständige Herausforderer des bisherigen Amtsinhabers Tadic. Sein gutes Abschneiden kommt überraschend: Tadic war als Favorit ins Rennen gegangen, alle Umfragen hatten ihm einen haushohen Sieg vorausgesagt. Die letzten Meinungsanalysen hatten ihn mit 58 Prozent vorne gesehen.

Nikolic: "Werden nicht vom europäischen Weg abweichen"

Tadic hatte auch mit Abstand die besseren Karten in dieser Wahlkampagne. Die Medien hofierten ihn ebenso wie Brüssel und Washington. Der 54-Jährige war in den vergangenen zwei Wochen praktisch allgegenwärtig. Mit Riesenanzeigen in allen Zeitungen, mit täglichen Interviews und Reportagen auf allen TV-Kanälen. Tadic hatte Auszeichnungen en masse von westlichen Organisationen erhalten, womit er als der wichtigste demokratische Politiker Serbiens stilisiert wurde.

Die Abwahl von Tadic sei auf die katastrophale Wirtschaftslage mit Rekorden bei Arbeitslosigkeit und Firmenpleiten zurückzuführen, analysierten prominente Kommentatoren den völlig überraschenden Wahlausgang. Dass die Bevölkerung mit der Politik unzufrieden war, zeigte auch der Minusrekord bei der Wahlbeteiligung: Nur 45 Prozent der Bürger gingen überhaupt zur Stichwahl. Nach ersten Ergebnissen gab es daneben 100.000 absichtlich ungültig gemachte Stimmzettel. Eine geringere Wahlbeteiligung soll nach Darstellung der Statistiker Nikolic zudem nützen.

Nikolic galt als der größte Verlierer der serbischen Politik. Er und Tadic standen sich bereits bei den vergangenen beiden Präsidentschaftwahlen gegenüber. Damals war Nikolic noch ein erbitterter Gegner einer Annäherung Serbiens an die EU. Inzwischen aber befürworten auch er und seine Serbische Fortschrittspartei (SNS) einen EU-Beitritt - allerdings nicht um jeden Preis, wie er im Wahlkampf betonte.

Tadic macht sich seit seinem Amtsantritt für eine engere Anbindung Serbiens an die Europäische Union stark. Nach der Verhaftung und Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic wurde das Land im März offizieller Beitrittskandidat der EU. Streitpunkt mit Brüssel bleibt jedoch der Status Kosovos. Belgrad lehnt die Anerkennung der Unabhängigkeit seiner ehemaligen Provinz weiter kategorisch ab.

Tadic hatte seinen Landsleuten versprochen, er wolle die Verhandlungen über eine EU-Mitgliedschaft noch vor Jahresende in Gang bringen und hoffe auf eine Mitgliedschaft binnen fünf Jahren. Bei seiner Stimmabgabe bezeichnete er die Wahl als richtungsweisend.

Panne in Brüssel: Glückwunschschreiben drei Stunden zu früh verschickt

Obwohl das Balkanland von der schwersten sozialen Krise seit den Bürgerkriegen in den 90er Jahren gebeutelt wird, hatten die Wahlstrategen von Tadic ein völlig überzogenes Bild von einem Wunderland Serbien gezeichnet. Ölschiefervorkommen sollten das Land zum Saudi-Arabien der Region machen. Prominente westliche Firmen standen nach dieser Darstellung Schlange, um in Serbien investieren zu dürfen. Zuletzt behauptete das Tadic-Lager, in Serbien werde der größte Solarpark der Welt gebaut.

Was das Land vom neuen Präsidenten zu erwarten hat, bleibt offen. Auf jeden Fall wird es zu einer Kohabitation mit der Regierung kommen. Denn obwohl die von Nikolic neu gegründete Fortschrittspartei (SNS) die Parlamentswahl vor zwei Wochen gewonnen hatte, werden die Demokraten (DS) von Tadic mit ihren bisherigen Koalitionspartnern wieder die Regierung bilden.

Unklar ist der politische Kurs von Nikolic. Noch in der Wahlnacht versprach er, "Serbien wird nicht vom europäischen Weg abweichen". Bisher hatten ihm die USA und die EU diese Wandlung nicht richtig geglaubt. Allerdings war Brüssel dann mit den Glückwünschen für Nikolic durch eine Panne schneller als erlaubt: Bereits drei Stunden vor Schließung der Wahllokale schickte die EU-Spitze dem neuen Präsidenten ihre Glückwünsche.

lgr/dpa/AFP/dapd
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