Präsidentschaft und Kongressmehrheit Demokraten träumen von historischem Linksruck

Von Peter Ross Range

2. Teil: Sarah Palin - die größte Belastung für McCain


Obama ist im Gegensatz zu Carter ein Politiker, der aus dem Establishment stammt - er ist ja schon Senator. Und es gefällt ihm, Teil dieses Establishments zu sein. Aber auf sein Team muss er aufpassen. Wenn sie das Zentrum der Macht besetzen, dürfen sie eines nicht vergessen: nett, umgänglich, bodenständig zu bleiben. Als Außenseiter nach Washington eingezogen zu sein, ist eine Sache. Aber ohne die Insider zu überzeugen, kann man eben doch nicht regieren. Auch nach einem noch so brillanten und erfolgreichen Wahlkampf kann man die folgende Präsidentschaft grandios vermurksen. So ist es Lyndon B. Johnson ergangen (Vietnam-Krieg), Richard Nixon (Watergate) und auch Jimmy Carter (Iran-Geiseln, Afghanistan-Invasion, zweistellige Inflation).

Allerdings: Dass die Debatte inzwischen schon so weit ist, dass sich Washingtons Insider um die Folgen eines möglichen Obama-Triumphs sorgen, zeigt die missliche Lage der Republikanern. Bei ihnen ist die Unsicherheit groß. Einige konservative Kommentatoren sprechen vom Wahlkampf McCains jetzt schon in der Vergangenheitsform. Sie zählen seine strategischen und taktischen Fehler auf.

Der schlimmste Fauxpas - und das sehen wirklich alle so - war die Kür von Sarah Palin zu seiner Vize-Kandidatin. Die ersten ein, zwei Wochen hat sie die Marke McCain aufgepeppt und die Basis der Partei euphorisiert. Doch inzwischen ist sie zur Belastung geworden. Sie scheint es fast darauf anzulegen, ihrem Zeugnis täglich eine neue schlechte Note hinzuzufügen.

An diesem Montag kam die Meldung, dass sie Reisekosten für ihre Kinder aus Alaskas Staatskasse bezahlt hat.

Am Dienstag musste sie sich dafür entschuldigen, dass sie bei einem Auftritt in North Carolina die "pro-amerikanischen Regionen dieser großartigen Nation" gepriesen hatte - was bedeuten würde, dass die anderen Regionen, mutmaßlich an den Küsten, demnach contra-amerikanisch wären.

Am Mittwoch erfahren wir, dass die Republikaner 150.000 Dollar ausgegeben haben, um Palin - und ihre Familie! - mit Kleidern und Kosmetik für den Wahlkampf auszustaffieren.

Die "Sarah"-Plakate verschwinden plötzlich wieder

Der "New Yorker" hat inzwischen in allen Details nachgewiesen, dass Palin schon vor einem Jahr Ambitionen auf die Vize-Kandidatur hegte. Sie lud damals eine Schar konservativer Journalisten aus Washington in den Gouverneurspalast in Juneau ein, um sich für den engeren Kreis der Kandidaten mit Aussicht auf eine Vize-Nominierung zu empfehlen. Sie ist ambitioniert - daran besteht kein Zweifel.

Doch dass ihr Stern nun am Sinken ist, kann ich in meiner eigenen Nachbarschaft in Washington D.C. beobachten. Vor einem Monat, bei Palins Höhenflug, stellte der Republikaner an der Ecke seinen Garten komplett mit Werbetafeln für McCain zu. Und spannte ein zwei Mal zwei Meter großes Banner auf, auf das er "SARAH" geschrieben hatte. Darunter, viel kleiner, "McCain / Palin".

Seit ein paar Tagen ist das Banner verschwunden.

Übersetzung: Olaf Kanter



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