Präsidentschaftswahl in Chile Pinochet-Opfer gilt als Favoritin

In Chile haben heute die Präsidenten- und Parlamentswahlen begonnen. Erstmals in der Geschichte des konservativen und katholischen Landes gilt eine Frau als Favoritin für das Präsidentenamt.


Santiago de Chile - Insgesamt 8,2 Millionen Bürger des südamerikanischen Landes sind zur Wahl eines neuen Staatsoberhauptes sowie der Hälfte der Senatssitze und aller Abgeordneten des Unterhauses aufgerufen. Chile hat sich seit dem Ende der Militärdiktatur von Augusto Pinochet 1990 zu einer der stabilsten Demokratien Lateinamerikas entwickelt. Die 54-jährige Sozialistin Michelle Bachelet kann Umfragen zufolge mit den meisten Stimmen rechnen.

Michelle Bachelet: Mehrere Wochen von den Pinochet-Schergen gefoltert
REUTERS

Michelle Bachelet: Mehrere Wochen von den Pinochet-Schergen gefoltert

Die ehemalige Verteidigungsministerin ist ein Opfer der Pinochet-Diktatur. Ihr Vater, ein General der Luftwaffe, blieb beim Militärputsch 1973 dem damaligen Präsidenten Salvador Allende treu, wurde von den Putschisten gefoltert und starb in den Kerkern des Pinochet-Regimes. Auch die heutige Präsidentschaftskandidatin wurde mehrere Wochen im Folterzentrum Villa Grimaldi festgehalten. Sie kehrte anschließend ihrem Land zunächst den Rücken und ging ins Exil in die DDR. Dort begann sie ihr Medizinstudium in Berlin. 1979, mehr als zehn Jahre vor Ende der Diktatur, kehrte sie nach Chile zurück.

Die Entscheidung über die Präsidentschaft wird aller Voraussicht nach erst in einer Stichwahl im Januar zwischen Bachelet und dem voraussichtlichen Zweitplatzierten Sebastián Piñera fallen. Bachelet tritt für die seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie 1990 ununterbrochen regierende Koalition Concertación an.



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