Pressefreiheit 25 Journalisten getötet

Eine düstere Jahresbilanz für 2002 hat die Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" gezogen. Danach wurde das Recht auf freie Information im Jahr 2002 zunehmend ausgehöhlt und der Quellenschutz beschränkt - im Namen des Anti-Terror-Kampfes. Auch die Gewalttätigkeit gegenüber Journalisten nahm zu.

Berlin - Die Bilanz zur Situation der Pressefreiheit im Jahr 2002 wurde am Montag in Berlin und Paris veröffentlicht. Demnach wurden im vergangenen Jahr 25 Journalistinnen und Journalisten während der Berichterstattung oder wegen missliebiger Recherchen und Berichte ermordet. Außerdem wurden vier technische Medienmitarbeiter im Einsatz getötet.

Die Umstände und Motive von weiteren 30 Todesfällen werden zur Zeit noch von der internationalen Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der Pressefreiheit untersucht. Im Vergleich zum Vorjahr (31 Tote) seien in 2002 zwar weniger Reporter zu Tode gekommen, die Gewalt gegenüber Journalisten habe jedoch "gravierend zugenommen", stellt der Bericht fest.

So sei die Zahl der Medienvertreter, die 2002 bedroht oder schikaniert wurden, "drastisch gestiegen". Der Zählung nach wurden 1420 Übergriffe registriert. Im Vergleich zu 716 Vorfällen im Jahr 2001 habe sich die Zahl damit nahezu verdoppelt. Auch die Zahl der Journalistinnen und Journalisten, die vorübergehend festgenommen, verhört oder entführt wurden liege um über 40 Prozent höher als im Vorjahr. 692 Journalisten saßen im Jahr 2002 zeitweilig hinter Gittern.

In 389 Fällen wurden Medien zensiert oder mit einem Erscheinungsverbot belegt, beispielsweise in Weißrussland. Das Ausmaß der Zensur sei damit 2002 unverändert hoch geblieben. In einer Reihe von Staaten und Konfliktregionen wie beispielsweise in Bangladesch, Eritrea, Haiti, Nepal und Simbabwe habe sich die Lage der Pressefreiheit im Jahr 2002 weiterhin verschärft. Die im vergangenen Jahr an Journalisten begangenen Morde seien, bis auf wenige Ausnahmen, nicht aufgeklärt worden und die Mörder und Auftraggeber nicht zur Verantwortung gezogen worden.

Eingeschränkter Quellenschutz

Die journalistische Menschenrechtsorganisation zeigt sich außerdem beunruhigt, dass 2002 in rund einem Dutzend Ländern der Quellenschutz im Zuge neuer Anti-Terror-Gesetze ausgehöhlt worden sei. Mittlerweile würden Journalisten selbst in einer Reihe demokratischer Länder, wie den USA, festgenommen oder verhört, wenn sie ihre Quellen nicht preisgäben. Das Recht auf Vertraulichkeit der Information gilt jedoch als eine unverzichtbare Voraussetzung für die freie und unabhängige journalistische Recherche und dürfe "nicht leichtfertig geopfert werden", fordert die Organisation.

"Reporter ohne Grenzen" notiert allerdings auch eine Reihe positiver Entwicklungen. So hätten politische Reformen und Friedensprozesse dazu beigetragen, die Arbeitsbedingungen für Journalisten in Angola, Afghanistan und Sri Lanka zu verbessern. Nach langen Jahren in Haft und zahlreichen weltweiten Protesten seien auch prominente Journalisten in Ruanda, Pakistan und Birma freigelassen worden. Die Zahl weltweit inhaftierter Medienvertreter habe allerdings 2002 mit 118 höher gelegen, als in den beiden Jahren zuvor.

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