Präsidentschaftswahl in Peru Mitte-Links-Kandidat schlägt Linkspopulisten

Der Siegeszug linkspopulistischer Politiker in Lateinamerika ist vorerst gestoppt: Bei der Präsidentschaftswahl in Peru steuert der Mitte-Links-Kandidat Alan Garcia auf einen klaren Sieg zu. Doch auch in Mittelschicht und Wirtschaft ist die Freude verhalten. Garcia gilt lediglich als das kleinere Übel.


Lima - Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt, doch schon jetzt gilt der Mitte-Links-Kandidat Alan Garcia als klarer Sieger der Präsidentschaftswahlen: Nach Auszählung von mehr als Dreiviertel der abgegebenen Wahlzettel kam er auf 55,5 Prozent der Stimmen, wie die Vorsitzende der nationalen Wahlkommission, Magdalena Chu, mitteilte. Auf den Linksnationalisten Ollanta Humala, der im Wahlkampf vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez unterstützt wurde, entfielen demnach nur 44,5 Prozent.

Wahrscheinlicher Wahlsieger Garcia: Erste Präsidentschaft von 1985 bis 1990 war Zeit des wirtschaftlichen Chaos'
AP

Wahrscheinlicher Wahlsieger Garcia: Erste Präsidentschaft von 1985 bis 1990 war Zeit des wirtschaftlichen Chaos'

Auch wenn Beobachter darauf hinweisen, dass der Vorsprung Garcias noch schrumpfen könnte, weil die Ergebnisse aus ländlichen Gebieten und damit aus den Hochburgen Humalas noch fehlten: Im Grunde zweifelt niemand mehr daran, dass Garcia im Juli die Nachfolge von Präsident Alejandro Toledo antreten wird.

Damit scheint der Siegeszug der linksnationalistischen Kräfte in Lateinamerika vorerst gestoppt. Ein Sieg Humalas hätte dem Vorreiter der Bewegung, Chavez, nach dem Wahlsieg von Evo Morales in Bolivien einen weiteren wichtigen Verbündeten in der Region beschert. Humala, der im ersten Wahlgang am 9. April noch die meisten Stimmen erhalten hatte, kündigte unter anderem an, gegen die Interessen ausländischer Firmen im Land vorzugehen und mehr Gewinne der Bergbaufirmen abzuschöpfen. Sie sollten den 49 Prozent der insgesamt 27 Millionen Peruaner zugute kommen, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Humala versprach eine stärkere Besteuerung der Reichen und geißelte wie sein Vorbild Chavez den "US-Imperialismus" und die neoliberale Wirtschaftsordnung.

In den ländlichen Gebieten der Anden konnte Humala außerdem punkten, indem er der dortigen indianischen Bevölkerung eine radikale Umverteilung der Besitztümer und damit mehr Land versprach.

Der bekannte peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa, der sich 1990 selbst vergeblich um das Präsidentenamt bemüht hatte, geißelte Humala dagegen im Wahlkampf als gefährlichen Autokraten, der die Demokratie im Lande bedrohe. Allerdings bekräftigte er auch seine langjährige Kritik an dessen Kontrahenten Garcia.

Auch für den Mittelstand und die Wirtschaft, die Garcia im Wahlkampf tatkräftig unterstützten, dürfte der neue Präsident eher als das kleinere Übel denn als Glücksfall gelten. Denn der 57-Jährige war schon einmal Staatschef, zwischen 1985 und 1990, und diese Zeit war geprägt von Korruption, Gewalt und wirtschaftlichem Chaos. Im Wahlkampf hatte Garcia betont, aus seinen Fehlern gelernt zu haben. Er kündigte "verantwortungsvolle" soziale Reformen an. Als Vertreter der gemäßigten Linken Südamerikas setzt er auf Marktwirtschaft, sagt aber gleichzeitig der Armut den Kampf an.

An seiner Haltung gegenüber dem Linkspopulismus in Lateinamerika ließ Garcia aber keinen Zweifel. Nach Bekanntwerden der ersten Wahlergebnisse erklärte er in Lima, die Wähler hätten die Versuche Chavez' abgeschmettert, Peru in sein "militaristisches und rückschrittliches Modell einzuverleiben, das er in Südamerika einpflanzen will". Garcias Anhänger skandierten "Chavez höre, Alan hat gewonnen". Chavez hatten Garcia als "Dieb" beschimpft und angekündigt, bei einem Sieg des Mitte-Links-Kandidaten die diplomatischen Beziehungen zu Peru abbrechen zu wollen.

Innenpolitisch zeigt das Wahlergebnis die extreme Spaltung zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. Garcia brachte vor allem die Hauptstadt Lima hinter sich, wo ein Drittel aller Peruaner leben. Humala konnte dagegen in der Provinz punkten und gewann 15 Regionen gegenüber neun für García. Er rief am Wahlabend alle linken und nationalistischen Gruppierungen des Landes zur Bildung einer "Nationalistischen Front" auf, die für eine gerechtere Gesellschaft kämpfen solle.

ase/AP/AFP/reuters



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