Präsidentschaftswahl in Russland Polizei nimmt Journalisten fest

Kurz vor der russischen Präsidentenwahl sind in Moskau drei regierungskritische Journalisten festgenommen worden. Journalistenverbände protestieren scharf.


Moskau - Russland steht immer wieder wegen Einschüchterungsversuchen von Journalisten in der Kritik. Diesmal traf es drei Tage vor der Präsidentenwahl zwei Männer und eine Frau - Sicherheitskräfte nahmen sie fest. Es handele sich um Reporter des russischen Nachrichtenmagazins "The New Times" und des Radiosenders "Echo Moskwy", meldete die Nachrichtenagentur Interfax heute. Der Radiojournalist wurde nach seiner Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Polizei nannte die festgenommene Journalistin Natalja Morar und ihren Mann Ilja Barabanow eine "Sicherheitsbedrohung für das Land".

Der Generalsekretär des russischen Journalistenverbandes, Igor Jakowenko, sprach von einer "Schande für Russland". Dabei gehe es klar um eine Verfolgung des Berufsstandes. Morar und Barabanow waren auf dem Flughafen bei ihrer Einreise nach Russland festgenommen worden. Die moldawische Journalistin war bereits im Dezember ausgewiesen worden. Morar hatte nach Medienberichten Barabanow geheiratet, um damit auch wieder Wohnrecht in Moskau zu haben.

Das Außenministerium betonte, dass Russland ohne Angaben von Gründen darüber entscheide, ob es Ausländer einreisen lasse. Über die Rückkehr des Paars nach Moskau hatte der Radiojournalist Wladimir Barfolomejew berichten wollen.

Der Internationale Journalistenverband (IFJ) hatte gegen die Ausweisung der investigativen Reporterin aus Russland protestiert. Der IFJ vermutet hinter dem Vorfall eine Vergeltung für Morars Berichte über undurchsichtige Geldspenden an politische Parteien, darunter die Kremlpartei Geeintes Russland, für die Präsident Wladimir Putin bei der Dumawahl am 2. Dezember als Spitzenkandidat den Sieg errungen hatte.

ler/dpa



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