Präsidentschaftswahl 2017 Hollande lässt die Macht nicht los

Kandidiert Frankreichs Präsident Hollande noch einmal für den Chefposten im Élysée? Der unpopuläre Sozialist gibt den Beschützer der Nation, er hat offenbar noch nicht aufgegeben.

Präsident François Hollande
AFP

Präsident François Hollande

Von , Paris


"Freiheit, Gleichheit, Sicherheit": Für seine Grundsatzrede vor der linken Stiftung Jean-Jaures hat François Hollande die Grundwerte der Republik auf dem Sprechzettel. Der Präsident meldet sich am Donnerstag mit dem sperrigen Thema Demokratie und Terror aus der Sommerpause zurück.

Nicht zufällig, hatte er doch, ganz Staatsmann, besonnen auf die Serie von Attentaten in Frankreich reagiert - Ausnahmezustand, Mobilisierung einer Bürgerreserve, mehr Sicherheitskräfte - und dafür größtenteils Anerkennung bekommen.

Der Vortrag wirkt wie der Auftakt zur erneuten Präsidentschaftskandidatur des Sozialisten. "Es wird eine der wichtigsten Ansprachen zum Auftakt der politischen Herbstsaison", sagt Stiftungsdirektor Gilles Finchelstein. "Das Thema ist von zentraler Bedeutung für 2017."

Bislang hatte sich Hollande mit seinen Absichten für eine zweite Amtszeit bedeckt gehalten. Erst Anfang Dezember, einen Monat vor der Kandidatenkür der Sozialisten, will sich der Präsident erklären, um möglichst lange vom Habitus des abgeklärten Staatschefs zu profitieren.

Vorher würde der Präsident gern noch sein Image als oberster Interessenvertreter der Nation pflegen: Deutsch-französisches Tête-à-Tête mit Kanzlerin Merkel in Evian, G-20-Gipfel im chinesischen Hangzhou, Staatsbesuch in Vietnam und Ende der Woche ein Abstecher nach Athen.

Doch der politische Alltag holt Hollande ein: Der Kampf um den Élysée tobt bereits, die angehenden republikanischen Kandidaten (LR) bekämpfen sich gegenseitig. Zugleich gibt es Ärger im eigenen Lager, abtrünnige PS-Minister melden ebenfalls Ansprüche auf eine Kandidatur an.

Seit der vergangenen Woche ist die Planung des Präsidenten endgültig durcheinandergeraten. Emmanuel Macron, Hollandes politischer Ziehsohn, trat als Wirtschaftsminister zurück, weil er offenbar eigene Ambitionen auf das höchste Amt der Republik hat. Mit dem "Verrat" des Wunderknaben verliert der Präsident ein populäres Kabinettsmitglied des rechten Flügels, das Sympathien in breiten Wählerschichten genießt.

"Hollande ist damit in der Öffentlichkeit enorm geschwächt", sagt der PS-Abgeordnete Christian Paul in der Zeitung "Le Figaro". "Eine neue Kandidatur erscheint unter diesen Umständen schwierig." Ein ehemaliger Regierungsberater sagt: "Der König ist nackt."

Mit seiner programmatischen Rede versucht Hollande nun der gefühlten Endzeitstimmung entgegenzusteuern und sich gleichzeitig als Garant der staatlichen Stabilität zu präsentieren. Themen wie die schwächelnde Wirtschaft, die grassierende Arbeitslosigkeit, den Frust von Landwirten oder der Ärger der Gewerkschaften, die neue Protestaktionen gegen das verpönte Reformgesetz zum Arbeitsrecht planen, blendet er aus.

Stattdessen setzt Hollande auf private Geständnisse, etwa seine Empfindungen zur Macht in Ausnahmesituationen. Dazu Lob für den Einsatz von Militär, Polizei und Gendarmerie. Und während sich die republikanischen Kandidaten bei der Debatte um Identität und Islamismus mit immer drastischeren Vorschlägen überbieten, fordert Hollande einen Kurs der Mitte, "ausbalanciert und vernünftig".

Wird Hollande tatsächlich 2017 kandidieren? Hinweise, dass Hollande Ambitionen auf ein zweites Mandat hat, häufen sich: etwa das Steuergeschenk acht Monate vor der Wahl, mit dem Frankreichs Mittelschicht knapp eine Milliarde Euro einsparen soll.

Der Sozialist, der als langjähriger PS-Generalsekretär wegen seines Lavierens zwischen ideologischen Strömungen als "Mann der Synthese" gerühmt wurde, spielt noch auf Zeit. Aber vor dem versammeltem Kabinett gestand er bereits: "Es gibt keine größere Ehre als seinem eigenen Land zu dienen."



insgesamt 42 Beiträge
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spmc-135322777912941 08.09.2016
1. Letzte Umfrage gestern:
Hollande zwischen 11 und 15 %. Er kommt nicht in die Stichwahl die Le Pen und der Kandidat der Republikaner unter sich ausmachen, also entweder Juppé oder Sarkozy. Na gut, was soll Hollande machen wenn er nicht zu lahmsten aller "lame ducks" werden will ?
vulcain 08.09.2016
2.
Kandidiert Hollande gegen Sarkozy, dann ist mit großer Sicherheit Le Pen die lachende Dritte, die es mindestens bis in die Stichwahl, wenn nicht gar bis auf den Chefsessel schaffen wird. Kandidiert nur einer der beiden, um alle Stimmen auf sich zu ziehen, wie es bei den Wahlen zu den Regionalparlamenten schon gemacht wurde, ist das Endergebnis unter Umständen das Gleiche. Wollen die bisherigen Regierungsparteien eine Präsidentin Le Pen verhindern, werden sie sich schon was einfallen lassen müssen. Ich sehe da eher schwarz für die beiden Herren.
Beijinger 08.09.2016
3. Immerhin
hat er die Haare schön. Hat sein privater Friseur wieder ganze Arbeit geleistet, "Waschen, Fönen, Legen". Ansonsten?
Schlumperli 08.09.2016
4. Ulkig
Aus dem Artikel: [Hollande] "... besonnen auf die Serie von Attentaten in Frankreich reagiert - Ausnahmezustand, Mobilisierung einer Bürgerreserve, mehr Sicherheitskräfte - und dafür größtenteils Anerkennung bekommen." Besonnen reagiert ? Anerkennung bekommen ? In Frankrekich Ja - in Deutschland Nein. Wäre Hollande ein deutscher Politiker, würden ihm die deutschen Medien ekelhaften Rechtspopulismus vorwerfen. Ist schon jemand aufgefallen, dass der französische Staatspräsident und Sozialist Hollande deutlich weiter rechts steht als unsere Kanzlerin, Mitglied der CDU, einer angeblich konservativen Partei ?
Braveheart Jr. 08.09.2016
5. Macron will ...
... den Pelz des Bären waschen, ohne ihn naß zu machen. Hollande verrät in einem Hintergrundgespräch, daß er den Pelz gerne waschen würde, sich aber nicht entscheiden kann welches Shampoo er nehmen soll. Sarkozy reklamiert, daß er den Bären eigenhändig erlegt und somit als Einziger das Recht habe, den Pelz zu waschen. Und Marine LePen läßt sich derweil den Bärenschinken schmecken!
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